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Feuilleton

Urban Feeling

1945 1960 1980 2000 2020
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Als Kind der Provinz fühle ich mich in der Großstadt ziemlich wohl. Natürlich hakt es da und dort, und wenn die eigenen (Großstadt-)Kinder plötzlich singend und tirilierend durch Opas Provinz-Garten wandeln und als Berufswunsch chronisch "Bauer" formulieren, gibt einem das schon zu denken. Trotzdem ziehe ich persönlich das Stadtleben einer Existenz auf dem Land oder im Speckgürtel vor. Man braucht kein eigenes Auto (wirklich!), geht zu Fuß einkaufen (tatsächlich!) und spart sich auch Diskussionen darüber, wie weit die Hecke des Nachbarn herüberwuchern darf. Das ist nicht nichts, finde ich.

Menschen, die am Land leben und uns besuchen kommen, sehen das naturgemäß anders. Nur kurz wagen sie sich hierher, um je nach biovitaler Fortgeschrittenheit das Kasperltheater in der Urania zu bewundern - oder eine Fidelio-Inszenierung von Otto Schenk, die ungefähr so biovital fortgeschritten ist wie ich. Doch dann steigen sie wieder erleichtert in den Zug. Das ständige Gewusel sei ihre Sache nicht, heißt es dann. Und erst diese Anonymität! Keiner kennt keinen, niemand grüßt, jeder hetzt am anderen vorbei. "Städter sehen eher weg, wenn jemand Hilfe braucht", haben auch Heidelberger Psychologen 2014 festgestellt. Das liege am "Zuschauereffekt": Sind Menschen allein, packen sie eher an; stehen mehrere Augenzeugen herum, verlässt man sich auf die anderen.

Das haben wohl auch letzte Woche einige getan, als ich den neuesten Besuch vom Bahnhof holte - und mich in der U-Bahn-Station der Schwindel packte. Doch schon Sekunden später kamen Leute herbei, um nachzufragen, Beine hochzulagern und Wasser zu holen. Der Besuch vom Land stand derweil neben seinem Koffer und staunte beeindruckt. Vielleicht wären bei ihm daheim prozentuell mehr Passanten stehen geblieben. Aber bis bei Fuchs und Hase überhaupt jemand vorbeigekommen wäre, na dann gute Nacht.

Als Kind der Provinz fühle ich mich in der Großstadt ziemlich wohl. Natürlich hakt es da und dort, und wenn die eigenen (Großstadt-)Kinder plötzlich singend und tirilierend durch Opas Provinz-Garten wandeln und als Berufswunsch chronisch "Bauer" formulieren, gibt einem das schon zu denken. Trotzdem ziehe ich persönlich das Stadtleben einer Existenz auf dem Land oder im Speckgürtel vor. Man braucht kein eigenes Auto (wirklich!), geht zu Fuß einkaufen (tatsächlich!) und spart sich auch Diskussionen darüber, wie weit die Hecke des Nachbarn herüberwuchern darf. Das ist nicht nichts, finde ich.

Menschen, die am Land leben und uns besuchen kommen, sehen das naturgemäß anders. Nur kurz wagen sie sich hierher, um je nach biovitaler Fortgeschrittenheit das Kasperltheater in der Urania zu bewundern - oder eine Fidelio-Inszenierung von Otto Schenk, die ungefähr so biovital fortgeschritten ist wie ich. Doch dann steigen sie wieder erleichtert in den Zug. Das ständige Gewusel sei ihre Sache nicht, heißt es dann. Und erst diese Anonymität! Keiner kennt keinen, niemand grüßt, jeder hetzt am anderen vorbei. "Städter sehen eher weg, wenn jemand Hilfe braucht", haben auch Heidelberger Psychologen 2014 festgestellt. Das liege am "Zuschauereffekt": Sind Menschen allein, packen sie eher an; stehen mehrere Augenzeugen herum, verlässt man sich auf die anderen.

Das haben wohl auch letzte Woche einige getan, als ich den neuesten Besuch vom Bahnhof holte - und mich in der U-Bahn-Station der Schwindel packte. Doch schon Sekunden später kamen Leute herbei, um nachzufragen, Beine hochzulagern und Wasser zu holen. Der Besuch vom Land stand derweil neben seinem Koffer und staunte beeindruckt. Vielleicht wären bei ihm daheim prozentuell mehr Passanten stehen geblieben. Aber bis bei Fuchs und Hase überhaupt jemand vorbeigekommen wäre, na dann gute Nacht.