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Sternderlschaun und ganz viel staunen

Zum zweiten Mal bietet die "Science Week" Wissenschaft zum Anfassen: in 78 österreichischen Gemeinden präsentieren Schulen, Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen publikumswirksam ihr Know-how. Begleitet werden die 775 Projekte von einer bundesweiten Mitmach-Aktion: Ziel ist es, die Sichtbarkeit der Sterne zu ermitteln.

Die Zeiten stehen gut für Wiss-begierige: Warum war Mozart genial? Wer fürchtet sich vor Handy-Strahlung? Oder: Kann man Murnockerln essen? Antworten auf diese und andere, Tag für Tag oder noch nie gestellte Fragen werden Neugierigen bald allerorten serviert. Eine Woche lang präsentieren Österreichs Forscher ihre Erkenntnisse von der anschaulichsten und unterhaltsamsten Seite. Ob im Friesacher Fürstenhofplatz, in einem Grazer Bankgebäude oder dem zur "Scientific City Süd" mutierten Einkaufstempel SCS in Wien-Vösendorf: an allen Veranstaltungsplätzen wollen die über tausend beteiligten Wissenschafter beweisen, dass Forschung im Elfenbeinturm nichts verloren hat. Und dies natürlich "honorarlos", wie der Organisator der Großveranstaltung und ehemalige Direktor des Technischen Museums Wien, Peter Rebernik, bekräftigt.

Hat bereits die erste "ScienceWeek" mit ihren 400 Projekten im Vorjahr für Aufsehen gesorgt, so hoffen die Koordinatoren heuer auf eine halbe Million Besucher. "Wichtig ist, dass Wissenschaft und Forschung zu den Menschen kommen", beschreibt Bildungs- und Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer den Grundgedanken des Wissenschafts-Spektakels. Erfahrung spiele sich schließlich mit allen Sinnen ab. "Mehr als eine Technikshow" erwartet sich indes der Geschäftsführer der Forschungsgesellschaft Joanneum Research, Bernhard Pelzl. Seine Hoffnung dürfte sich allein durch jene Begleitaktion der "Science Week" erfüllen, die den heimischen Astronomen neue Erkenntnisse über die "Lichtverschmutzung" des Himmels über Österreich liefern soll. Die zunehmende Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Beleuchtung und Luftverschmutzung gibt den Forschern aus mehreren Gründen zu denken. Schon lange sind in den Städten keine wissenschaftlichen Messungen mehr möglich, denn in Ballungsräumen ist nur ein Prozent jener Sterne sichtbar, die in ländlichen Gebieten zu entdecken sind. "Vor allem nachtaktive Tiere haben auch mit der zunehmenden Aufhellung Probleme", erklärt Josef Hron vom Institut für Astronomie der Universität Wien.

Himmelsstürmer

Unter dem Motto "Weißt Du wieviel Sternlein stehen?" werden nun Interessierte in ganz Österreich gebeten, während der "Science Week" zwischen 21 Uhr und Mitternacht das Sternbild des kleinen Wagens zu suchen und darin die mit freiem Auge sichtbaren Sterne zu zählen (siehe Bild rechts). Voraussetzung für eine hilfreiche Beobachtung ist es, Plätze mit naher direkter Beleuchtung (etwa durch Straßenlampen) zu meiden. Die eigenen Erkenntnisse werden sodann mit jenen sieben Sternbildern verglichen, die auf der Homepage www.astro.univie.ac.at zu finden sind. Schließlich werden die einlangenden Daten am Institut für Astronomie gesammelt und ausgewertet. Indes hofft der Astronom Hron auf die Mithilfe möglichst vieler Menschen an möglichst vielen Orten: "Das ist die Voraussetzung für den Erfolg des Experiments."

Die Lust am Experiment hat auch zahllose Schüler in ganz Österreich gepackt. In knapp 170 Veranstaltungen hauchen sie den (in der Schule oft verschmähten) Wissenschaften Leben ein. So will das Gymnasium und Realgymnasium Ettenreichgasse im 10. Wiener Gemeindebezirk beweisen, dass Münchhausens Rede vom Herausziehen am eigenen Schopf - mit technischer Hilfe - durchaus plausibel ist. Passanten bieten sie neben der U-Bahn-Haltestelle am Reumannplatz die Gelegenheit, sich selbst auf einer mit Wasser gefüllten, hydraulischen Hebebühne in die Höhe zu "ziehen" - oder vielmehr zu pumpen.

Problemen tierischer Natur geht dagegen die Veterinärmedizinische Universität Wien im Donauzentrum auf den Grund. Ziel ist es, vor Publikum das "phantom of the horse" zu lüften, weiß Rene van den Hooven von der Pferdestation der I. Medizinischen Klinik für Einhufer und Kleintiere. In einem mitgebrachten Tier-Modell besteht die Möglichkeit, die rektale Untersuchung zu erlernen und zu "begreifen", wo der Darm und andere Organe in der Bauchhöhle liegen. Das Phantom ist somit bald enttarnt. Es heißt "Kolik".

Stand die "Science Week" des letzten Jahres vor allem im Zeichen von Medizin und Technik, so sind im heurigen "Europäischen Jahr der Sprachen" auch die Sprachwissenschaften mit insgesamt 67 Events vertreten. Mit einem besonderen grenzübergreifenden Schmankerl wartet das Klagenfurter Institut für Slawistik auf: Im Rahmen eines multikulturellen Events wird im Stadtzentrum Hermagor eine "Bio-Dialekt-Suppe" kreiert - und mit kärntnerischen, slowenischen, italienischen und friaulischen Zutaten "verfeinert". Das Projekt ist auch aus anderem Grund eine Novität: Erstmals sind an der "Woche der Wissenschaft" auch Veranstalter aus Italien, Kroatien, Slowenien, Ungarn und Deutschland beteiligt.

Qual der Wahl

Unterdessen wetteifern die Bundesländer um die interessantesten Projekte: Während man im Kärntner Friesach den Aufklärungsmethoden mittelalterlicher Kriminalfälle humoristisch-historisch auf den Zahn fühlt, wird die ganze Salzburger Altstadt zur Bühne der Wissenschaft. Nicht nur Interessantem, sondern vor allem Heilenden ist man im Haus der Natur auf der Spur. Im Rahmen der Allergietage werden von 11. bis 20. Mai täglich Ärzte zu Allergie-Auslösern, Forschung und Heilungsmethoden Rede und Antwort stehen. Zudem besteht die Möglichkeit, sich auf einige Standard-Allergene testen zu lassen. Lässt die Veranstaltungs-Dichte schon in Salzburg, Wien und Kärnten keine Wünsche offen, so hat sich die Steiermark zum Musterknaben gemausert - und die Zahl der Events von 90 im Vorjahr auf heuer 200 gesteigert.

Was nun wählen angesichts der dargebotenen Fülle des Faszinosums Wissenschaft? Interessenten sei bei ihrer Suche dreierlei ans Herz gelegt: ein Besuch auf der Homepage www.scienceweek.at, ein Telefonanruf für Informationen über das Programm (01/941 12 41) oder einzelne Veranstaltungen (0900/17 07 12) - sowie der Mut zum Neinsagen. Denn 778 Mal "Wir zeigen Ihnen was!" kann selbst hartgesottene Forschungsfans in Bedrängnis bringen.

Rückmeldungen

zur Sichtbarkeit der Sterne von 11. bis 20. Mai an www.astro.univie.ac.at sowie an (01) 99 49 904

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