Syrisches Theologiestudium in Salzburg

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Erstmals in Europa kann an einer Universität syrische Theologie studiert werden: An der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg gibt es seit Beginn des Wintersemesters 2015/16 den Universitätslehrgang "Master of Arts in Syriac Theology".

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Erstmals in Europa kann an einer Universität syrische Theologie studiert werden: An der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg gibt es seit Beginn des Wintersemesters 2015/16 den Universitätslehrgang "Master of Arts in Syriac Theology".

Am Mysterium Christus, der Inkarnation und der Tradition unterscheiden sich in den Formulierungen die christlichen Kirchen bis heute. Aber die Feindseligkeiten sind in dem, was geglaubt wird, wenn die Differenzen nicht politisch manipuliert werden, geschwunden.

Am Anfang steht das Ökumenische Konzil von Chalzedon von 451; dazwischen, nach dem Zweiten Vatikanum, eine Gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II. und dem Patriarchen Mar Ignatius Zakka I. Iwas von Antiochien von 1984. Und nun, 2015, ist das Fach Syrische Theologie erstmals an einer europäischen Universität implantiert, und zwar an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg: Seit dem Beginn des Wintersemesters 2015/16 gibt es den Universitätslehrgang "Master of Arts in Syriac Theology".

Bedrohte Christen in Nahost

Zum Hintergrund in Stichworten: In Irak zählte man 2003, vor dem Krieg mit den USA, 1,5 Millionen Christen, heute weniger als eine halbe Million. In Bagdad waren es vor dem Krieg 300.000 Christen; heute sind praktisch alle vertrieben oder geflohen.

Der Hass auf das Christentum ist allen kriegsführenden Parteien gemeinsam, eingeschlossen den Gruppen der so genannten demokratischen Opposition, kritisierte der Patriarch der griechisch-katholischen Kirche in Syrien, Gregorius III. Laham, Anfang November in Frankfurt vor Jesuiten: Der IS schüre zwar sehr wohl die Angst, um die Menschen zu vertreiben. Aber ein Gutteil der Flüchtlinge in Europa seien "Wirtschaftsflüchtlinge", und unter den jungen Leuten gebe es die "Lust auf Abenteuer".

Es bleibt: Mit dem Zerfall von Irak und Syrien verlieren die Christen die relative Toleranz und den Schutz, den ihnen die Diktatoren dort geboten hatten. Es scheint nur der instabile Libanon als Zuflucht zu bleiben. Denn die Verfolgung gehe auf der Flucht weiter.

Zwar leide die Zivilbevölkerung in Aleppo unter sehr schwierigen Bedingungen, auch die Lage in Homs sei erschwert; in Damaskus gehe das Leben aber vielfach normal weiter. Alle Waren seien da, das Leben sei immer noch billiger als im benachbarten Libanon. "Die Basare sind voll", so Gregorios III., der das Regime Assad in Syrien gegen die "Diffamierung" westlicher Medien ausdrücklich verteidigt.

Zurück zum Konzil von Chalzedon. Es hatte noch die Bedenken gegen die Fassung der Zwei-Naturen-Lehre in Jesus, dem Sohn Gottes, auszuräumen und fand schließlich zu der Formulierung: "Wir lehren alle einstimmig einen und denselben Sohn, unseren Herrn Jesus Christus. Vollständig der Gottheit und vollständig der Menschheit nach ; in (nicht: aus) zwei Naturen, unvermischt und unverwandelt (gegen die Monophysiten gerichtet), ungetrennt und ungesondert (gegen die Nestorianer), die beide in einer Person und Hypostase zusammenkommen."

Sprachliche Missverständnisse

Das Konzil hielt also die Mitte zwischen den falschen Christusbildern der Nestorianer und der Monophysiten. Wobei immer noch in Frage steht, ob Nestorius im strengen Sinn ein Häretiker war, so der Kirchenhistoriker Hubert Jedin. Das deutet darauf hin, dass die Sprache die Ursache vieler Missverständnisse war. Man fand also eine Synthese zwischen Ost und West, zwischen Papst und Kaiser, es war, so der Jesuit Alois Grillmeier, "das Ergebnis eines harten Ringens konkurrierender Kräfte: kaiserliche Reichspolitik, rivalisierende Patriarchen, nationale Sonderinteressen und mönchischer Enthusiasmus."

Die gegenwärtige Lage im Nahen Osten bietet den syrischen Christen keine Luft mehr zum Atmen. Die Regionen, in denen die christliche Kirche einst zu ihrer ersten Gestalt erwuchs, erlauben nicht mehr die Tradierung des syrisch-christlichen Erbes unter Beibehaltung der orientalisch-christlichen Identität - getragen von der Sprache Jesu, des Aramäischen. Es sei unmöglich geworden, "in den Heimatländern der syrisch-orthodoxen Kirche die Theologie in moderne universitäre Einrichtungen zu integrieren", sagt Dr. Aho Shemunkasho, der als Professor für Geschichte und Theologie des syrischen Christentums im Fachbereich Bibelwissenschaft und Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät in Salzburg das eben eingerichtete Masterstudium betreut.

Voraussetzung dafür ist ein Bachelor-Abschluss. Vorgesehen sind sieben Pflichtmodule: Syrischaramäische Sprache und Literatur; Bibel und Exegese in der syrischen Tradition; Geschichte des syrischen Christentums; Liturgiewissenschaft; Spiritualität und Mönchtum; Patristische Studien und Systematische Theologie; Kanonisches Recht und Praktische Theologie. Dazu kommen Abschlussprüfung und Master-These.

Die eingangs erwähnte Gemeinsame Erklärung von Papst Johannes Paul II. und Ignatius Zakka I. von Antiochien fußt auf der weitreichenden Glaubenseinheit der beiden Kirchen, so dass der Empfang der Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung von der jeweiligen Schwesterkirche möglich wurde.

Die Wiener christologische Formel

Das Tor hiefür hat aber nicht nur das Zweite Vatikanische Konzil allein, sondern auch die "Wiener christologische Formel" von 1971 aufgestoßen, die als einer der wichtigen ökumenischen Konsenstexte angesehen wird, der unter den Auspizien der Stiftung Pro Oriente zustande gekommen ist, angetrieben von dem Wiener Akademikerseelsorger und Ökumene-Vorreiter Otto Mauer.

Auf sie stützten sich unter anderem auch die Gemeinsamen Erklärungen von Kopten-Papst Schenuda III. und Papst Paul VI. von 1973 und schließlich die dogmatische Übereinkunft der katholischen mit der malankara-orthodoxen syrischen Kirche 1990.

Ein Meilenstein in den Pro Oriente-Bemühungen ist nun das Masterstudium in Salzburg, kräftig angeschoben vom Dekan der theologischen Fakultät, Dietmar Winkler. Die christologische Übereinkunft der ersten Pro Oriente Konsultation von 1971 sagt zum Abschluss: "Wir glauben, dass unser Gott und Erlöser, Jesus Christus, Gottes Fleisch gewordener Sohn ist; vollkommen in seiner Gottheit und vollkommen in seiner Menschheit. Seine Gottheit war von seiner Menschheit keinen Augenblick getrennt. Seine Menschheit ist eins mit seiner Gottheit, ohne Vermischung, ohne Vermengung, ohne Teilung, ohne Trennung."

Also sozusagen ein Chalzedon II.

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