"Macbeth": Mystische Paarbeziehungen - © Foto: Philine Hofmann

„Macbeth“ an der Staatsoper: Mystische Paarbeziehungen

1945 1960 1980 2000 2020

Ein neuer „Macbeth“ an der Staatsoper, eine märchenhafte österreichische Erstaufführung durch die Volksoper im Kasino am Schwarzenbergplatz – beklemmende Tunnelenge, unerfüllte Liebessehnsucht.

1945 1960 1980 2000 2020

Ein neuer „Macbeth“ an der Staatsoper, eine märchenhafte österreichische Erstaufführung durch die Volksoper im Kasino am Schwarzenbergplatz – beklemmende Tunnelenge, unerfüllte Liebessehnsucht.

Rossinis „Il barbiere di Siviglia“, Bergs „Wozzeck“, Wagners „Tristan und Isolde“, einer RossiniGala unter wesentlicher Mitwirkung von Cecilia Bartoli, die damit im Haus am Ring ein spätes Debüt feiert, der Fortsetzung des MonteverdiZyklus mit „L’Orfeo“ und „Don Giovanni“ als Beginn eines neuen Mozart-Da-PonteZyklus gelten die künftigen Premierenvorhaben der Wiener Staatsoper. Regie bei Mozarts Da-Ponte-Opern, von denen jede für sich selbst steht und die keinen Zyklus im eigentlichen Sinn bilden, führt der Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky. Von ihm stammt auch die Inszenierung der jüngsten Staatsopern-Premiere, eine Produktion, die zuvor schon am Zürcher Opernhaus zu sehen war: Verdis „Macbeth“.

Für Kosky im Wesentlichen ein schauriges Kammerspiel für und um zwei Personen: Macbeth und seine Lady. Wenigstens für sie gibt es Sessel auf der dunkel ausgeleuchteten Bühne: einem sich nach hinten verjüngenden, die grundsätzliche Atmosphäre des Stücks imaginierenden, ausweglosen Tunnel. Mitunter kommt eine sich wie eine Badewanne in Miniformat ausnehmende Leuchte vom Schnürboden. Zuweilen bevölkern Hermaphroditen oder stumme, den Tod symbolisierende Krähen die Bühne. Der Chor ist meist ins Off verbannt.

Eintönig und wenig reflexiv

Aber Kosky fokussiert sich bei seiner betont minimalistischen Interpretation eben auf das komplexe Verhältnis, auch LiebesVerhältnis, von Macbeth und seiner Frau. Eine Paarbeziehung, die grundsätzlich etwas über das Verhalten von Menschen aussagt, bewusst auch Abgründe aufspürt. Das liest sich allerdings ungleich besser, als es sich in natura ausnimmt. Denn auf Dauer wirkt das Geschehen auf der Bühne zu eintönig und wenig reflexiv, um die Vielschichtigkeit des Stücks und die gleichfalls komplexe Physiognomie seiner Darsteller auszuloten.

Dass sich Shakespeares Drama in Verdis musikdramatischem Gewand schließlich mehr im Orchestergraben als auf der Bühne abspielte, war nicht nur dem von Philippe Jordan minutiös auf seine Aufgabe vorbereiteten und ebenso präzise geführten, klanglich exzellenten Staatsopernorchester zu verdanken. Es hing vor allem mit den Solisten zusammen, denn sie waren ihren Herausforderungen nur unterschiedlich gewachsen. Voran Luca Salsi als irrlichternd durch das Geschehen wankender, vokal zu wenig differenziert agierender Macbeth und Anna Netrebko als prominent besetzte Lady. Sie konnte trotz manch brillanter, effektsicher gestalteter Momente am Ende nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie in anderen Rollen besser aufgehoben ist, ihr die hier geforderte gleißende Dramatik weniger liegt. Freddie De Tommaso und Carlos Osuna als Macduff und Malcolm wussten ungleich mehr zu überzeugen. Unauffällig bis enttäuschend (Roberto Tagliavinis Banco) die übrigen Comprimarii, gut studiert die Staatsopernchoristen.

Allerdings: Schon mit ihren beiden vorangegangenen „Macbeth“-Inszenierungen blieb die Staatsoper unter den Erwartungen. Demnächst Abschied nehmen heißt es an der Volksoper Wien. Dort geht Robert Meyer in seine letzte Saison als Impresario. Sein Premierenspielplan reicht von Abrahams „Roxy und ihr Wunderteam“, Strauss’ „Der Rosenkavalier“, Weills „Lady in the Dark“, Mussorgskis „Boris Godunow“, Hermans „La Cage aux Folles“, Zemlinskys „Kleider machen Leute“ bis zu Brittens „Der Tod in Venedig“ sowie, im Kasino, Tod Machovers erstmals in Europa zu sehender Kammeroper „Schoenberg in Hollywood“.

Rossinis „Il barbiere di Siviglia“, Bergs „Wozzeck“, Wagners „Tristan und Isolde“, einer RossiniGala unter wesentlicher Mitwirkung von Cecilia Bartoli, die damit im Haus am Ring ein spätes Debüt feiert, der Fortsetzung des MonteverdiZyklus mit „L’Orfeo“ und „Don Giovanni“ als Beginn eines neuen Mozart-Da-PonteZyklus gelten die künftigen Premierenvorhaben der Wiener Staatsoper. Regie bei Mozarts Da-Ponte-Opern, von denen jede für sich selbst steht und die keinen Zyklus im eigentlichen Sinn bilden, führt der Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky. Von ihm stammt auch die Inszenierung der jüngsten Staatsopern-Premiere, eine Produktion, die zuvor schon am Zürcher Opernhaus zu sehen war: Verdis „Macbeth“.

