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Feuilleton

Was einem Alien so alles begegnet

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Ein Grenzzaun würde wenig helfen gegen eine echte Invasion - einer aus dem All nämlich. Sicher scheint lediglich: Auch dann würden die behördlichen Mühlen sehr langsam mahlen. Das Szenario, das Regisseur Michael Madsen für seinen fiktionalen Dokumentarfilm "The Visit" entwirft, ist ein andernorts bereits oft durchgespieltes: Aliens kommen auf die Erde, die Menschen reagieren auf ihre Art und Weise.

Madsens Kamera nimmt aber dieses Mal den Blickwinkel der oder des Aliens ein, mit dem es die europäischen (Madsen ist Däne) Instanzen zu tun kriegen, die in einem solchen Fall eben wirklich etwas zu tun kriegten: Die Chefs des Büros für "Outer Space Affairs" der UNO zum Beispiel, ihre Presseattachés und Kommunikationsstrategen und auch sonstige Experten, irgendwann vor allem: Militärstrategen, denn: Von einer potenziellen Bedrohung muss offenbar immer ausgegangen werden, so postuliert es Madsens Film nicht nur belegt durch Aussagen diverser szenisch inszenierter "talking heads", sondern auch in seiner grundphilosophischen Annäherung an die menschliche Natur.

Vor allem aber - und nicht nur hier greift eine lakonische Komik im Film - müsste der Eintritt eines UFOs in die Erdatmosphäre überhaupt erst einmal verifiziert werden, damit bestimmte Protokolle in Kraft treten können. Aber wie? Und was dann? Tee anbieten? Alle jedenfalls haben Theorien, wie mit "dem Fremden" am besten umzugehen sei. Nur das Alien sagt nichts.

Madsen kreiert evokative Bilder und arrangiert sie im stellenweisen Wechsel zwischen Slow Motion und Zeitraffer in der Nähe eines experimentellen Kinos, das sich innerhalb und außerhalb des Dokumentarfilm-Genres Freiheiten nimmt. Mit teils stark abgewandelten Referenzen an Sci-Fi-Klassiker (etwa musikalisch "2001: A Space Odyssee" oder visuell "The Day the Earth Stood Still" und "Independence Day") verwebt Madsen so auch bereits konstruierte Narrative über noch nie Geschehenes zu einer "Echtzeit-Gegenwart", die diese nicht nur infrage stellt, sondern auch mit ihnen konkurriert.

The Visit - Eine außerirdische Begegnung (The Visit)

DK/A/IRL/N 2015. Regie: Michael Madsen. Neue Geyrhalter Film. 83 Min.

Ein Grenzzaun würde wenig helfen gegen eine echte Invasion - einer aus dem All nämlich. Sicher scheint lediglich: Auch dann würden die behördlichen Mühlen sehr langsam mahlen. Das Szenario, das Regisseur Michael Madsen für seinen fiktionalen Dokumentarfilm "The Visit" entwirft, ist ein andernorts bereits oft durchgespieltes: Aliens kommen auf die Erde, die Menschen reagieren auf ihre Art und Weise.

Madsens Kamera nimmt aber dieses Mal den Blickwinkel der oder des Aliens ein, mit dem es die europäischen (Madsen ist Däne) Instanzen zu tun kriegen, die in einem solchen Fall eben wirklich etwas zu tun kriegten: Die Chefs des Büros für "Outer Space Affairs" der UNO zum Beispiel, ihre Presseattachés und Kommunikationsstrategen und auch sonstige Experten, irgendwann vor allem: Militärstrategen, denn: Von einer potenziellen Bedrohung muss offenbar immer ausgegangen werden, so postuliert es Madsens Film nicht nur belegt durch Aussagen diverser szenisch inszenierter "talking heads", sondern auch in seiner grundphilosophischen Annäherung an die menschliche Natur.

Vor allem aber - und nicht nur hier greift eine lakonische Komik im Film - müsste der Eintritt eines UFOs in die Erdatmosphäre überhaupt erst einmal verifiziert werden, damit bestimmte Protokolle in Kraft treten können. Aber wie? Und was dann? Tee anbieten? Alle jedenfalls haben Theorien, wie mit "dem Fremden" am besten umzugehen sei. Nur das Alien sagt nichts.

Madsen kreiert evokative Bilder und arrangiert sie im stellenweisen Wechsel zwischen Slow Motion und Zeitraffer in der Nähe eines experimentellen Kinos, das sich innerhalb und außerhalb des Dokumentarfilm-Genres Freiheiten nimmt. Mit teils stark abgewandelten Referenzen an Sci-Fi-Klassiker (etwa musikalisch "2001: A Space Odyssee" oder visuell "The Day the Earth Stood Still" und "Independence Day") verwebt Madsen so auch bereits konstruierte Narrative über noch nie Geschehenes zu einer "Echtzeit-Gegenwart", die diese nicht nur infrage stellt, sondern auch mit ihnen konkurriert.

The Visit - Eine außerirdische Begegnung (The Visit)

DK/A/IRL/N 2015. Regie: Michael Madsen. Neue Geyrhalter Film. 83 Min.