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„Werbung ohne Sexismus“

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will ein Verbot von sexistischer Werbung durchsetzen. Auch gegen die Einkommensschere zwischen Mann und Frau will sie vorgehen.

Entsetzt sei sie über das Werbevideo des Bundesheeres gewesen, sagt SP-Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, und sie fügt hinzu: „Ja leider, Sexismus ist salonfähig.“ Im Interview erklärt sie, was sie gegen Sexismus in der Werbung tun möchte und was sie am kommenden Frauentag Anfang März den Frauen vorlegen möchte.

Die Furche: Frau Ministerin, was war Ihre Reaktion auf das besagte Video des Bundesheeres?

Gabriele Heinisch-Hosek: Ich habe sofort mit Verteidigungsminister Norbert Darabos Kontakt aufgenommen. Ich konnte es nicht fassen und war ziemlich entsetzt. Die Kooperation hat sehr gut geklappt, binnen einer halben Stunde war das Video von der Homepage runtergenommen. Der Verteidigungsminister hat auch versichert, dass es Konsequenzen geben wird. Er hat das Video so wie ich als sexistisch, frauenfeindlich und primitiv bezeichnet. So was sollte nicht passieren. Die Tatsache, dass es passiert ist, ist Grund genug, die Debatte darüber weiterzuführen: Was ist sexistische und diskriminierende Werbung? Ich habe im Vorjahr begonnen, mich damit zu beschäftigen.

Die Furche: Ist Sexismus immer noch salonfähig und für viele ein Kavaliersdelikt?

Heinisch-Hosek: Ja leider, Sexismus ist salonfähig. Solange immer noch sexistische Witze über Frauen erzählt werden und Männer wie Frauen darüber lachen, solange muss ich annehmen, dass das Wissen, was Sexismus ist, nicht existiert. Daher ist es sehr wichtig, dass wir Frauen, Politikerinnen und Politiker, Vertreterinnen und Vertreter von Organisationen und Medien dagegen auftreten.

Die Furche: Warum hält sich Sexismus so hartnäckig?

Heinisch-Hosek: Weil sich Handlungen, wie sich über jemanden lustig zu machen oder anzüglich zu reden, fest in der Gesellschaft halten. Wir leben in einem patriarchalen System.

Die Furche: Was wollen Sie gegen Sexismus tun?

Heinisch-Hosek: Ich habe eine Wissenschaftlerin damit beauftragt, die gesetzliche Lage in den einzelnen Staaten Europas in Bezug auf geschlechterdiskriminierende Werbung und Sexismus in der Werbung anzuschauen. Die Ergebnisse liegen nun vor. Es soll nun eine internationale Fachtagung mit Vertreterinnen aus jenen Ländern folgen, wo es gesetzliche Regelungen bereits gibt. Das soll zu mehr Sensibilisierung zum Thema Sexismus führen. Und ich möchte eine Expertinnen-Plattform zum Thema Sexismus einrichten.

Die Furche: Können Sie sich also ein Verbot von sexistischer Werbung vorstellen?

Heinisch-Hosek: Ja, wir müssen eine gesetzliche Regelung finden. Es gibt Länder, in denen ein Verbot im Gleichbehandlungsgesetz geregelt ist. Das ist aber zurzeit bei uns nicht mehrheitsfähig. Die ÖVP ist dagegen. Daher schauen wir uns jetzt einmal an, wie es anderswo in Europa funktioniert. Dann möchte ich Expertinnen zur Diskussion einladen und einen unabhängigen Beirat, eine Plattform, einrichten, die auch eng mit dem Werberat zusammenarbeiten könnte. Der Werberat kann zwar sexistische Diskriminierung feststellen, aber er hat keine Möglichkeit zur Sanktionierung. In einer gesetzlichen Regelung müsste also festgehalten werden, dass sexistische Werbung verboten ist und dass es sanktioniert wird, wenn trotzdem damit geworben wird.

Die Furche: Was könnte ein Sexismus-Beirat leisten?

Heinisch-Hosek: Die genaue Zusammensetzung müsste man sich noch anschauen. Er würde aus Expertinnen bestehen, die Werbungen nach Kriterien beurteilen. Man muss noch überlegen, wie sie ihre Empfehlungen weitergeben. Man könnte etwa den Werberat mit dieser Expertinnen-Plattform verstärken und dort mehr Druck machen, dass sexistische Werbung in Österreich nicht erwünscht ist.

Die Furche: Kurz gesagt, Sie wollen eine sexismusfreie Werbung, aber wie ist das etwa mit Nacktfotos in der „Kronen Zeitung“?

Heinisch-Hosek: Sexismusfreie Werbung muss sich auf alle Bereiche beziehen, auch auf Printwerbung. Was Bilder betrifft, muss man das differenzieren, weil in einer prüden Gesellschaft wollen wir auch nicht leben. Ein blanker Busen ist noch kein Sexismus für mich. Aber wenn – wie in einer Fenster-Werbung – eine alte Frau beim Fenster hinausgeworfen wird und dafür junge, blonde, vollbusige Frauen kommen, dann ist das blanker Sexismus für mich.

Die Furche: Sie sagten, wir lebten in einem patriarchalen System – immer noch?

Heinisch-Hosek: Wenn wir uns Österreich anschauen, was Führungspositionen betrifft, da sind die Männer vorherrschend. Es gibt nicht einmal zehn Prozent Frauen in Führungspositionen. Ich kenne zwar solidarische Männer, das möchte ich explizit betonen. Aber die sind noch rar. Daher ist es so wichtig, dass sich etwas an der Situation in den Führungsetagen ändert. Denn dann ändert sich auch die Diskussionskultur in einem Unternehmen, es wird miteinander und nicht mehr übereinander geredet.

Die Furche: Die Diskussion über Quoten muss also wieder geführt werden …

Heinisch-Hosek: Absolut.

Die Furche: Der Internationale Frauentag am 8. März naht. Was werden Sie den Frauen vorlegen können, was Sie in diesem Jahr für sie erreicht haben?

Heinisch-Hosek: Ich werde den Frauen sagen, dass ich unzählige frauenrelevante Themen an- und aufgerissen habe. Das einkommensabhängige Kindergeld bietet Frauen mehr Wahlmöglichkeiten. Damit wird den Lebensentwürfen der Familien viel besser entsprochen. Und ich werde ihnen sagen, dass ich das Thema „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ sehr ernst genommen habe. Ich bin positiv gestimmt, dass wir es bis Jahresmitte schaffen werden, die Einkommenstransparenz im Gleichbehandlungsgesetz für die Privatwirtschaft zu etablieren. Das wird dann ein bahnbrechender Erfolg sein – da wird sich dann einiges verändern, auch im Bewusstsein, dass Frauen nicht weniger wert sind als Männer.

Die Furche: Wie wird das konkret ausschauen?

Heinisch-Hosek: Es soll das durchschnittliche Gehalt in den einzelnen Verwendungsgruppen eines Betriebes transparent gemacht werden. Das wird nur betriebsintern angeführt, nicht im Internet. Betriebsrätinnen und Betriebsräte sollen Einsicht bekommen. Dann soll es Stichproben geben. Wenn es in der Gleichbehandlungsbilanz grobe Unterschiede gibt, dann müsste schleunigst daran gearbeitet werden, das zu verändern.

Die Furche: Da zieht die ÖVP mit?

Heinisch-Hosek: Ja, da sind wir sehr weit. Das soll bis Mitte des Jahres stehen und im Gleichbehandlungsgesetz verankert werden. Dann werden wir es erproben und schauen, wie es funktioniert.

* Das Gespräch führte Regine Bogensberger

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