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Pilz, Menasse und Kosovo

Sprach- und Ratlosigkeit: das sind die unmittelbarsten und sehr menschlichen Empfindungen angesichts des Grauens im Kosovo. Natürlich scheint es plausibel, daß die nun täglich über den Bildschirm flimmernden Horrorszenen unmittelbare Folge des NATO-Eingreifens sind; dieser weitverbreitete Eindruck kommt der serbischen Führung gewiß nicht ungelegen. Freilich ist mindestens ebensogut vorstellbar, daß sich die Lage in der Albanerprovinz in jedem Fall weiter dramatisch zugespitzt hätte, wie dies der britische Außenminister Robin Cook andeutete.

Es ist eine Tatsache, daß niemand weiß, wie es weitergehen soll. Es ist aber genauso unbestreitbar, daß auch niemand weiß, wie es ohne NATO-Intervention hätte weitergehen sollen.

Im "Standard" ortete Peter Pilz zwar die "NATO am Ende der Sackgasse", legt wortreich dar, wie böse Clinton, Schröder und Blair sind, bleibt aber genau die Antwort auf die Frage nach Alternativen zum Zeitpunkt des Einsatzbefehls schuldig. Recht hat er freilich mit seiner Kritik an der doppelbödigen Haltung der österreichischen Bundesregierung und ihres Kanzlers (Motto laut Pilz: "Wir bleiben natürlich neutral, aber viel Glück, Burschen"); recht hat er auch mit seinem Hinweis darauf, daß sich Österreich (und der Westen) lange überhaupt nicht für den Kosovo interessierten und es versäumten, den gemäßigten Albanern um Ibrahim Rugova den Rücken zu stärken. Was aber statt des militärischen Eingreifens zu tun gewesen wäre, vermag bezeichnenderweise auch Pilz nicht zu erklären.

Auf der selben Zeitungsseite unterzieht sich Robert Menasse erst gar nicht der Mühe eines Erklärungsversuchs. Intellektualisierend-kokett fragt er: "Und dazu soll ich eine âMeinung' haben?" Dazu: damit meint er nicht nur den Kosovo, nein, sondern spielerisch bringt er alles Böse dieser Welt ins Spiel: etwa einen Landeshauptmann Haider, CNN und - die deutsche Wiedervereinigung. Jetzt unterstützen die Deutschen albanische Separatisten, wo sie doch den DDR-Separatisten eine Wiedervereinigung zu den Bedingungen des Stärkeren aufgezwungen haben. - Na dann: Slobodan Kohl vors Tribunal nach Den Haag. Und Menasse ins Bonner Kanzleramt.

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