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Streit um die Sparte: Kultur ja, aber wo?

Der Kanal ORF III wird kommen. Aber auf welcher Frequenz er senden wird, muss er sich erst mit dem Sport ausmachen.

Der neue ORF-Spartenkanal ORF III kämpft schon vor dem Start mit Problemen: Der ursprünglich geplante Sendestart 1. Mai (die FURCHE berichtete) musste auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden, weil noch Etliches zu klären ist. Unter anderem die Frage, auf welchen Sendefrequenzen ORF III senden darf. Durch die Einstellung des Tourismuskanals TW1 wird ein prominenter Programmplatz frei, der bereits in vielen Haushalten auf den Fernsehern fix programmiert ist. Ein Umstand, der dem Kulturkanal (das Logo wird ORF III - Kultur und Information beinhalten) schlagartig eine große Verbreitung sichern würde. Jedoch: Auch die Macher des Senders ORF Sport plus wollen diese Frequenz, man hat sogar eine Resolution veröffentlicht.

Für ORF-General Alexander Wrabetz ist dies die denkbarere Lösung. Denn das geplante Kulturprogramm könne auch auf den Restkapazitäten jenes Satellitenplatzes ausgestrahlt werden, der für die Ausstrahlung der Bundesland-heute-Sendungen verwendet wird, den Rest des Tages aber unbespielt bleibt. Wrabetz sprach von einer "komplexen Entscheidung“, die vor allem einer "ökonomischen Abwägung“ bedürfe. "Bei einem Informationsspartenkanal ließe sich eine Bundesland-heute-Sendung schon besser integrieren“, findet Wrabetz.

Politische Zurufe und beredtes Schweigen

Da im ORF alle Entscheidungen auch politische Zurufe zur Folge haben, musste auf Kontroversen nicht lange gewartet werden. Während sich SPÖ-Sportminister Norbert Darabos (selbstredend) dafür aussprach, Sport Plus auf dem TW1-Kanal zu belassen, forderten SPÖ-Kulturministerin Claudia Schmied und Wiens SPÖ-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny wenig überraschend, auf diesem Platz lieber das Kulturprogramm ORF III zu spielen. Eine gemeinsame SP-Linie in dieser Frage gibt es nicht. SP-Mediensprecher Josef Cap gab sich unparteiisch und meinte zur FURCHE nur knapp: "Die Entscheidung obliegt der Geschäftsführung des ORF“. Auch die ÖVP äußert sich nur vage: "Der ORF sollte die für die Gebührenzahler kostengünstigste Entscheidung treffen“, so VP-Mediensprecher Karlheinz Kopf.

Die grüne Europaparlamentarierin Ulrike Lunacek war gesprächiger: "ORF III bringt den von mir schon lange geforderten Ausbau der EU-Berichterstattung im ORF“, sagt sie. Das soll helfen, das Europabewusstsein zu stärken, weshalb eine attraktive Frequenz wichtig sei. "Nur über die Europamüdigkeit zu jammern, ist zu wenig. Die EU braucht in Österreich mehr qualitativ hochstehende mediale Öffentlichkeit. ORF III kann sie bieten.“ Sport- gegen Kulturinteressierte auszuspielen, gehe an der Realität der Interessen vorbei. Lunacek: "Um dem öffentlich-rechtlichen Auftrag gerecht zu werden, braucht es im ORF ein sowohl als auch.“

ORF III

Der Spartenkanal soll ein ausgeprägtes Kultur- und Informationsprogramm anbieten - unter anderem eine ausführliche Europa-Berichterstattung.

Sport plus

Der Sport-Spartenkanal des ORF soll sich - wie bisher auf TW1 - vor allem auf die weniger breitenwirksamen Sportarten konzentrieren. Das derzeitige Angebot soll künftig ausgeweitet werden.

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