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Franz Hubmann wird 85 und mit einer Ausstellung des fotografischen Lebenswerks geehrt.

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Franz Hubmann wird 85 und mit einer Ausstellung des fotografischen Lebenswerks geehrt.

Ursprünglich war sein Medium die Schwarzweiß-Fotografie. Nicht nur wegen der technischen Möglichkeiten, sondern aus künstlerischer Überzeugung. Doch "mit dem Wort künstlerisch bin ich lieber vorsichtig", sagt Franz Hubmann, der am 2. Oktober seinen 85. Geburtstag feiern wird. Die Ausstellung "Franz Hubmann - Das fotografische Werk" läuft von 13. September bis 26. Oktober im Wiener Palais Harrach.

Mit Schwarzweiß wurde er berühmt. Nach 30 Jahren Erfahrung als Fotograf - auch das ist eine Weile her - sagte er: "Die Schwarzweiß-Fotografie ist aggressiver". Im Porträt ist sie ja überhaupt unschlagbar. Im Porträt bedeutet Farbe meist Verharmlosung. Die Neutralisierung der Farbtöne im Schwarzweiß-Bild war Hubmann ein wesentliches Stilmittel.

Nichtsdestoweniger ist er heute ein Meister der Farbfotografie - und damit jener 20 Prozent aller fotografischen Motive (Originalton Hubmann vor 15 Jahren), bei denen die Farbe Wesentliches transportiert. Hierher gehört vor allem die Landschaft. Aber auch die Modefotografie, wo jedes Detail bewußt gestaltet wird und der Zufall kaum eine Chance hat. Als Modefotograf war Hubmann daher immer ein Farbe-Fan.

Franz Hubmann hat denn auch viele Bildbände in Farbe gestaltet, ohne deshalb seiner ersten Liebe, der Liebe zum Schwarzweiß-Bild, untreu zu werden. Ein großer Teil seines Lebenswerks ist schwarzweiß fotografiert. Vielleicht der wesentliche Teil. Nämlich gerade jener, mit dem der Unbekannte, der unter anderem von Wald- und Wiesenbildern für die österreichische Fremdenverkehrswerbung lebte, ab 1954 bei der legendären Zeitschrift "Magnum" groß wurde. Er war Mitglied ihres Gründungsteams und einer von denen, die das radikale intellektuelle Konzept und den dynamischen, zupackenden Bildstil dieser Zeitschrift in den leider nur 12 Jahren ihrer Existenz entwickelten und vervollkommneten. Andererseits veranlaßte erst das Ende von "Magnum" Hubmann zur Umstellung auf das Buch. "Wien, Vorstadt Europas" hieß das erste. Später kamen Sammlungen fremder Aufnahmen, liebevoll zusammengetragenes Bildmaterial, "Gute alte Zeit", "Das k.u.k. Familienalbum", "Das jüdische Familienalbum". Er wurde der "Vater der Nostalgie", war halt wieder einmal früh dran, bevor die Foto-Nostalgie zur Mode wurde.

Porträtist der Maler "Magnum" stand für einen neuen Blickwinkel, und der Blickwinkel ist ja in der Fotografie bekanntlich fast alles. Es stand für ein neues Erleben der Wirklichkeit, das im 19. Jahrhundert von der Fotografie eingeleitet und immer wieder von ihr selbst umgestürzt und neu aufgebaut wurde.

Dies geschah stets im pas de deux mit der Malerei. Erst seit wenigen Jahren wissen wir, welche Bedeutung die Fotografie zum Beispiel für Picassos Malerei hatte. Daß etwa der Einfluß konkreter ethnologischer Aufnahmen auf die Komposition des frühen Schlüsselwerks "Les Demoiselles d'Avignon" evident ist. Daß Malerei und Fotografie einander in Wechselwirkung das neue Sehen lehrten. In den 15.000 von Picasso gesammelten Fotografien schlummert ein gutes Stück der verschollenen Choreographie des Tangos, den der Kubismus mit der sichtbaren Wirklichkeit tanzte.

Auch die sehr enge Verbindung Franz Hubmanns mit den Malern ist eben kein Zufall. Auch seine Porträts der französischen Maler sind heute legendär. Er verschmähte das Porträt mit Pinsel und Palette an der Staffelei als trivial, erschien meist unangemeldet, stand - heute undenkbar - einfach vor der Tür. Selbst der kranke Vlaminck ließ sich mit dem Argument erweichen, man sei seinetwegen in die Bretagne gereist. Hubmann konzentrierte sich völlig auf die Gestalt, das Gesicht, gedudig wartend auf den mimischen Moment, die Geste, den Blick, in dem sich das Innere preisgibt.

Einer seiner ersten Bildbände in Farbe war ganz dem Mohn gewidmet, dem Mohn des Waldviertels, den Blüten, Blättern, Kapseln, dem Feld in der Totale, bei Tag und, vor allem, im schwindenden Tageslicht, in der "blauen Stunde". Er war stets auch ein Pionier dessen, was später jeweils zum optischen Kleingeld verkam, der Tele- und Weitwinkel-Effekte, der Fotografie bei minimalem Licht. Heute kommt das Schöpferische nicht mehr von der Technik, sondern aus dem Kopf. Ob der Trend das Mitkommen auch da noch schafft?

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