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Prima le parole …

Ohne Max Reinhardt hätte der "Rosenkavalier“ in Dresden nur eine halb so triumphale Uraufführung erlebt. Das wusste Richard Strauss ebenso wie sein kongenialer Librettist Hugo von Hofmannsthal. Mit einem "Divertissement mit kleinem Kammerorchester“ wollten sie sich bei Reinhardt dafür bedanken. So der ursprüngliche Plan. Geworden ist es, inspiriert durch Molières "Der Bürger als Edelmann“, die Urfassung der schließlich dreistündigen "Ariadne“, die bei ihrer Uraufführung in Stuttgart durchfiel. Wer in ein Schauspiel geht, will kein Musiktheater sehen und umgekehrt, versuchte Strauss den Misserfolg dieses Stücks zu interpretieren. Also wurde es umgearbeitet, der Schauplatz der Handlung von Paris nach Wien verlegt, aus Molières Bürger der Haushofmeister des reichsten Mannes von Wien.

Soviel im Telegrammstil zur Genese der Oper, der auch noch ein spezifischer autobiographischer Zug eignet. Denn hinter der Beziehung zwischen Ariadne und Bacchus verbirgt sich das Liebesverhältnis zwischen Hofmannsthal und der verwitweten Ottonie von Degenfeld-Schonburg, deren Briefwechsel seit Ende der 1980er-Jahre bekannt ist. Darüber, wie intensiv es war, kann nur gemunkelt werden. Jedenfalls blieb die Gräfin unverheiratet, und Hofmannsthals letzte Postkarte galt ihr.

Beide Personen - souverän dargestellt durch Michael Rotschopf und die exzellente Regina Fritsch - lässt Regisseur Sven-Eric Bechtolf in seiner der Urfassung angenäherten Version der "Ariadne“ im Haus für Mozart auftreten.

Zwei große Charakterdarsteller

Das Wort dominiert in diesem ersten Akt. In Salzburg ist es vor allem die Stunde zweier großer Charaktersteller: Cornelius Obonya, der mit aller nur möglichen Virtuosität den so gerne adelig und fein sein wollenden Bürger mimt, und der an Eleganz, Stil und Prägnanz in Wort und Ausdruck schier unerreichbare Peter Mati´c als Haushofmeister. Sie machen damit so manche Länge dieses Abschnitts beinahe vergessen.

Schon hier konnte Elena Mo¸suc als Zerbinetta alle Register ihrer brillanten Koloraturkunst ziehen und Emily Magee sich als rollendeckende, wenngleich nicht immer wortdeutliche Primadonna präsentieren - was sich auch in der Partie der Ariadne fortsetzte. Wie überhaupt der zweite Akt trotz einer stimmigen Ensembleleistung weit weniger Eindruck hinterließ. So schwungvoll Daniel Harding zuvor die Wiener Philharmoniker geführt hatte, so undifferenziert und zuweilen lautstark ließ er sie danach aufspielen. Den von der Regie diskret geführten Sängern machte er es damit nicht eben leicht. Das konnte man selbst Jonas Kaufmann in der für ihn neuen Rolle als Bacchus anmerken …

Weitere Termine

3., 5., 8., 10., 15. August

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