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Unnahbar, einzigartig, erfolgreich: Niki Lauda

Dreifacher Weltmeister, Vater, Ehemann, Firmenboss und Nationalheld. Und jetzt 60 Jahre alt. Ein Grund, sich zurückzulehnen und in Erinnerungen zu schwelgen? Schwachsinn, meint Niki Lauda. Älter werde man sowieso. Er wüsste nicht einmal, wann seine Buben Geburtstag haben. Ganz der Lauda, wie ihn die Öffentlichkeit kennen soll. Unnahbar. So einzigartig und erfolgreich, irgendwie nicht von dieser Welt. Und trotzdem so österreichisch, weil so kauzig und humorvoll.

Eine neue Biografie zeigt eine neue Lesart des Übermenschen. Die Laudas hatten sehr wohl Benzin im Blut. Als Kind ist Niki ein verschreckter Bub, den sie „Eichhörnchen“ nennen. Er kann mit dem Wertesystem des Clans nichts anfangen und hat nur Autofahren im Kopf. Keine Chance, sagt die Familie. Obwohl Großvater Hans, mit dem er sich später zerwirft, selbst Formel-1 Rennen besuchte. Jetzt erst recht, denkt sich Niki. Für Onkel Heinz, der unter einem Pseudonym Gokart-Staatsmeister wurde, durfte er die Motoren einfahren. Mit Geld von der Oma finanziert er sein erstes Auto – einen Mini Cooper S. Nachdem er mit 18 Jahren sein Maturazeugnis gefälscht hat, sagt er der Familie Adieu. Er will nur noch Gas geben. Nicht wegen der Hetz, sondern „damit etwas weitergeht“.

Als er 1971 bei Raiffeisen vorspricht, um sich 2,5 Millionen Schilling für ein Formel-1 Cockpit zu borgen, antwortet er auf die Frage, was er als Sicherheit vorweisen könne: „Mich.“ Ein neuer Typ Rennfahrer, der „sachlich in einer Maschine aufgeht“, wie Peter Handke schrieb. Keiner feilt so viel an der Feinabstimmung. Auch zwischen den Rennen hockt er an seinem Wagen, um zu wissen, „was er macht“. Die Technik schafft ihm ein Geborgenheitssystem. Alles erklärbar, alles logisch. Auch später, als Kommentator in den Medien.

Für ihn ist Sport permanente Arbeit. Nach seinem ersten WM-Titel 1975 für Ferrari gibt er zu Protokoll: „Das berufliche Jahresziel ist erfüllt, ich werde nächstes Jahr mehr Geld verdienen.“ Nach dem Unfall am Nürburgring ist er unsterblich, 1977 und 1984 wird er wieder Weltmeister. Seine Frau Marlene zieht zwei Söhne groß, an denen er erst Interesse zeigt, als er mit ihnen „etwas anfangen“ kann. Er trifft Models und zeugt einen unehelichen Sohn. Auf die Frage, ob er Niederlagen im Leben hatte, sagte Lauda der Kleinen Zeitung: „Nein, eigentlich nicht. Weil die ganzen Dinge für mich erklärbar sind. Ich habe aus jedem Fehler gelernt und gleich die Konsequenzen gezogen.“ Mit der Billig-Airline „Niki“ läuft es gut, aber es war auch anders. Davor hatte er in autoritärem Stil die Lauda-Air an den Rand der Pleite geführt, bis sie von der AUA geschluckt wurde. Sein Intermezzo als Chef des Formel-1 Teams Jaguar war schon nach einem Jahr wieder vorbei.

Mit seinem Bruder Florian hatte Niki kaum Kontakt. Trotzdem spendete ihm dieser 1997 eine Niere. Später wollte sich Florian einmal Geld von ihm borgen. „Er sagte, lös’ dir dein Problem selber“, erinnert er sich. „Da ärgert man sich im Moment. Aber so ist er. Er lebt halt extrem sein Leben.“ Seine neue Frau Birgit tut ihm sichtlich gut, sagen Bekannte wie Hubert Neuper: „Er setzt jetzt familiäre Prioritäten. Und das ist auch als großer Erfolg zu werten.“

Niki Lauda - Alles unter einer Kappe

D. Winkler, Th. Mudri, H. Kossdorf

Verlag Styria, 264 S., e 24,95

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