Flucht2 - © Foto: Raffael F. Lehner
Feuilleton

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1945 1960 1980 2000 2020

Die aktuelle Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich analysiert und präsentiert, wie „Flucht“ zu einem Teil der europäischen Kultur geworden ist.

1945 1960 1980 2000 2020

Die aktuelle Ausstellung in der Landesgalerie Niederösterreich analysiert und präsentiert, wie „Flucht“ zu einem Teil der europäischen Kultur geworden ist.

Migration. Eines der gesellschaftspolitisch wohl wichtigsten Themen unserer Zeit. Menschen verlassen ihre Heimat, fliehen vor Krieg, Verfolgung, Armut oder aus existenzieller Notwendigkeit und wollen sich in anderen Ländern, auf anderen Kontinenten, ein neues Leben aufbauen. Die Spuren dieser Fluchten werden in ganz individuellen Geschichten künstlerisch aufgerollt. Es sind mehr als vierzig sehr unterschiedliche Positionen, die die beiden Kuratoren Günther Oberhollenzer und Georg Traska in der Ausstellung „Spuren und Masken der Flucht“ präsentieren. Fluchtschicksale, bei denen man zeitgenössische und historische Aspekte kombinierte, denn Österreich war ja immer schon ein Fluchtland. Es geht nicht um eine plakative Ausstellung oder um das Vorführen der Geflüchteten, sondern um eine Gratwanderung zwischen kulturellen Identitäten; und es ist eine mit sehr vielen Zwischentönen, die auch weniger bekannte Aspekte von Flucht aufzeigt.

Individuelle Erzählungen

Ein engagiertes Projekt, das klarmacht, dass man Flüchtlinge nicht einfach generell als eine soziale Gruppe definieren kann, sondern dass es sich um Individuen handelt, die zwischen Selbstentwurf und Fremdzuschreibung positioniert sind. Damit ist jeder Ausstellungsbesucher gezwungen, bei jeder einzelnen künstlerischen Position seine ganz persönliche Position zu beziehen, um die künstlerische Arbeit verstehen zu können. Die Ausstellung zeigt, wie „Flucht“ zu einem ganz wesentlichen Teil der europäischen Kultur geworden ist. Die Spuren, die die Flüchtlinge hinterlassen, sind nicht nur seelische Relikte, wie auf den Leinwänden von Faek Rasul, der aus dem Irak nach Wien kam, sondern auch materielle, wie etwa die Arbeiten von Khaled Barakeh, István Bielik oder Robert Jelinek zeigen – sowohl in den Grenzlandschaften und Lagern als auch in den Zielländern, selbst noch Jahre nach ihrem Ankommen.