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Feuilleton

Schreiben, was gefällt, bringt Geld

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

D ie Bundesstaatsreform ist wichtig, jedoch ein Elitenthema ohne Masseninteresse. Das Subsidiaritätsprinzip ist konstitutiv für Europa, aber ein Publikumsvertreiber in Medien. Trotzdem widmen sich Journalisten auch solchen Minderheitsprogrammen im Sinne des Gemeinwohls. Steter Tropfen höhlt den Stein: Bundesstaatsreform und Subsidiaritätsprinzip stehen mehr denn je auf der Agenda.

Diese Unterstützung zur Popularisierung von Notwendigkeiten im Wechselspiel von Politik und Medien droht nun auf dem Altar ökonomischer Zwangsvorstellungen geopfert zu werden. Die US-Wirtschaftszeitschrift Forbes zwingt Redakteure zu Weblogs und bezahlt Blogger nicht mehr pauschal für Inhalte, sondern nach ihrer Internet-Besucherzahl. Magazinchef Lewis D’Vorkin nennt das partizipatorischen Journalismus, weil die Schreiber ihre Werke auch noch selbst in sozialen Netzwerken vermarkten sollen. Wer unter diesen Bedingungen über Subsidiarität bloggt, durchtrennt seine Lebensader – oder hat eine andere, weil er Lobbyist statt Journalist ist. Die demokratiepolitische Funktion eines Mediums bleibt auf der Strecke. Geschrieben wird, was gefällt. Nur das bringt Geld. Der etablierte Journalismus ist an dieser Entwicklung mitschuldig, weil er dem Internet so arrogant nachhinkt wie früher die Printredakteure dem Radio und Fernsehen. Nun wird er zum ökonomisch Getriebenen statt zum inhaltlich Treibenden.

Auswege bietet bloß die qualitative Urteilsfähigkeit des Publikums. Die deutsche Ausgabe von Forbes existierte bloß von 1990 bis 1995. Dass damals die Internet-Ära begann, ist eine Ironie der Geschichte. Dass vier Jahre später mit brand eins ein besseres und erfolgreicheres Wirtschaftsmagazin entstand, lässt hoffen. Sein Schwerpunktheft zum Thema Denken stand unter dem Motto: „Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt.“

* Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst

D ie Bundesstaatsreform ist wichtig, jedoch ein Elitenthema ohne Masseninteresse. Das Subsidiaritätsprinzip ist konstitutiv für Europa, aber ein Publikumsvertreiber in Medien. Trotzdem widmen sich Journalisten auch solchen Minderheitsprogrammen im Sinne des Gemeinwohls. Steter Tropfen höhlt den Stein: Bundesstaatsreform und Subsidiaritätsprinzip stehen mehr denn je auf der Agenda.

Diese Unterstützung zur Popularisierung von Notwendigkeiten im Wechselspiel von Politik und Medien droht nun auf dem Altar ökonomischer Zwangsvorstellungen geopfert zu werden. Die US-Wirtschaftszeitschrift Forbes zwingt Redakteure zu Weblogs und bezahlt Blogger nicht mehr pauschal für Inhalte, sondern nach ihrer Internet-Besucherzahl. Magazinchef Lewis D’Vorkin nennt das partizipatorischen Journalismus, weil die Schreiber ihre Werke auch noch selbst in sozialen Netzwerken vermarkten sollen. Wer unter diesen Bedingungen über Subsidiarität bloggt, durchtrennt seine Lebensader – oder hat eine andere, weil er Lobbyist statt Journalist ist. Die demokratiepolitische Funktion eines Mediums bleibt auf der Strecke. Geschrieben wird, was gefällt. Nur das bringt Geld. Der etablierte Journalismus ist an dieser Entwicklung mitschuldig, weil er dem Internet so arrogant nachhinkt wie früher die Printredakteure dem Radio und Fernsehen. Nun wird er zum ökonomisch Getriebenen statt zum inhaltlich Treibenden.

Auswege bietet bloß die qualitative Urteilsfähigkeit des Publikums. Die deutsche Ausgabe von Forbes existierte bloß von 1990 bis 1995. Dass damals die Internet-Ära begann, ist eine Ironie der Geschichte. Dass vier Jahre später mit brand eins ein besseres und erfolgreicheres Wirtschaftsmagazin entstand, lässt hoffen. Sein Schwerpunktheft zum Thema Denken stand unter dem Motto: „Wissen ist der erste Rohstoff, der sich bei Gebrauch vermehrt.“

* Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst