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Virtuelle Tragödien

Gleich zwei nationale Katastrophen gab es in den letzten Tagen zu vermelden. Die eine ließ am Sonntagabend Tränen fließen: Nicht nur seine Kollegen und Kommissar Rex betrauerten den Tod von "Herrl" Moser in der TV-Serie, in welcher der kriminalistische Hund Mordfall um Mordfall lösen hilft. Das Tier wird auch in Zukunft tätig sein, Tobias Moretti ist als Kommissar Moser aber jetzt gestorben. Es darf vermutet werden, daß auch vor den Fernsehschirmen ob der tragischen Wende kaum ein Auge trocken blieb.

Die zweite Katastrophe für Österreich war etwas realer. Es steigert zwar das heimische Selbstgefühl ordentlich, wenn es zur Zeit wieder einen nationalen Superstar im Schisport gibt: Hermann Maier hat das Zeug, sogar Toni Sailer zu übertreffen. Allerdings gehört da unbedingt die Beherrschung der Kitzbühler Streif, der österreichischen Abfahrtsstrecke, dazu: Erst ein Hahnenkammsieg adelt einen Rennläufer wirklich.

Doch Hermann Maier gab w.o. und ließ die Streif unbesiegt zurück, auch der Kapitalsturz von Roland Assinger machte Kitzbühel heuer zum "Austro-Alptraum" ((c) Täglich Alles). Daß - nebenbei bemerkt - bei der zweiten Streif-Abfahrt immerhin fünf Österreicher unter den ersten Zehn waren, reichte nicht für ein wirkliches Hoch in der nationalen Befindlichkeit, auch der Slalom-Doppelsieg am Sonntag machte das "Versagen" nur halb wett.

Daß der Sport und seine mediale Vermarktung kollektive Emotion auslösen, ist bekannt - hierzulande weiß man noch um den Triumphzug des bei Olympia 1972 gesperrten Karl Schranz durch Wien; anderswo geht es noch heißer her: Wegen eines Fußballspiels kam es zwischen El Salvador und Honduras gar einmal zur bewaffneten Krise. Dabei wird Sport erst durch die mediale Verbreitung zur nationalen und globalen Wirklichkeit.

Die aber kaum "realer" ist als jene virtuelle Wirklichkeit, die in TV-Serien a la Kommissar Rex Gestalt annimmt: Auch diese bewegt die Gemüter und bietet Stoff für kollektive Träume.

Der "Tod" von Serien-Kommissar Moser, der auch in den Medien breit abgehandelt wurde, und die zeitweilige sportliche Abwesenheit von Skistar Hermann Maier sind nur zwei Beispiele dafür, wie mediale Wirklichkeiten Realität werden.

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