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Vor Abschiedsvorstellung - oder doch noch nicht?

Klein, aber mittlerweile renommiert: Das Festival "Vienna Independent Shorts“ findet bis 1. Juni in Wien statt. Vielleicht zum letzten Mal.

Wenn Kooperationen automatisch einen finanziellen Wert hätten - und erst recht erworbene Sympathien - dann wären die "Vienna Independent Shorts“ mehr als bestens aufgestellt. So jedoch findet die achte Ausgabe des Kurzfilmfestivals vom 26. Mai bis zum 1. Juni im Bann der Existenzbedrohung statt. Auslöser dafür waren das Abspringen des vormaligen Hauptsponsors, der Wegfall der Mittel aus dem Österreichischen Filminstitut und unveränderte Förderhöhen von Stadt und Bund. Unterm Strich steht die Schau, die sich aufgrund wachsenden Zuspruchs heuer weiter vergrößerte, mit einem Sechstel weniger Budget da: 65.000 Euro hat sie 2011 zur Verfügung; schon im Vorjahr wären laut Geschäftsführer Raimund Liebert eigentlich etwa 175.000 notwendig gewesen. Eigentlich, das mag heißen: ohne größere Selbstausbeutung.

300 Filme aus 35 Nationen

Schon ab Juni könnten beim Projekt VIS die Räder stillstehen. Vorher wird allerdings gezeigt, was verloren ginge. Rund 300 Filme aus 35 Nationen bringt das Festival heuer auf seine Leinwände, darunter das "kleinste Autokino der Welt“, in das zwei Abende lang im Wiener Museumsquartier eingestiegen werden darf. Neu unter den elf Spielstätten sind auch das Planetarium und die Media Opera in den Rinderhallen Neu Marx, angestammt hingegen das Gartenbaukino als Ort der Eröffnung: Am Programm steht dort u. a. die Weltpremiere der Thriller-Miniatur "Ein einfaches Ereignis“ von Arash T. Riahi ("Ein Augenblick Freiheit“). Zum Österreich-Wettbewerb, bei dem seine Arbeit antritt, gesellen sich die internationalen Kategorien Fiction and Documentary und Animation Avantgarde.

Abseits der Konkurrenzen

Abseits der Konkurrenzen werden schwerpunktmäßig die sogenannten "New Communities“ unter die Lupe genommen: in Form kritischer Hinterfragung, z. B. bei Programmpunkten wie "Social Networks“ oder "Activism Regroupment“, aber auch, indem die Facebook-Gemeinde zum Musikvideo-Kurator gemacht wird. Auf traditionelle Art nominiert ist wiederum das Tourprogramm der "European Film Academy“, das bei VIS Station macht. Dem heimischen Comic-Künstler Nicolas Mahler und dem britischen Experimental-Duo Semiconductor widmet das Festival Tributes, während ein Pionier der Visual-Kunst als Spezialgast nach Wien kommt: der Kanadier Pierre Hébert. Er nimmt auch am ersten "Vienna Short Film Forum“ teil, das zur Vernetzung beitragen soll - ob es ein zweites Mal stattfinden wird, das bleibt die Frage.

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