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Sag zum Abschied leise Servus

Eigentlich ist es gar kein Abschied, sondern ein Hinauswurf. Für Stefan Ottrubay ist es bloß die Nichtverlängerung eines Vertrages, und das ist rein juridisch gesehen, durchaus korrekt. Der Erbe der letzten Fürstin Esterházy hat eigene Pläne und möchte in Sachen "Haydn" selbst aktiv werden. Warum er deshalb ein erfolgreiches Festival wie die "Internationalen Haydntage" in Eisenstadt nach 28 Jahren vor die Türe setzt, bleibt ein Rätsel. Der prächtige Saal, in dem Haydn einst als Hofmusiker der Familie Esterházy wirkte, ist mit seiner Geschichte, seiner wunderbaren Architektur und seiner fabelhaften Akustik durch nichts zu ersetzen.

Nur wenigen österreichischen Festivals ist es gelungen, ein fachkundiges und zahlungskräftiges Publikum über so viele Jahre hindurch für die Auseinandersetzung mit dem Werk eines Komponisten zu begeistern. Voraussetzung dafür sind die Qualität des Gebotenen, die richtige Programmauswahl und die stimmige Atmosphäre. Die Treue der Musikfreunde wird nun im Burgenland einer harten Prüfung unterzogen. Die Landespolitiker, deren Vermittlungsversuche gescheitert sind, und der tüchtige Intendant des Festivals, Walter Reicher, versuchen jetzt den Schaden zu begrenzen. In dem neuen Konzept des künftig "Haydn im Haydnland" benannten Festivals sollen zahlreiche Wirkungsstätten des Komponisten bespielt werden. Unter anderem die burgenländischen Schlösser in Kittsee, Halbthurn und im ungarischen Fertőd, die Konzerthalle bei Liszts Geburtshaus in Raiding und die alte Universität in Wien. Es gilt also, von Eisenstadt aus so manche Distanz zu überwinden. Wie meinte einmal Nikolaus Harnoncourt bei einer Probe zu einer Messe: "Ihr schwebts da wie die Seraphime, die haben keine Beine, aber sechs Flügel." Künstler und Publikum der Haydnfestspiele werden künftig noch mehr Flügel brauchen.

Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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