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Sanierung dankt der Wähler nicht

Die schlechten Nachrichten häufen sich. Kaum glaubte man, der Krise entronnen zu sein und Prognosen über moderates Wirtschaftswachstum Glauben schenken zu können, schon ist die nächste Hiobsbotschaft von der Wirtschaftsfront da. Griechenland muss vor der Pleite gerettet werden. Portugal, Spanien, Italien sind auch schon im Gerede und im Visier der Zocker.

Die Frage nach der Schuld und den Schuldigen an der mittlerweile bereits zwei Jahre dauernden Wirtschaftskrise drängt sich auf. Sie wird je nach ideologischen Blickwinkeln gänzlich unterschiedlich beantwortet. Aber mit Ressentiments und Schuldzuweisungen wurden noch nie Probleme gelöst. Wir alle haben mehr oder weniger über unseren Verhältnisse gelebt. Aus der Finanzkrise wurde eine Staatsschuldenkrise, da die Finanzprobleme durch Schuldenaufnahme abgewendet wurden. Die Konjunkturprogramme der Regierungen wurden auf Pump finanziert. Jeder wusste das. Vor eineinhalb Jahren wurden damit drohende Pleiten abgewendet.

Aber die Zeit rückt näher, wo die Staatsdefizite wieder abgebaut werden müssen. Das geht nur durch Sanierung der Staatshaushalte. Entweder durch weniger Ausgaben oder durch mehr Einnahmen, sprich Steuererhöhungen. Frisches Geld zu drucken wäre auch verlockend. Der Nachteil ist die damit einhergehende Inflation. Und die ist nicht beherrschbar. Auch hier gibt es Verlierer. Nämlich die, die sich entgegen dem Trend ans Sparen gehalten haben.

Staatshaushalte waren schon oft in der Geschichte zu konsolidieren. Selten wird es von den Wählern honoriert. Entsprechend unlocker gehen Politiker aller Couleurs damit um. Man gewinnt Wahlen leichter mit Versprechungen. Es ist an der Zeit, sich gemeinsam für solide Maßnahmen ohne Hetze und Gehässigkeiten zu entscheiden.

* Die Autorin ist Mitglied des Verbund-Vorstands

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