Seriös, mit einem ordentlichen Touch von Fadesse

Das Salzburger Landestheater spielt #Der fliegende Holländer# unter Ivor Bolton im Großen Festspielhaus. Den Protagonisten gelang es aber nicht, die Riesenbühne mit entsprechender Spannung zu beleben.

Das romantische Gruseldrama zwischen Menschen und Geistern bleibt unerzählt. #Der fliegende Holländer# ankert im Großen Festspielhaus in Salzburg in undurchsichtigem Brackwasser, Senta verschwindet hinter einem Vorhang: Selbstmord in der See? Gerichtet? Gerettet?

Wenn man Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters (Einstudierung Stefan Müller) in einer Besprechung von Richard Wagners Oper #Der fliegende Holländer# an erster Stelle nennt, so ist damit gemeint, dass er in dieser Produktion des Landestheaters in Kooperation mit der Kulturvereinigung auch an erster Stelle rangiert. An zweiter Stelle ist sofort das souverän, nie pastos musizierende Mozarteumorchester unter seinem Chefdirigenten Ivor Bolton hervorzuheben.

Die kalifornische Sopranistin Julie Makerov als Senta kam stimmlich # mit gelegentlichem Tremolo # ihrer Partie zufriedenstellend nach. An dieser Stelle ist aber anzumerken, dass der Anspruch des Publikums auf Textverständlichkeit dieser Oper mit deutschem Libretto zweieinhalb Stunden lang ohne Pause missachtet wird. Da man die Hauptpartien mit Schweden, Isländern und Briten besetzt hat, war dies von Anfang an zu fürchten. Marcus Jupither, der Holländer (Johan Botha eher ähnlich als einem ausgemergeltem Verdammten), wusste seinen Bariton raumfüllend einzusetzen (wobei einige Wünsche offen blieben), Bjarni Thor Kristinsson hatte mit der Basspartie des Daland stimmlich ab und zu seine Nöte, Jeffrey Lloyd-Roberts war mit dem Erik hörbar überfordert. Es blieb Franz Supper (Steuermann) aus dem hauseigenen Ensemble vorbehalten, von Stimme und Verständlichkeit her das Optimum ohne jegliche Einschränkung zu bieten.

Und die Regie? Aron Stiehl suggerierte in der sparsamen bis spärlichen Bühne von Jürgen Kirner (die zeitlosen Kostüme entwarf Nicole von Graevenitz) Bilder einer Ausstellung, die wenig Bewegung zulassen; allerdings waren exakt gemeinsam hochgestreckte Arme der Matrosen zu beobachten, wobei Stiehl offensichtlich darauf abzielte, den Chor als Linie und Fläche zu präsentieren.

# mehr als ein Wagnis

Wenig erschütternd blieb die Szene der Erlösung des Holländers durch Senta, die sich einen solchen Mann eher wünscht als den faden Erik # verschwindet sie deshalb einfach in der Kulisse? Dazwischen allerdings rissen innig zelebrierte lyrische Passagen ein wenig aus der Langeweile, die sich über diese Inszenierung gelegt hat. Die Bühne des Großen Festspielhauses ist nun einmal groß und bedarf eines Ensembles und eines Regisseurs, die dem Raum auch gewachsen sind. Vermag man keine Spannungen aufzubauen, ist es mehr als ein Wagnis, eine solche Oper zu produzieren. Der Salzburger #Holländer#: seriös mit einem ordentlichen Touch von Fadesse.

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