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Reif fürs Museum

Witzzeichner machen das Wien Museum unsicher und gewinnen ihm mit Ironie neue Seiten ab.

Ein Museum ist eine witzige Sache. Zumindest, wenn dort die Witzzeichner einfallen und gegen den biederen Tiefsinn intervenieren wie derzeit im Wien Museum. Auf allen drei Ebenen des Hauses treiben sie ihr hintersinniges Spiel mit den Ritualen der Museumswelt. Die hehren Schau-Objekte werden unter ihrer Feder zu "Batzen, Wuschel und Zapfen", wenn sie nicht überhaupt neue Objekte wie ein "keltisches Penisgeschmeide" oder ein "mittelalterliches Papstbeobachtungsgerät" kreieren, wie Rudi Klein zwei seiner Variationen einer identischen Grundform nennt. Genau werden alte Rüstungen inspiziert, und dann heißt es "Pferde raus aus den Dosen!" oder rechtfertigt sich ein Ritter vor seiner Frau, weil er mit nacktem Hintern das Haus verlässt: "Alle meine Freunde gehen so." Und so sieht man, dass bei den historischen Rüstungen tatsächlich ein Körperteil unbedeckt ist.

Das Wien Museum will nicht einfach intelligenten Fasching feiern. "Interventionen" nennt Hausherr Wolfgang Kos die Reihe, die neue Blicke auf die Dauerausstellung wirft. Verlängerte "Migrationsziel Wien" die "Gastarbajteri"-Ausstellung zurück in die Geschichte, so haben jetzt neun Zeichnerinnen und Zeichner die Dauerausstellung "begutachtet". Dass da Franz Xaver Messerschmidts "Charakterköpfe" - barocke Karikaturen - nach einer Fortsetzung schreien, versteht sich. Aber auch Gustav Klimts Gemälde "Emilie Flöge" und Maximilian Kurzweils "Dame in Gelb" - zwei der bedeutendsten Porträts des Museums - erscheinen in anderem Licht, wenn Sibylle Vogel zu den Posen der eleganten Damen eine Putzfrau hinzuzeichnet, die sie imitiert.

"Das Museum ist eine Institution, die in unserem stets ungerechten Bewusstsein irgendwo zwischen Ehrfurcht gebietender Spinnwebensammlung und sterbenslangweiligem Archiv der wirklich wichtigen Dinge rangiert. Doch für kurze Momente kann im Museum eine seltsame Eintracht zwischen den wandelnden Besuchern und vordergründig leblosen Artefakten entstehen", schreibt die in Berlin lebende Zeichnerin Ulli Lust im Begleitheft zur Intervention. Solche Momente lassen sich nicht programmieren. Aber Lachen und ein unbefangener Blick sind eine wichtige Vorübung.

Batzen, Wuschel und Zapfen

Witzzeichner besuchen das Museum.

Intervention 2 in der Dauerausstellung

Wien Museum Karlsplatz

www.wienmuseum.at

Bis 20. 2. Di-So 9-18 Uhr

Fr 9-12 und So ganztägig freier Eintritt.

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