Für Kosky im Wesentlichen ein schauriges Kammerspiel für und um zwei Personen: Macbeth und seine Lady. Wenigstens für sie gibt es Sessel auf der dunkel ausgeleuchteten Bühne: einem sich nach hinten verjüngenden, die grundsätzliche Atmosphäre des Stücks imaginierenden, ausweglosen Tunnel. Mitunter kommt eine sich wie eine Badewanne in Miniformat ausnehmende Leuchte vom Schnürboden. Zuweilen bevölkern Hermaphroditen oder stumme, den Tod symbolisierende Krähen die Bühne. Der Chor ist meist ins Off verbannt.

Eintönig und wenig reflexiv

Aber Kosky fokussiert sich bei seiner betont minimalistischen Interpretation eben auf das komplexe Verhältnis, auch LiebesVerhältnis, von Macbeth und seiner Frau. Eine Paarbeziehung, die grundsätzlich etwas über das Verhalten von Menschen aussagt, bewusst auch Abgründe aufspürt. Das liest sich allerdings ungleich besser, als es sich in natura ausnimmt. Denn auf Dauer wirkt das Geschehen auf der Bühne zu eintönig und wenig reflexiv, um die Vielschichtigkeit des Stücks und die gleichfalls komplexe Physiognomie seiner Darsteller auszuloten.

Dass sich Shakespeares Drama in Verdis musikdramatischem Gewand schließlich mehr im Orchestergraben als auf der Bühne abspielte, war nicht nur dem von Philippe Jordan minutiös auf seine Aufgabe vorbereiteten und ebenso präzise geführten, klanglich exzellenten Staatsopernorchester zu verdanken. Es hing vor allem mit den Solisten zusammen, denn sie waren ihren Herausforderungen nur unterschiedlich gewachsen. Voran Luca Salsi als irrlichternd durch das Geschehen wankender, vokal zu wenig differenziert agierender Macbeth und Anna Netrebko als prominent besetzte Lady. Sie konnte trotz manch brillanter, effektsicher gestalteter Momente am Ende nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie in anderen Rollen besser aufgehoben ist, ihr die hier geforderte gleißende Dramatik weniger liegt. Freddie De Tommaso und Carlos Osuna als Macduff und Malcolm wussten ungleich mehr zu überzeugen. Unauffällig bis enttäuschend (Roberto Tagliavinis Banco) die übrigen Comprimarii, gut studiert die Staatsopernchoristen.

Allerdings: Schon mit ihren beiden vorangegangenen „Macbeth“-Inszenierungen blieb die Staatsoper unter den Erwartungen. Demnächst Abschied nehmen heißt es an der Volksoper Wien. Dort geht Robert Meyer in seine letzte Saison als Impresario. Sein Premierenspielplan reicht von Abrahams „Roxy und ihr Wunderteam“, Strauss’ „Der Rosenkavalier“, Weills „Lady in the Dark“, Mussorgskis „Boris Godunow“, Hermans „La Cage aux Folles“, Zemlinskys „Kleider machen Leute“ bis zu Brittens „Der Tod in Venedig“ sowie, im Kasino, Tod Machovers erstmals in Europa zu sehender Kammeroper „Schoenberg in Hollywood“.

Barrie Kosky fokussiert sich bei seiner betont minimalistischen Interpretation auf das komplexe Verhältnis, auch LiebesVerhältnis, von Macbeth und seiner Frau.

Dort, am Schwarzenbergplatz, gastierte die Volksoper auch mit ihrer jüngsten Produktion: der österreichischen Erstaufführung von Detlev Glanerts Vertonung der wohl berühmtesten arabischen Liebesgeschichte: „Leyla und Medjnun“. Auch diese Beziehungsgeschichte geht schlecht aus. Sie führt zwar nicht, wie bei Verdi, zu Mord, bleibt aber unerfüllt. Dem melancholischen Dichter Medjnun (ausdrucksstark Alexander Pinderak) sind bei aller Besessenheit für Leyla (bewegend und vokal perfekt Mara Mastalir) seine Verse wichtiger. Ihre unerfüllte Liebessehnsucht führt sie schließlich in den Tod. Ob beide im Paradies zueinander finden werden? Glanerts mit orientalischem Kolorit angereicherte, subtile kammermusikalische Partitur (souverän realisiert von einem Kammerensemble unter Gerrit Prießnitz) wie die von wenigen Requisiten – darunter mit Texten beschriebene Stoffbahnen, die Medjuns ungebändigtes literarisches Schaffen symbolisieren – begleitete Regie (Ruth Brauer-Kvam) im stilvoll mit Orientteppichen ausgelegten Spielort setzen vor allem auf die mystische Seite dieser poetischen Parabel, durch die Nicolaus Hagg einfühlsam führte.

Oper

Macbeth

Wiener Staatsoper
17., 21., 24., 28. Juni

Oper

Leyla und Medjnun

Volksoper Wien
18., 20., 22., 24. Juni

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