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Feuilleton

Völkerrecht nicht Rache

1945 1960 1980 2000 2020
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Der "schwarze Dienstag", der 11. September, hat die Welt verändert. Mit dem Terroranschlag von Manhattan droht die westliche Welt in tiefe Konfusion zu geraten. "Es ist Zeit, dass wir den ersten Krieg des 21. Jahrhunderts gewinnen", kündigte US -Präsident Bush an und ließ sich vom Senat zu "notwendigen und geeigneten Maßnahmen" ermächtigen, um gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen. Die Nato gab eine Beistandserklärung ab. 84 Prozent der Amerikaner plädieren für einen militärischen Vergeltungsschlag. "Verbal sind die USA auf Kriegskurs" verlautete das Erste deutsche Fernsehen am Sonntagabend.

Der Wirklichkeit gewordene Katastrophenfilm droht die Stimmen der Vernunft zu ersticken. So notwendig es ist, dass sich die westliche Welt gegen den Terror zur Wehr setzt, so gefährlich ist das leichtfertige Spiel mit dem Wort "Krieg". So wichtig es ist, die Verantwortlichen für den massenmörderischen Angriff auf die Lebenszentren der amerikanischen Nation ausfindig zu machen, so gefährlich ist es, die Spirale der Gewalt weiterzudrehen. Noch sind weder das Netzwerk noch die "Patenstaaten" des Terrors aufgeklärt. Ein "blinder Vergeltungsschlag" würde einen Wahnsinn durch einen anderen ersetzen.

Weltweit wurden den USA Solidarität und Beistand im Kampf gegen den internationalen Terror zugesagt. Sensationell und noch zu wenig gewürdigt wurden die Angebote Russlands und Chinas. Eine ungeheure Chance, auf dem Boden des Völkerrechts zu bleiben, statt einen großen Rache- und Vergeltungsakt zu starten. Die Fragen, die derzeit vom nationalen Sicherheitsstab auf Camp David diskutiert werden, müssen auf die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates. Die UNO ist das Forum, das Maßnahmen gegen den internationalen Terror zu treffen hat - umfassende Maßnahmen, nicht nur militärische. Die UNO wäre auch das Forum, das über die Ursachen des Terrors zu diskutieren hätte.

Zeit für europäische Politiker, Kirchen und NGOs, vor einer gefährlichen Entwicklung zu warnen.

Trautl Brandstaller war lange ORF-Journalistin und Dokumentarfilmerin.

Der "schwarze Dienstag", der 11. September, hat die Welt verändert. Mit dem Terroranschlag von Manhattan droht die westliche Welt in tiefe Konfusion zu geraten. "Es ist Zeit, dass wir den ersten Krieg des 21. Jahrhunderts gewinnen", kündigte US -Präsident Bush an und ließ sich vom Senat zu "notwendigen und geeigneten Maßnahmen" ermächtigen, um gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen. Die Nato gab eine Beistandserklärung ab. 84 Prozent der Amerikaner plädieren für einen militärischen Vergeltungsschlag. "Verbal sind die USA auf Kriegskurs" verlautete das Erste deutsche Fernsehen am Sonntagabend.

Der Wirklichkeit gewordene Katastrophenfilm droht die Stimmen der Vernunft zu ersticken. So notwendig es ist, dass sich die westliche Welt gegen den Terror zur Wehr setzt, so gefährlich ist das leichtfertige Spiel mit dem Wort "Krieg". So wichtig es ist, die Verantwortlichen für den massenmörderischen Angriff auf die Lebenszentren der amerikanischen Nation ausfindig zu machen, so gefährlich ist es, die Spirale der Gewalt weiterzudrehen. Noch sind weder das Netzwerk noch die "Patenstaaten" des Terrors aufgeklärt. Ein "blinder Vergeltungsschlag" würde einen Wahnsinn durch einen anderen ersetzen.

Weltweit wurden den USA Solidarität und Beistand im Kampf gegen den internationalen Terror zugesagt. Sensationell und noch zu wenig gewürdigt wurden die Angebote Russlands und Chinas. Eine ungeheure Chance, auf dem Boden des Völkerrechts zu bleiben, statt einen großen Rache- und Vergeltungsakt zu starten. Die Fragen, die derzeit vom nationalen Sicherheitsstab auf Camp David diskutiert werden, müssen auf die Tagesordnung des UN-Sicherheitsrates. Die UNO ist das Forum, das Maßnahmen gegen den internationalen Terror zu treffen hat - umfassende Maßnahmen, nicht nur militärische. Die UNO wäre auch das Forum, das über die Ursachen des Terrors zu diskutieren hätte.

Zeit für europäische Politiker, Kirchen und NGOs, vor einer gefährlichen Entwicklung zu warnen.

Trautl Brandstaller war lange ORF-Journalistin und Dokumentarfilmerin.