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Wählen mit Twitter

Soziale Netzwerke - Twitter, Facebook, Xing etc. - gewinnen zunehmend an Bedeutung. Besonders in Wahlzeiten. Der Wettstreit ist voll im Gang.

Zwar sitzen die Wähler noch immer vorwiegend vor Fernsehgeräten, um den Ausgang von Wahl zu verfolgen. Smartphone, Tablet-Computer oder Notebook werden aber immer öfter als "Second Screen“ genutzt, um TV-Informationen zu kommentieren. Twitter und Dienste wie Facebook, Xing, YouTube oder flickr können bei künftigen Wahlen zum Zünglein an der Waage werden.

Zumindest hat der Twitter-Index schon eine Woche vor den US-Präsidentschaftswahlen angezeigt, dass der Amtsinhaber Barack Obama vor seinem Konkurrenten Mitt Romney lag. Dafür wurden täglich mehrere Hunderttausend Tweets zum Wahlkampf analysiert und positive und negative Äußerungen zu den beiden Kandidaten gesammelt. Am Tag der Wahl brachte es das Duo Obama-Biden auf mehr als 23 Millionen Erwähnungen, etwa die Hälfte verbuchte das republikanische Präsidentschaftspaar Romney-Ryan.

Stolz verkündet der Twitter Blog auf seiner "Election Night“-Seite, dass der alte neue Präsident noch vor seinem TV-Auftritt auf Twitter über "vier weitere Jahre“ jubelte. Das angefügte Foto - es zeigt ihn selbst in Umarmung mit seiner Frau Michelle - wurde dann von mehr als 455.000 anderen weiterverschickt. Selbst der britische Premier David Cameron übermittelte die Gratulationen zum Wahlsieg an Barack Obama über Twitter.

Mobilisierung der Wähler

Bemerkenswert auch das Engagement von Facebook am US-Wahltag. 60 Prozent der Facebook-User wurden vom Wahlhype angesteckt und bekamen dafür Echt-Zeit-Karten der landesweiten Wahlbeteiligung der Facebook-Gemeinde, den Weg zum nächstgelegenen Walhlokal oder welcher "Freund“ bereits gewählt hat, geliefert.

Die erste große Studie, veröffentlicht in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Nature, bestätigt den politischen Einfluss sozialer Netzwerke und stellt fest, dass der elektronische Button "I Vote“ auf Facebook Newsfeed des Wahltages 2,2 Prozent zusätzliche Wähler animiert hat, an der Abstimmung teilzunehmen, Tendenz steigend.

Wer aber das politische Getöse in sozialen Netzwerke nicht mehr hören kann, dem bieten mittlerweile Apps Abhilfe: politische Nachrichten auf Facebook werden in Katzenbilder verwandelt oder Twitter-Nachrichten können ausgeblendet werden.

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