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Feuilleton

Pragmatisierungen im Kreuzfeuer der Kritik

1945 1960 1980 2000 2020
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Heruntergewirtschaftet" - zu diesem vernichtenden Urteil über den Zustand der österreichischen Universitäten gelangten vor zwei Wochen die Autoren des "Grünauer Manifestes", eines von damals 32 Universitätslehrern unterschriebenen Positionspapiers. Viele Fakultäten und Institute können sich Forschung und Lehre auf internationalem Niveau finanziell nicht mehr leisten. Aber gibt die Republik wirklich zuwenig Geld für die Universitäten aus, wie manche Kritiker meinen? "Österreich wendet 22 Milliarden Schilling für seine Universitäten auf; das sind rund 1,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts", rechnete Reinhart Kögerler, Leiter der Sektion Technik und Innovation des Wirtschaftsministeriums bei einer Pressekonferenz des Katholischen Akademikerverbandes Wien vor: "Das ist im europäischen Schnitt nicht schlecht." Warum also leiden viele Fakultäten und Institute unter akutem Geldmangel?

Wen auch immer man fragt, die Antwort geht stets in dieselbe Richtung: Der Grund für die Misere finde sich in "übergeordneten gesetzlichen Regelungen, insbesondere im Bereich des Haushaltsrechts, des Beamten- und Vertragsbedienstetendienstrechts sowie des Besoldungsrechts", heißt es in einem Papier des Katholischen Akademikerverbandes Wien. "Die Autonomie, die das Universitätsorganisationsgesetz (UOG 1993) gebracht hat, wird dadurch neutralisiert", unterstreicht Kögerler. "Es muß entpragmatisiert werden", fordert er - was nicht die Abschaffung der Pragmatisierung bedeutet: International ist es gang und gäbe, Spitzenwissenschaftler mit Unkündbarkeit und anderen Annehmlichkeiten zu ködern. Aber eben nur die Spitzenwissenschaftler.

Die Autoren des "Grünauer Manifestes" schlagen in dieselbe Kerbe: Für sie ist der hohe Pragmatisierungsgrad vor allem ein Hemmschuh für hervorragende Leistungen. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs, Garant für Weiterentwicklung und Innovationen, stünden kaum mehr freie Stellen zur Verfügung.

"Das Grundübel ist das Dienstrecht", schloß sich Peter Skalicky, Vorsitzender der Rektorenkonferenz, dieser Kritik im "Standard" an. "Wenn wir einen Antrag auf Beendigung eines Dienstverhältnisses stellen, wird der Posten sofort in einen pragmatisierten Job umgewandelt", berichtet Skalicky aus der Praxis.

Ein pragmatisiertes schwarzes Schaf kann ganze Institute lahmlegen: Geld, das für zwei oder sogar drei produktive und engagierte Jungwissenschaftler verwendet werden könnte, muß für einen Professor ausgegeben werden, der seit 15 Jahren Semester für Semester die gleiche Vorlesung hält oder kaum noch auf der Universität gesichtet wird, weil er in der Privatwirtschaft kräftig dazuverdient. Auch gegen die Sekretärin, die zur Verzweiflung des gesamten Instituts Dienst nach Vorschrift macht und überdies die Studenten piesackt, ist kein Kraut gewachsen.

Doch eine allgemeine Entpragmatisierung scheint derzeit illusorisch zu sein. "Es geht um die Wahrung von Besitzständen", weiß der emeritierte Universitätsprofessor und Ex-Wissenschaftsminister Hans Tuppy. Und die pflegen mit Zähnen und Klauen verteidigt zu werden.

Heruntergewirtschaftet" - zu diesem vernichtenden Urteil über den Zustand der österreichischen Universitäten gelangten vor zwei Wochen die Autoren des "Grünauer Manifestes", eines von damals 32 Universitätslehrern unterschriebenen Positionspapiers. Viele Fakultäten und Institute können sich Forschung und Lehre auf internationalem Niveau finanziell nicht mehr leisten. Aber gibt die Republik wirklich zuwenig Geld für die Universitäten aus, wie manche Kritiker meinen? "Österreich wendet 22 Milliarden Schilling für seine Universitäten auf; das sind rund 1,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts", rechnete Reinhart Kögerler, Leiter der Sektion Technik und Innovation des Wirtschaftsministeriums bei einer Pressekonferenz des Katholischen Akademikerverbandes Wien vor: "Das ist im europäischen Schnitt nicht schlecht." Warum also leiden viele Fakultäten und Institute unter akutem Geldmangel?

Wen auch immer man fragt, die Antwort geht stets in dieselbe Richtung: Der Grund für die Misere finde sich in "übergeordneten gesetzlichen Regelungen, insbesondere im Bereich des Haushaltsrechts, des Beamten- und Vertragsbedienstetendienstrechts sowie des Besoldungsrechts", heißt es in einem Papier des Katholischen Akademikerverbandes Wien. "Die Autonomie, die das Universitätsorganisationsgesetz (UOG 1993) gebracht hat, wird dadurch neutralisiert", unterstreicht Kögerler. "Es muß entpragmatisiert werden", fordert er - was nicht die Abschaffung der Pragmatisierung bedeutet: International ist es gang und gäbe, Spitzenwissenschaftler mit Unkündbarkeit und anderen Annehmlichkeiten zu ködern. Aber eben nur die Spitzenwissenschaftler.

Die Autoren des "Grünauer Manifestes" schlagen in dieselbe Kerbe: Für sie ist der hohe Pragmatisierungsgrad vor allem ein Hemmschuh für hervorragende Leistungen. Dem wissenschaftlichen Nachwuchs, Garant für Weiterentwicklung und Innovationen, stünden kaum mehr freie Stellen zur Verfügung.

"Das Grundübel ist das Dienstrecht", schloß sich Peter Skalicky, Vorsitzender der Rektorenkonferenz, dieser Kritik im "Standard" an. "Wenn wir einen Antrag auf Beendigung eines Dienstverhältnisses stellen, wird der Posten sofort in einen pragmatisierten Job umgewandelt", berichtet Skalicky aus der Praxis.

Ein pragmatisiertes schwarzes Schaf kann ganze Institute lahmlegen: Geld, das für zwei oder sogar drei produktive und engagierte Jungwissenschaftler verwendet werden könnte, muß für einen Professor ausgegeben werden, der seit 15 Jahren Semester für Semester die gleiche Vorlesung hält oder kaum noch auf der Universität gesichtet wird, weil er in der Privatwirtschaft kräftig dazuverdient. Auch gegen die Sekretärin, die zur Verzweiflung des gesamten Instituts Dienst nach Vorschrift macht und überdies die Studenten piesackt, ist kein Kraut gewachsen.

Doch eine allgemeine Entpragmatisierung scheint derzeit illusorisch zu sein. "Es geht um die Wahrung von Besitzständen", weiß der emeritierte Universitätsprofessor und Ex-Wissenschaftsminister Hans Tuppy. Und die pflegen mit Zähnen und Klauen verteidigt zu werden.