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Plädoyer gegen den Kapitalismus

Fanni (Johanna Orsini-Rosenberg) ist einst vermögend gewesen, doch nun widerstrebt ihr jeglicher Reichtum; sie streift ab, was ihr nur mehr Balast geworden ist. Aus ihrer Wohnung wird sie zwangsdelogiert, weil sie mit der Miete arg im Rückstand liegt.

Von nun an will sie die vermeintliche Sicherheit, die ihr ihr Wohlstand vorgaukelte, durch eine andere Art von Befriedigung ersetzen. Erstlings-Regisseur Daniel Hoesl hat seinen Film "Soldate Jeannette“ ohne ein Drehbuch begonnen und für nur 65.000 Euro in die Tat umgesetzt. Sein Plädoyer für eine vom Druck des Kapitalismus befreite Welt ist nicht nur inhaltlich geprägt von der Abkehr vom Konsum, sondern auch in seiner Machart: Jeder in der Crew bekam die gleiche geringe Bezahlung, egal, ob Hauptdarsteller oder Kabelträger. Trotz des geringen Budgets gelingt dem Filmemacher ein innovatives, narratives Konstrukt, das sich mit allerlei visuellen Radikalismen vom durchwegs als muffig gezeichneten konservativen Wien angenehm abhebt. Hoesls Fanni ist dabei eine überragend kräftige Frauenfigur, die an Fassbinder erinnert, und die dem Materialismus mit ganzer Kraft ins Gesicht spuckt.

Soldate Jeannette

A 2012. . Regie: Daniel Hoesl. Mit Johanna Orsini-Rosenberg,

Christina Reichsthaler.

Stadtkino. 82 Min.

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