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Viennale wird noch kunstaffiner

1945 1960 1980 2000 2020

Die Italienerin Eva Sangiorgi leitet heuer erstmals die Viennale -und tritt in die Fußstapfen des im Vorjahr verstorbenen Langzeitdirektors Hans Hurch.

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Die Italienerin Eva Sangiorgi leitet heuer erstmals die Viennale -und tritt in die Fußstapfen des im Vorjahr verstorbenen Langzeitdirektors Hans Hurch.

Treffsicherheit erhöht werden. Lamarr ließ die Erfindung patentieren, doch vom Militär wurde sie -zumindest zunächst - abgelehnt. Intelligenz wollte man dem glamourösen Star nicht zugestehen, besser glaubte man die Sexgöttin einsetzen zu können, indem man sie für den Kauf von Kriegsanleihen die Werbetrommel rühren ließ.

Keinen Cent für die Erfindung erhalten

Als das Militär das Frequenzsprungverfahren, das heute für Bluetooth, WLAN und GPS genutzt wird, in den 1950er-Jahren weiterentwickelte und doch einsetzte, waren Lamarrs Patentrechte abgelaufen, sie bekam keinen Cent. Erst in den 1990er-Jahren wurde ihre Leistung gewürdigt, 2014 erhielt sie ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Das Privatleben mit sechs Ehen, zahlreichen Affären und Skandalen behandelt "Geniale Göttin" nur am Rande. Im Zentrum steht die Intelligenz dieser Frau, die zur Entwicklung Aspens zum berühmten Wintersportort beitrug und bei Schönheitsoperationen mit ihren Tipps Trendsetterin war.

Beeindruckende Recherche steckt sichtlich hinter der 90-minütigen Aufarbeitung dieses ereignisreichen, aber unglücklichen Lebens, doch gerade die Fülle führt auch zu Kurzatmigkeit.

Dicht folgen Szenen und kurze Statements aufeinander, wirklich vertieft wird wenig. Ein spannendes Bild des Lebens dieser schillernden Frau, die an einer Gesellschaft zerbrach, die Frauen auf ihre Schönheit reduzierte, zeichnet "Geniale Göttin" dennoch.

Eva Sangiorgi fremdelt noch ein bisschen mit dem Wiener Schmäh, der deutschen Sprache und der Stadt, in der sie jetzt lebt. "Ich bin aus Mexico City nach Wien gekommen, und das bedeutet eine große Veränderung und auch eine große Herausforderung: Viel Stress, viele neue Informationen, viele neue Menschen. Doch nun, da sich der Programmierungs-Prozess für die Viennale 2018 dem Ende zuneigt, bin ich erleichtert. Und ich habe das Gefühl, dass wir vor einem starken Festival stehen", sagt die 40-jährige Neo-Viennale-Chefin, die zunächst auf drei Jahre befristet die Nachfolge des verstorbenen Hans Hurch antritt, im Gespräch. Zuvor war Sangiorgi gut 16 Jahre in Mexiko City und hat dort das Filmfestival Ficunam gegründet und geleitet.

Jetzt ist alles anders: "Es ist natürlich nicht so einfach, in einer Fremdsprache zu arbeiten. Nach 16 Jahren in Mexiko war ich sehr firm in Spanisch, während ich mich nun auf das Englische umgestellt habe. Und natürlich stört es mich, dass ich nicht alles verstehe, wenn rund um mich Deutsch gesprochen wird. Da fehlt mir die komplette Kontrolle", so Sangiorgi.

Dennoch will die neue Viennale- Direktorin zumindest versuchen, ein paar Worte auf Deutsch zu sprechen, wenn sie die diesjährige Viennale am 25. Oktober eröffnet. Lokale, kämpferische Polit-Eröffnungsreden à la Hurch dürfte es aber nicht mehr geben, jedoch: "Ich komme von außen nach Österreich und ich kenne auch die Reden von Hans Hurch nicht. Ich möchte aber festhalten, dass die Eröffnungen meines Ficunam-Festivals in Mexico City durch meine Reden stets auch sehr politisch waren."

Neue Kategorie "Feature Films"

Was die Viennale an sich angeht, so hat Sangiorgi bereits vergangene Woche einige Details zum Programm präsentiert. Hauptneuerung ist der Verzicht auf eine Unterscheidung zwischen Spiel-und Dokumentarfilm. "Dies ist der Versuch, gegen eine Ungerechtigkeit anzugehen. Viele Filmemacher werden darüber erleichtert sein und das Publikum darf sich auf

fruchtbringende Überraschungen freuen", so Sangiorgi. "Im Programm beispielsweise sind beide Metiers nicht länger durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet. Sie firmieren beide als Feature Films, als abendfüllende Filme. Damit will ich verdeutlichen, dass Spielfilm und Dokumentation die gleiche Bedeutung haben, auch wenn das vielleicht manche Besucher provozieren mag."

41 Produktionen, die bei der Viennale 2018 gezeigt werden, stehen bereits fest. Darunter ist zum Beispiel "Angelo" zu finden, der neue Film des Wieners Markus Schleinzer. Ein Zeichen, dass dem österreichischen Film bald bessere Viennale-Zeiten blühen als unter Hans Hurch, der das heimische Kino bewusst reduziert hat? "Die Viennale ist ein internationales Festival, aber natürlich werden Filme aus Österreich gut im Programm vertreten sein. Wir geben diesen Filmen viel Aufmerksamkeit und Respekt", sagt Sangiorgi.

Im Programm sind bereits etliche Cannes-,Berlinale-und Locarno-Hits fixiert: Etwa "3 Faces" von Jafar Panahi, "Ang panahon ng halimaw" von Lav Diaz, "Le livre d'image" von Jean-Luc Godard, "Ray &Liz" von Richard Billingham oder auch "Touch Me Not" der Berlinale-Siegerin Adina Pintilie.

Die Zeichen stehen auf Kunstkino und experimentelle Filmarbeiten, das gibt Sangiorgi gerne zu:"Ich werde einen Schwerpunkt auf das experimentelle Kino legen und auf junge Filmemacher, die eine sehr frische Filmsprache sprechen".

Klingt, als ob die Viennale dieses Jahr noch ein bisschen "arthausiger" wird als bisher. Für Eva Sangiorni heißt das: Hoffen, dass die Wiener ihrem Konzept vom durchaus auch weit entfernten Weltkino folgen werden.

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