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Von der Pleite der Hochkultur

Unter Hochkultur versteht man in Österreich Philharmoniker, Sängerknaben, Lipizzaner und Bundestheater. Um Letztere muss man sich Sorgen machen. Viele Jahre hindurch waren sie ein Mammutkoloss, dessen oberster Manager noch vor Jahrzehnten großspurig behaupten konnte, „sie kosten, was sie kosten“. Heute gilt dieser Satz noch immer. Allerdings wurde aus dem fetten Monster ein abgeschlanktes Theatergebilde, wenn auch kein Krispindel. So nebenbei geht es ja um Burgtheater, Staats- und Volksoper – und somit um Institutionen, die im Ausland für den Ruf des Landes als Kulturnation herhalten müssen.

Seit Jahren wird den Staatstheatern die notwendige Erhöhung von Subventionen verweigert. Jetzt ist es soweit. Ihr Betrieb kann nur noch mit jenen Mitteln aufrechterhalten werden, die für das kommende Jahr vorgesehen waren. Die Bundestheater sind pleite. Und das, obwohl ihnen das Publikum größtenteils die Treue hält. Der Bundestheater-General fordert nun ein klares Bekenntnis der Politiker zu den Theatern. Optimistisch wird diesbezüglich wohl kaum jemand sein. Mit der Finanzkrise hängt das nur bedingt zusammen. Noch nie hat es eine Regierung gegeben, deren Mitglieder so schamlos offen zeigen, wie wenig ihnen Bildung und Kultur bedeutet. Sie taugt ihnen nicht einmal für Repräsentationszwecke. Im Falle der Theater heißt das Ausdünnung. Das Aschenputtel unter ihnen, die Volksoper, bietet schon jetzt ein dürftiges, mit bunten Abenden garniertes Repertoire. Im Burgtheater behilft man sich mit Übernahmen aus den vormaligen Wirkungsstätten des neuen Direktors – und die Staatsoper lebt von den Reserven einer erfolgreichen, zu Ende gehenden Ära.

Österreich ist im Begriff sein eigentliches Kapital zu verspielen. Verantwortlich dafür sind ein paar unbedeutende Funktionäre, deren Namen demnächst niemand mehr kennt. Der Schaden, den sie anrichten, ist aber schon jetzt total.

* Der Autor ist Kulturmoderator beim Privatsender ATV

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