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Feuilleton

Verständnis für Atavismus

1945 1960 1980 2000 2020
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Kissy ist alleinerziehende Mutter, hat wechselnde Liebhaber und führt ein liebevoll heruntergekommenes Café in Berlin-Kreuzberg. Ihre schon vor langer Zeit verstorbene Mutter stammte aus Indien, doch mit dieser Kultur hat die quirlige, selbstbewusste Frau nichts am Hut. Eines Tages jedoch taucht überraschend die ultrakonservative Großmutter (Bharati Jaffrey) aus Indien auf, macht aus dem coolen Café ein indisches Restaurant, zwingt Kissy zur Heirat und beraubt sie schließlich ihrer Lebensgrundlage.

Der Film "Marry Me! - Aber bitte auf Indisch" versucht aus dieser zutiefst bedrückenden Geschichte eine Komödie - "mit Tiefgang", wie es so schön heißt - zu machen. Es ist das übliche Märchen aus dem Multikulti-Taka-Tuka-Land, in dem sich der "Clash of Civilizations" wider jegliche Realität in Wohlgefallen auflöst und schließlich all das gut wird, was in Wirklichkeit niemals gut werden kann. Denn schwuppdiwupp findet sich am Ende die strenge Oma mit der vermeintlichen Schande ab, die ihre Enkelin über die Familie gebracht hat. Aber, weil ja die Gehen-wir-doch-alle-einen-Schritt-aufeinander-zu-Ideologie nicht zu kurz kommen darf, muss auch Kissy ihre bisherige Existenz aufgeben. Zu allem Überdruss wird dies noch mit übelsten Selbstoptimierungs-Floskeln verbrämt: "Lass los! Hab keine Angst!"

Was dann doch zum Lachen ist ...

Die zugegebenermaßen charmanten Hauptdarsteller (Maryam Zarée und Fahri Yardim) können das missglückte Machwerk nicht retten. Witz, der sogar bissig ist, kommt nur dann auf, wenn jene autochthonen Deutschen ihren Auftritt haben, die sich der fernöstlichen Weisheit verschrieben haben. Deren Vorstellungen von indischer Spiritualität hat so überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun, dass es schon wieder zum Lachen ist. In Summe aber ein grauenhafter Film, der großes Verständnis für atavistische Weltbilder zeigt und die Idee der weiblichen Selbstbestimmung mit Füßen tritt.

Marry Me! - Aber bitte auf Indisch

D 2014. Regie: Neelesha Barthel. Mit Maryam Zarée, Fahri Yardim. Polyfilm. 94 Min.

Kissy ist alleinerziehende Mutter, hat wechselnde Liebhaber und führt ein liebevoll heruntergekommenes Café in Berlin-Kreuzberg. Ihre schon vor langer Zeit verstorbene Mutter stammte aus Indien, doch mit dieser Kultur hat die quirlige, selbstbewusste Frau nichts am Hut. Eines Tages jedoch taucht überraschend die ultrakonservative Großmutter (Bharati Jaffrey) aus Indien auf, macht aus dem coolen Café ein indisches Restaurant, zwingt Kissy zur Heirat und beraubt sie schließlich ihrer Lebensgrundlage.

Der Film "Marry Me! - Aber bitte auf Indisch" versucht aus dieser zutiefst bedrückenden Geschichte eine Komödie - "mit Tiefgang", wie es so schön heißt - zu machen. Es ist das übliche Märchen aus dem Multikulti-Taka-Tuka-Land, in dem sich der "Clash of Civilizations" wider jegliche Realität in Wohlgefallen auflöst und schließlich all das gut wird, was in Wirklichkeit niemals gut werden kann. Denn schwuppdiwupp findet sich am Ende die strenge Oma mit der vermeintlichen Schande ab, die ihre Enkelin über die Familie gebracht hat. Aber, weil ja die Gehen-wir-doch-alle-einen-Schritt-aufeinander-zu-Ideologie nicht zu kurz kommen darf, muss auch Kissy ihre bisherige Existenz aufgeben. Zu allem Überdruss wird dies noch mit übelsten Selbstoptimierungs-Floskeln verbrämt: "Lass los! Hab keine Angst!"

Was dann doch zum Lachen ist ...

Die zugegebenermaßen charmanten Hauptdarsteller (Maryam Zarée und Fahri Yardim) können das missglückte Machwerk nicht retten. Witz, der sogar bissig ist, kommt nur dann auf, wenn jene autochthonen Deutschen ihren Auftritt haben, die sich der fernöstlichen Weisheit verschrieben haben. Deren Vorstellungen von indischer Spiritualität hat so überhaupt nichts mit der Wirklichkeit zu tun, dass es schon wieder zum Lachen ist. In Summe aber ein grauenhafter Film, der großes Verständnis für atavistische Weltbilder zeigt und die Idee der weiblichen Selbstbestimmung mit Füßen tritt.

Marry Me! - Aber bitte auf Indisch

D 2014. Regie: Neelesha Barthel. Mit Maryam Zarée, Fahri Yardim. Polyfilm. 94 Min.