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Wasserreichtum mit Fragezeichen

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Einmalig groß ist Österreichs Wasseraufgebot. Aber nicht alles davon ist unbelastet von Schadstoffen, wie der jüngste Gewässerschutzbericht zeigt.

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Einmalig groß ist Österreichs Wasseraufgebot. Aber nicht alles davon ist unbelastet von Schadstoffen, wie der jüngste Gewässerschutzbericht zeigt.

Das Überleben der Gesellschaft im nächsten Jahrhundert hängt entscheidend davon ab, welche Form der Agrarproduktion und Landbewirtschaftung sich weltweit durchsetzen werden. Die gewissenlosen Globalisierer und Kapitalmaximierer sind vorerst - in Seattle - gescheitert. Zum kostbarsten Gut für die Menschheit gehört das Wasser. Aber es ist knapp, und darauf weist die Internationale Landwirtschaftsorganisation FAO immer wieder hin. Allerdings ist Österreich als wasserreiche Region diesbezüglich ein Land der Seligen.

Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt bei uns nämlich im Mittel 1.170 Millimeter. Das nutzbare Wasserdargebot liegt bei 84 Milliarden Kubikmeter, ein Drittel davon ist Grundwasser. Entsprechend dem Wasserbedarf von durchschnittlich 2,6 Milliarden Kubikmeter wird das gesamte Wasserdargebot nur zu drei Prozent, die Grundwasservorkommen zu sechs Prozent für wirtschaftliche Zwecke genutzt. Österreich bezieht sein Trinkwasser zu 99 Prozent aus Grund- und Quellwasser, eine weltweit fast einmalige Konstellation.

Probleme gibt es in Ackerbaugebieten Der Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft wurde durch das Wasserrechtsgesetz beauftragt, dem Nationalrat über den Zustand der Gewässer zu berichten, und zwar in Abständen von nicht mehr als drei Jahren.

Vor kurzem erschien der "Gewässerschutzbericht" 1999. Er stellt der Land- und Forstwirtschaft insgesamt ein gutes Zeugnis aus. An der Gesamtfläche Österreichs hat die landwirtschaftliche Nutzfläche einen Anteil von 45 Prozent. Sie umfaßt damit 3,4 Millionen Hektar, was dokumentiert, wie groß die Verantwortung der Bauern für die Reinhaltung der Gewässer ist.

Im Grünland besteht kaum eine Gefahr der Grundwasserbelastung, Ackerstandorte stehen umweltpolitischhingegen oft in Diskussion. Durch die dünne Krumme und insbesondere durch leichte beziehungsweise sandige Böden kann überschüssiges Nitrat leicht in das Grundwasser gelangen, was zu Belastungen führt. Die österreichische Land- und Forstwirtschaft hat aber die große gesellschaftliche Verantwortung erkannt. Bauern akzeptieren deshalb massive Wirtschaftseinschränkungen, wenn sie am "Österreichischen Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft (ÖPUL)" teilnehmen.

Eine Auswertung der im Rahmen des Untersuchungsprogrammes des Landwirtschaftsministeriums "Erhebung der Wassergüte in Österreich" im Beobachtungszeitraum 1995 bis 1997 im Porengrundwasser auf 1800 Meßstellen durchgeführten Nitratmessungen zeigt, daß 69 Prozent Nitratgehalte unter 30 Milligramm je Liter aufweisen und damit als unbelastet oder gering belastet beurteilt werden können. 16 Prozent liegen aber über dem Trinkwassergrenzwert von 50 Milligramm je Liter.

Eine regionale Betrachtung läßt einen deutlichen Unterschied zwischen den westlichen, alpinen und den östlichen Bundesländern erkennen: So treten etwa in Vorarlberg und Tirol keine Werte über 50 auf, während im Burgenland 32 Prozent und in Wien 57 Prozent aller gemessenen Werte über diesem Grenzwert liegen.

Im Gegensatz dazu sind die untersuchten Karst- und Kluftgrundwasserleiter (Quellen) praktisch nicht nitratbelastet: Etwa 93 Prozent der Messungen lagen unter zehn und nur 0,3 Prozent über 50 Milligramm je Liter, heißt es im neuen "Gewässerschutzbericht".

Gemäß den Kriterien der Grundwasserschwellenwertverordnung (Meßstelle bereits gefährdet, wenn mehr als 25 Prozent der Werte den Schwellenwert von 45 Milligramm je Liter überschreiten; Grundwassergebiet gefährdet, wenn 25 Prozent der Meßstellen oder mehr im Gebiet gefährdet sind) müssen von den 150 ausgewerteten Grundwasserregionen 32 als nitratgefährdet bezeichnet werden. Bezogen auf die Fläche sind damit 48 Prozent der in die Auswertung einbezogenen Gesamtfläche (12.894 Quadratkilometer) umweltpolitisch problematisch.

Wasserschutz muß abgegolten werden Gemäß dem "Gewässerschutzbericht" des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft wird der Anteil der Landwirtschaft an der Stickstoffbelastung der heimischen Gewässer zwischen 39 und 46 Prozent der Gesamtbelastung abgeschätzt. Unter dem Herkunftssektor "Landwirtschaft" sind überwiegend Stickstoffverluste aus den Flächen zu verstehen, die aber nicht zur Gänze auf die landwirtschaftliche Produktion zurückzuführen sind. Der Schutz der Wasserressourcen in mengenmäßiger Hinsicht ist es bereits seit vielen Jahrzehnten zentrale Aufgabe des Hydrographischen Dienstes.

Österreichs Bauern sind sich ihrer Verantwortung für die Reinhaltung des "Lebenssaftes" Wasser bewußt, allerdings muß die Agrarpolitik in Zukunft dafür vorsorgen, daß Leistungen für die Umwelt dauerhaft abgegolten werden und die Finanzierung des ÖPULS 2000 ausreichend gesichert wird.

Der Autor ist Gruppenleiter im Landwirtschaftsministerium in Wien.

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