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Preispolitik am Everest

Im Mai 1953 standen Edmund Hillary und Tenzing Norgay alleine auf dem Gipfel des Mount-Everest. So ruhig wie damals war es seither nur diesen Mai auf dem höchsten Punkt der Erde: Nach dem bisher schwersten dokumentierten Unglück auf dem Berg, bei dem am 18. April sechzehn Sherpas unter einer Eislawine starben und sieben weitere schwer verletzt wurden, sagten die Bergführer des Himalaya alle weiteren Expeditionen in diesem Jahr ab. Die Tragödie zeigt die ganze Dimension des Everest-Tourismus: Der Sherpa-Trupp wurde verschüttet, während er dabei war, dem Massentourismus am höchsten Punkt der Erde den Weg zu ebnen. Sie präparierten die Route mit Seilen, überbrückten Gletscherspalten und stellten Leitern an steilen Stellen auf, um auch Bergtouristen mit wenig Erfahrung einen Gipfelsieg zu ermöglichen. Mehr als 4000 Menschen haben seit Hillary und Norgay durch diese Hilfsmaßnahmen das Dach der Welt erreicht. An einem einzigen Tag im Jahr 2012 standen 234 Menschen am Gipfel. Für die heurige Saison, die wetterbedingt immer nur wenige Wochen im Mai andauert, waren 32 Expeditionen mit 734 Teilnehmern zugelassen. Mit dem diesjährigen Streik wollen die Sherpas vor allem die Existenz ihrer Familie sichern: Sie fordern höhere Entschädigungszahlungen für Hinterbliebene, eine höhere Versicherungssumme, sowie die Gründung eines Hilfsfonds für Sherpa-Familien in Not. Der Massenansturm auf den Mount Everest wird dadurch freilich nicht gebremst: Das nepalesische Tourismusministerium senkt ab 2015 nämlich die Besteigungsgebühr von 25.000 Dollar auf 11.000 Dollar pro Bergsteiger. Kritiker befürchten, dass der Diskont noch mehr Besucher anzieht, und führen die alte Diskussion um Sicherheit sowie ökonomische und ökologische Gesundheit der Region. Tilakram Pandey vom nepalesischen Tourismusministerium verspricht sich von den neuen Preisen genau das Gegenteil: "Sie werden künstlich geformte Gruppen verhindern, in der sich die Mitglieder gar nicht kennen. Das lockt mehr verantwortungsvolle, ernsthafte Bergsteiger auf den Everest." Und die sollen auch vermehrt auf andere Berge in Nepal gelotst werden. Dort stehen neben dem Everest nämlich noch sieben andere Achttausender, deren Besteigungsgebühren ebenfalls gesenkt werden. Außerdem werden neue Routen eröffnet und Gipfel, deren Besteigung bisher verboten waren, für Kletterer geöffnet. Für alle, die nach unberührter Natur und jungfräulichen Gipfeln suchen, ist zumindest das eine gute Nachricht.

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