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Spiegelungen im Wasser und Klatschmohn

Seine Art, Wasseroberflächen zu malen, sein charakteristischer Pinselduktus, seine Motive, seine Idee der Serie - vielfach waren die Anregungen, die österreichische Künstler rund um die vorige Jahrhundertwende aus dem Werk von Claude Monet bezogen. In der Orangerie im Unteren Belvedere werden 30 Arbeiten des großen Franzosen Werken von Klimt, Wisinger-Florian, Schindler, Egner, Moll, Boeckl und Weiler gegenüber gestellt, und es wird anschaulich gemacht, wie sich diese von ihm inspirieren ließen.

Changieren der Farben

Zu jener Zeit waren Monets Werke nicht nur mehrfach in Wien ausgestellt, die heimischen Künstler sahen sie auch in Büchern und Zeitschriften abgebildet und "begannen rasch, die gewonnenen Eindrücke in ihren eigenen Werken zu verarbeiten. Monet bot ihnen auf motivischer, maltechnischer und kompositorischer Ebene vielfältige Anregungen", so Agnes Husslein-Arco, Direktorin des Belvederes. Anspruch der Ausstellung war es, möglichst viele der damals in Wien gezeigten Bilder wieder zu präsentieren -somit sind einige Hochkaräter versammelt. Das alleine würde schon viele Museumsbesucher anlocken, noch interessanter wird die Schau durch jene Werke, die neben den Monets hängen, und ihre Parallelen.

Wellen und Spiegelungen im Wasser hatten es nicht nur Monet angetan. Wie sich der französische Großmeister lebenslang im Changieren der Farben übte, so malte Marie Egner nach seinem Vorbild brausende Wellen, Alfred Zoff ein Segelschiff, Emilie Mediz-Pelikan eine Felsküste vor schillerndem Meer. In der Orangerie hängen sie neben ähnlichen Werken Monets, um einen direkten Vergleich zu ermöglichen. Dieser ist auch bei dem Motiv des Klatschmohns interessant, das Monet aufbrachte und das Olga Wisinger-Florian, Marie Egner und auch Gustav Klimt meisterhaft aufgriffen.

Überhaupt war Monet für Gustav Klimt ein wichtiger Anstoß, Landschaften zu malen. "Am Attersee", ein Bild mit sehr bewegter Wasseroberfläche, hängt hier neben einer riesigen puren Wasserfläche Monets. Beide Werke sind am Bildrand beschnitten, durch den fehlenden Vordergrund wird dem Betrachter die Orientierung genommen, gleichzeitig faszinieren die Arbeiten durch leuchtendes Kolorit und einen besonderen Pinselduktus -so kurze Pinselstriche wie hier für die Wellen habe Klimt ansonsten nicht verwendet, liest man in der Schau. Monet war ihm auch dabei Vorbild.

Wechsel von Licht und Farbe

Eine Wandlung machte die damalige Malerei auch deshalb durch, weil das moderne Leben die Kunst herausforderte. Wie könnte man Bewegung und Dynamik in die Bilder transformieren?"Hier konnte eine neue Malerei ansetzen. Sie konnte dieser enormen Beschleunigung des Tagesablaufs, der Vielfalt neuer gesellschaftlicher Phänomene Ausdruck geben", so Kurator Stephan Koja. "Und sie konnte sich gerade den flüchtigen Erscheinungen des Wetters, den Stimmungen auf der Wasseroberfläche, Nebel, Dunst, Wind und Rauch zuwenden, den Wechsel von Licht und Farbe zu einem bevorzugten Bildgegenstand machen."

Wenn man Monets "Die Seine bei der Insel La Grande Jatte" und Wisinger- Florians "Landschaft mit Eisenbahn" ansieht, hat man das Gefühl, der Zug mit der lange gezogenen Rauchfahne sei gerade erst in die Landschaft eingefahren. Auch die rauchenden Fabriksschlote finden sich in beiden Bildern. Wisinger-Florian hat sich sichtlich auch eines jener Werke Monets, das die Österreichische Galerie respektive das Belvedere schon früh besaß, zum Vorbild genommen: Ihre "Pergola bei Menton" erinnert stark an "Weg in Monets Garten in Giverny".

Das große Vorbild Monet

Durch viele Gegenüberstellungen wird klar: Wie österreichische Maler zu dieser Zeit Atmosphärisches wiedergaben, wie sie nach Perfektion in der Darstellung von Erlebten und flüchtigen Erscheinungen suchten, wie sie koloristische Kühnheit und kräftige Pinselstriche nutzten, unvermittelte Blicke aufs Meer und nahsichtige Schilderungen von Blumen umsetzten -all das wird auch auf das große Vorbild Monet zurückgeführt.

Die Ausstellung möchte aber auch zeigen, dass sich Monets Einfluss nicht auf seine Zeitgenossen beschränkte -man präsentiert dies anhand der Idee der Serie: Monets London-Bilder werden der Erzberg-Serie von Herbert Boeckl gegenüber gestellt. Und seinem Wunsch, in einem runden Raum nur von Malerei umgegeben zu sein, wird mit seinen Seerosenbildern genüge getan -und mit Weilers "Vier Wände".

Im Lichte Monets. Österreichische Künstler und das Werk des großen Impressionisten Unteres Belvedere, bis 8. Februar 2015 täglich 10-18, Mittwoch bis 21 Uhr www.belvedere.at

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