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Feuilleton

Vom Stierwascher zum Jedermann

1945 1960 1980 2000 2020

"Bischof. Kaiser. Jedermann.": Die aktuelle Salzburger Landesausstellung verpflichtet sich dem Dreiklang aus Religion, Politik und Kultur, der jene 200 Jahre prägte, die Salzburg nun bei Österreich ist. Aus einer Heirat ohne Liebe wurde eine Vernunftehe.

1945 1960 1980 2000 2020

"Bischof. Kaiser. Jedermann.": Die aktuelle Salzburger Landesausstellung verpflichtet sich dem Dreiklang aus Religion, Politik und Kultur, der jene 200 Jahre prägte, die Salzburg nun bei Österreich ist. Aus einer Heirat ohne Liebe wurde eine Vernunftehe.

Was haben Salzburg und die Jedermann-Buhlschaft gemeinsam? Beide sind wunderschön. Beide haben nicht viel zu sagen. Und beide sind uralt und erfinden sich immer wieder neu.

"Bischof. Kaiser. Jedermann." - Der gut gewählte Titel der Salzburger Landesausstellung greift die Metamorphosen auf, die das Land erlitten und erstritten hat: vom fürsterzbischöflichen Kirchenstaat zum Anhängsel eines Kaiserreichs zum Bundesland Österreichs. Das Titel-Trio lässt sich aber auch als Synonym für Religion, Politik und Kultur lesen. Gemeinsam konnten diese drei Akteure in Salzburg oft Großes schaffen; genauso blieben sich die drei -egal ob einst oder heute -aber auch beim Verhindern und Zerstören nie etwas schuldig.

Dem Dreiklang bleibt die Ausstellung im Salzburg Museum in der Neuen Residenz auch in ihrer Form verpflichtet und teilt seinen Inhalt in die Trilogie "Schatzkammer Salzburg","Erzähl mir Salzburg!" und "Am Schauplatz". Beim Letztgenannten steigt ein, wer zu ebener Erd' den Rundgang beginnt. Ein guter Anfang, denn um in Salzburg schönes Altes wie Neues herzuzeigen, dazu braucht es kein Jubiläumsjahr. Das geht immer, das passt immer.

Aber erst diese Auswahl an Videoanimationen und Installationen zu acht Schauplätzen führt darüber hinaus in die Jahre und an die Orte, wo die Hochzeit mit Österreich vorbereitet und 1816 vollzogen wurde: Beispielsweise die Udineser Villa Manin, wo 1797 der Friedensvertrag von Campo Formio unterzeichnet und damit das Ende des selbstständigen Erzbistums Salzburg festgelegt wurde. Oder das Walserfeld, wo die nach diesem Acker benannte Schlacht 1800 die Unheilszeit mit Besetzungen und Plünderungen eingeläutet hat. Und natürlich der Platz vor dem Neutor, wo Kaiser Franz I. von Österreich im Juni 1816 von den Salzburgern als neuer Herrscher mehr in Empfang genommen als willkommen geheißen wurde.

"Zu klein, zu arm, zu bergig, die Bewohner zu dumm, zu wenig Unterhaltung, das Theater schlecht, die Witterung zu nass, die Stadt zu eng, die Häuser zu alt, die Kirchen zu viel", lautete die Inventarisierung Salzburgs 1816. Von Liebesheirat keine Rede. Kaiser Franz hatte "Besitz ergriffen" von einem durch Kriegsjahre und Naturkatastrophen verarmten Landstrich und degradierte das Fürsterzbistum mit einem Stammbaum bis in die Zeit Karls des Großen zum fünften Viertel Oberösterreichs und die "Perle an der Salzach" zur Bezirkshauptstadt und zum Anhängsel von Linz.

Salzburg feiert sich selbst

Doch die Zeit heilte auch in dieser Beziehung viele Wunden und nach zwei Jahrhunderten hat sich eine für beide Seiten vorteilhafte Vernunftehe entwickelt. Womit beschrieben ist, was heuer in Stadt und Land Salzburg gefeiert wird: Nicht das 200 Jahre lange Österreich-Sein steht im Vordergrund, sondern Salzburg feiert sich selbst, seine Kulturschätze, seine landschaftliche Schönheit, seine wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Erfolge, eben sein Salzburg-Sein.

Die Landesausstellung zeigt diesen "genius loci" im ersten Stock und im Keller. In der "Schatzkammer Salzburg" riecht es nach Spanplatten. Die Schatztruhe des Landes ist einer riesigen Transportkiste nachempfunden, um zu zeigen, was alles geplündert wurde und zum Jubiläum wieder an seinen ursprünglichen Ort (als Leihgabe) zurückkehren durfte. Eine Prunkrüstung von Fürsterzbischof Wolf Dietrich, besser als Ornat denn als Harnisch beschrieben, wacht über die Preziosen.

Noch weiter in die Zeit zurück führt der Gang in den ersten Stock, wo heutige Salzburger Legenden wie Sepp Forcher oder Bodo Hell in Videoaufnahmen Salzburger Sagen erzählen und damit den "Erzähl mir Salzburg!"-Rundgang anführen, der von den Venedigermandln und Stierwaschern über (natürlich) Mozart, "Stille Nacht!", Wotruba bis zu Handke führt.

Nur die Buhlschaft fehlt. Aber die trifft man dieser Tage sowieso am Domplatz. Und die gehört auch nicht ins Museum, denn die ist wie Salzburg, uralt und doch immer wieder neu.

