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Sherlock Holmes im Jahr 1947

Auch ein Meisterdetektiv hat einen Lebensabend. Und der kann, ganz anders als in der Hochzeit, in der sich ein Fall nach dem anderen auftat, eher trist sein. Das gilt gleichermaßen für Sherlock Holmes, der sich, nachdem sich die Protagonistin eines Falls entleibt hat, ohne dass der Meister es verhindern konnte, seine Profession an den Nagel hängte und in Südengland bienenzüchtend dem Ende entgegenfristet. Auch Dr. Watson hat die detektivische Zweisamkeit längst aufgekündigt, und die 93 Jahre auf dem Buckel (man schreibt das Jahr 1947) sind physisch wie psychisch überaus bemerkbar. All das erzählt Bill Condons zauberhafter Film "Mr. Holmes", in dem der großartige Ian McKellen dem Urvater der literarischen Verbrechensbekämpfung ein Denkmal setzt. Natürlich ist das alles fiktiv (Sherlock Holmes hat ja nur bei Arthur Conan Doyle und Epigonen wirklich gelebt) und beruht auf einer Romanvorlage von Mitch Cullin. Aber wie das Altwerden und das Entdecken eigener Emotionen einer (literarischen) Figur, von der fast keine menschlichen Regungen übermittelt sind, subtil in einen letzten Sherlock-Hoömes-Holmes integriert werden kann, macht diesem Film so schnell keiner nach.

Mr. Holmes

GB 2015. Regie: Bill Condon. Mit Ian McKellen, Laura Linney, Milo Parker. Thimfilm. 104 Min. Ab 25.12.

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