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Feuilleton

Peinliches Eingeständnis

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Kein gutes Wochenende für die US-Administration: Der von US-Präsident George Bush bestellte Vertrauensmann David Kay hat sein Amt als Chef-Waffeninspektor im Irak zurückgelegt. Nicht in aller Stille, sondern vor der Öffentlichkeit. Seiner Überzeugung nach gibt es im Irak keine Massenvernichtungswaffen. "Ich glaube nicht, dass sie existieren."

Peinlich, besonders für US-Außenminister Colin Powell. Er hatte dem UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 "nachgewiesen", dass der Irak über entsprechende Produktionsstätten verfügte. Powell am letzten Wochenende: "Die offene Frage ist, wie viel sie hatten, falls überhaupt welche, und falls sie welche hatten, wo sind sie hingekommen? Und wenn sie keine hatten, warum war das dann nicht vorher bekannt?"

Was heißt "nicht bekannt"? Hans Blix, vor Ausbruch des Krieges Leiter der UN-Waffeninspektoren, wurde zur selben Zeit, da die USA die Kriegstrommel rührten, nicht müde zu beteuern, im Irak gebe es keine Massenvernichtswaffen.

Langsam kommt man um die Einsicht nicht herum: Die Gründe für den Krieg im Irak - Saddams Waffenarsenal und seine Al-Kaida-Connection - waren vorgetäuscht. Auch die Aussage von Ex-Finanzminister Paul O'Neill im Jänner, die Bush-Administration habe es von Anfang an auf einen Krieg gegen Saddam angelegt gehabt, passt da ins Bild.

Es wird immer schwieriger, die Hypothese vom Krieg um die Erdölreserven von der Hand zu weisen. Mit 15 Milliarden Tonnen verfügt der Irak über die zweitgrößten Erdölvorkommen der Welt. Wen sollte es da wundern, wenn das Land mit der schlagkräftigsten Armee und dem höchsten Energieverbrauch sich rechtzeitig Einfluss auf diesen unermesslichen Schatz sichert - noch dazu in einer Zeit, in der keine neuen Erdöllager mehr entdeckt werden?

christof.gaspari@furche.at

Kein gutes Wochenende für die US-Administration: Der von US-Präsident George Bush bestellte Vertrauensmann David Kay hat sein Amt als Chef-Waffeninspektor im Irak zurückgelegt. Nicht in aller Stille, sondern vor der Öffentlichkeit. Seiner Überzeugung nach gibt es im Irak keine Massenvernichtungswaffen. "Ich glaube nicht, dass sie existieren."

Peinlich, besonders für US-Außenminister Colin Powell. Er hatte dem UN-Sicherheitsrat im Februar 2003 "nachgewiesen", dass der Irak über entsprechende Produktionsstätten verfügte. Powell am letzten Wochenende: "Die offene Frage ist, wie viel sie hatten, falls überhaupt welche, und falls sie welche hatten, wo sind sie hingekommen? Und wenn sie keine hatten, warum war das dann nicht vorher bekannt?"

Was heißt "nicht bekannt"? Hans Blix, vor Ausbruch des Krieges Leiter der UN-Waffeninspektoren, wurde zur selben Zeit, da die USA die Kriegstrommel rührten, nicht müde zu beteuern, im Irak gebe es keine Massenvernichtswaffen.

Langsam kommt man um die Einsicht nicht herum: Die Gründe für den Krieg im Irak - Saddams Waffenarsenal und seine Al-Kaida-Connection - waren vorgetäuscht. Auch die Aussage von Ex-Finanzminister Paul O'Neill im Jänner, die Bush-Administration habe es von Anfang an auf einen Krieg gegen Saddam angelegt gehabt, passt da ins Bild.

Es wird immer schwieriger, die Hypothese vom Krieg um die Erdölreserven von der Hand zu weisen. Mit 15 Milliarden Tonnen verfügt der Irak über die zweitgrößten Erdölvorkommen der Welt. Wen sollte es da wundern, wenn das Land mit der schlagkräftigsten Armee und dem höchsten Energieverbrauch sich rechtzeitig Einfluss auf diesen unermesslichen Schatz sichert - noch dazu in einer Zeit, in der keine neuen Erdöllager mehr entdeckt werden?

christof.gaspari@furche.at