Jubiläum

Die Landesausstellung bildet das Herzstück aller Veranstaltungen und Projekte rund um das Jubiläumsjahr "Salzburg 2016".

Bischof. Kaiser. Jedermann.

Bis 30. Oktober 2016 Neue Residenz, Salzburg www.salzburgmuseum.at

Was haben Salzburg und die Jedermann-Buhlschaft gemeinsam? Beide sind wunderschön. Beide haben nicht viel zu sagen. Und beide sind uralt und erfinden sich immer wieder neu.

"Bischof. Kaiser. Jedermann." - Der gut gewählte Titel der Salzburger Landesausstellung greift die Metamorphosen auf, die das Land erlitten und erstritten hat: vom fürsterzbischöflichen Kirchenstaat zum Anhängsel eines Kaiserreichs zum Bundesland Österreichs. Das Titel-Trio lässt sich aber auch als Synonym für Religion, Politik und Kultur lesen. Gemeinsam konnten diese drei Akteure in Salzburg oft Großes schaffen; genauso blieben sich die drei -egal ob einst oder heute -aber auch beim Verhindern und Zerstören nie etwas schuldig.

Dem Dreiklang bleibt die Ausstellung im Salzburg Museum in der Neuen Residenz auch in ihrer Form verpflichtet und teilt seinen Inhalt in die Trilogie "Schatzkammer Salzburg","Erzähl mir Salzburg!" und "Am Schauplatz". Beim Letztgenannten steigt ein, wer zu ebener Erd' den Rundgang beginnt. Ein guter Anfang, denn um in Salzburg schönes Altes wie Neues herzuzeigen, dazu braucht es kein Jubiläumsjahr. Das geht immer, das passt immer.

Aber erst diese Auswahl an Videoanimationen und Installationen zu acht Schauplätzen führt darüber hinaus in die Jahre und an die Orte, wo die Hochzeit mit Österreich vorbereitet und 1816 vollzogen wurde: Beispielsweise die Udineser Villa Manin, wo 1797 der Friedensvertrag von Campo Formio unterzeichnet und damit das Ende des selbstständigen Erzbistums Salzburg festgelegt wurde. Oder das Walserfeld, wo die nach diesem Acker benannte Schlacht 1800 die Unheilszeit mit Besetzungen und Plünderungen eingeläutet hat. Und natürlich der Platz vor dem Neutor, wo Kaiser Franz I. von Österreich im Juni 1816 von den Salzburgern als neuer Herrscher mehr in Empfang genommen als willkommen geheißen wurde.

"Zu klein, zu arm, zu bergig, die Bewohner zu dumm, zu wenig Unterhaltung, das Theater schlecht, die Witterung zu nass, die Stadt zu eng, die Häuser zu alt, die Kirchen zu viel", lautete die Inventarisierung Salzburgs 1816. Von Liebesheirat keine Rede. Kaiser Franz hatte "Besitz ergriffen" von einem durch Kriegsjahre und Naturkatastrophen verarmten Landstrich und degradierte das Fürsterzbistum mit einem Stammbaum bis in die Zeit Karls des Großen zum fünften Viertel Oberösterreichs und die "Perle an der Salzach" zur Bezirkshauptstadt und zum Anhängsel von Linz.

Salzburg feiert sich selbst

Doch die Zeit heilte auch in dieser Beziehung viele Wunden und nach zwei Jahrhunderten hat sich eine für beide Seiten vorteilhafte Vernunftehe entwickelt. Womit beschrieben ist, was heuer in Stadt und Land Salzburg gefeiert wird: Nicht das 200 Jahre lange Österreich-Sein steht im Vordergrund, sondern Salzburg feiert sich selbst, seine Kulturschätze, seine landschaftliche Schönheit, seine wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Erfolge, eben sein Salzburg-Sein.

Die Landesausstellung zeigt diesen "genius loci" im ersten Stock und im Keller. In der "Schatzkammer Salzburg" riecht es nach Spanplatten. Die Schatztruhe des Landes ist einer riesigen Transportkiste nachempfunden, um zu zeigen, was alles geplündert wurde und zum Jubiläum wieder an seinen ursprünglichen Ort (als Leihgabe) zurückkehren durfte. Eine Prunkrüstung von Fürsterzbischof Wolf Dietrich, besser als Ornat denn als Harnisch beschrieben, wacht über die Preziosen.

Noch weiter in die Zeit zurück führt der Gang in den ersten Stock, wo heutige Salzburger Legenden wie Sepp Forcher oder Bodo Hell in Videoaufnahmen Salzburger Sagen erzählen und damit den "Erzähl mir Salzburg!"-Rundgang anführen, der von den Venedigermandln und Stierwaschern über (natürlich) Mozart, "Stille Nacht!", Wotruba bis zu Handke führt.

Nur die Buhlschaft fehlt. Aber die trifft man dieser Tage sowieso am Domplatz. Und die gehört auch nicht ins Museum, denn die ist wie Salzburg, uralt und doch immer wieder neu.

Jubiläum

Die Landesausstellung bildet das Herzstück aller Veranstaltungen und Projekte rund um das Jubiläumsjahr "Salzburg 2016".

Bischof. Kaiser. Jedermann.

Bis 30. Oktober 2016 Neue Residenz, Salzburg www.salzburgmuseum.at