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Zuversicht lernen

DISKURS
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Sir Karl Popper: Von der Pflicht zum Optimismus

1945 1960 1980 2000 2020

Vor einem guten Jahr, im Dezember 1993, bekam der Philosoph Sir Karl Popper in Berlin die Otto-Hahn-Friedensmedaille, weil er sich als einer der großen Denker unserer Zeit so nachdrücklich für die Wissenschaft und den Frieden eingesetzt hat. Am 17. September 1994 ist Popper im Alter von 92 Jahren bei London gestorben.

1945 1960 1980 2000 2020

Vor einem guten Jahr, im Dezember 1993, bekam der Philosoph Sir Karl Popper in Berlin die Otto-Hahn-Friedensmedaille, weil er sich als einer der großen Denker unserer Zeit so nachdrücklich für die Wissenschaft und den Frieden eingesetzt hat. Am 17. September 1994 ist Popper im Alter von 92 Jahren bei London gestorben.

Nach seinen zahlreichen Büchern konnte er noch zwei Monate vor seinem Tode als eine Art Ausklang eine Sammlung von Aufsätzen und Vorträgen fertigstellen, die jetzt als Buch über Fragen der Erkenntnistheorie der Geschichte, der Freiheit und der Friedenssicherung vorliegen.

Durch seine Betrachtungen zur Wissenschaft und zur Technik zieht sich als roter Faden das Prinzip von Versuch und Irrtum. Daß die Forschung darin besteht, kühne Hypothesen aufzustellen, um sie experimentell zu überprüfen, ist ihm seit seiner Jugendzeit in Wien (und Erinnerungen daran klingen immer wieder an) sehr deutlich klargeworden. Dieser Zugang zum Wissen wird in dem Buch in einer großartigen Darstellung Johannes Keplers erläutert. Das Vorankommen durch kritische Betrachtung und durch Zweifel, das Lernen durch die Korrektur von Fehlern führte ihn zu der Erkenntis, daß alles Leben Problemlösen ist.

Als Philosoph bekannte er sich klar zu Immanuel Kant (und gegen Hegel), zu den Grundsätzen der Aufklärung, zur Selbstbefreiung durch Wissen, zur Würde des Menschen. Und vor allem zur Freiheit, die jedoch ihre Grenzen erkennen oder gesetzt bekommen muß.

Seine Gedanken waren zwar oft der Geschichte und der geschichtlichen Erfahrung zugewandt, noch mehr aber der Zukunft und den Problemen unserer Zeit: der Demokratie (mit Bedenken gegenüber Bürgerinitiativen und „ideologischen” Vorstellungen der Grünen), dem Hunger in der Welt, der mit der Bevölkerungsexplosion und der Unvernunft vieler Politiker in der Dritten Welt zusammenhängt, ebenso dem unsinnigen Kampf gegen Technik und Fortschritt und dem notwendigen, energischen Kampf gegen die Verbreitung der Atomwaffen. Trotz aller Zweifel, trotz offener Kritik an vielen Zeiterscheinungen, sah er den kommenden Entwicklungen zuversichtlich entgegen. Deshalb seine Worte: „Optimismus ist Pflicht”.

Ein Buch, das jeden, dem die großen Fragen von heute und morgen am Herzen liegen, mit großer Befriedigung erfüllen und zu weiterem Nachdenken anregen wird. Und das den bedeutenden Philosophen Popper seinen Landsleuten in Österreich nahebringt.

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