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Feuilleton

Wie, auch noch denken?

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Was haben die Absender vieler Einladungen, die einem auf den Tisch flattern, mit den Wiener Verkehrsbetrieben gemeinsam? Erraten, sie können sich nicht ausdrücken. Oder es ist ihnen egal. Dabei lieben wir sie so, unsere von der Kommunikation und für die Kommunikation lebende, pausenlos von der Kommunikation daherlabernde Kommunikationsgesellschaft. Bloß: Wenn man auf die Kommunikation angewiesen wäre, steht man an. Dieser Tage zum Beispiel, als in den Labyrinthen der Wiener U-Bahn Gasgeruch fest- und der Betrieb eingestellt wurde. Klar, es gab einen Schienenersatzverkehr. Doch auf dem Schwedenplatz hörte man bloß die berüchtigten Lautsprecher unartikuliert in den Verkehrslärm bellen, sah aber weit und breit keinen auskunftsbereiten U-Bahn-Menschen. Ab Praterstern, vermuteten Polizisten. Zu wissen, war nicht ihres Amtes.

Der Praterstern ist groß. Nach rechts? Nach links? "Ka Ahnung," sagte der Straßenbahnfahrer, "mir hat kana wos gsogt." Herden ratloser Fahrgäste umkreisten den Praterstern. Der Bus fuhr nicht dort ab, wo er bei der letzten U-Bahn-Störung abgefahren war, sondern bei den Praterstern-Antipoden. Damals hatte dem Fahrer des 21ers auch niemand etwas gesagt. Dafür kam der Bus voll an. Vielleicht vom Schwedenplatz?

Nun stehen die Wiener Verkehrsbetriebe ja traditionell mit der Sprache auf Kriegsfuß. "Sinngemäß vorwärtsstrebend" müsse man von A nach B fahren, stand jahrelang auf jedem Fahrschein. Aber auch mit schematischen Darstellungen tun sie sich schwer. Auf dem Streckenplan in jedem U-Bahn-Wagen fährt die U1 von Osten her im Bogen um die Stadt statt von Norden nach Süden. Da soll sich ein Fremder auskennen. Aber wer sich nicht mit Worten ausdrücken kann, kann's halt auch nicht mit Bildern.

Oder es ist ihm alles egal, so wie den Absendern der Einladungen, in denen ein Datum, aber kein Wochentag aufscheint. Als müsste jeder, der Montag meist Zeit hat, am Donnerstag aber einen wöchentlichen Termin, auswendig wissen, welcher Wochentag der 16. Juli sein wird und ob er die Einladung aufheben oder gleich in den Rundordner befördern soll.

Offenbar werden wir in dieser besten aller Welten fürs Kommunizieren bezahlt, aber nicht fürs Denken.

Was haben die Absender vieler Einladungen, die einem auf den Tisch flattern, mit den Wiener Verkehrsbetrieben gemeinsam? Erraten, sie können sich nicht ausdrücken. Oder es ist ihnen egal. Dabei lieben wir sie so, unsere von der Kommunikation und für die Kommunikation lebende, pausenlos von der Kommunikation daherlabernde Kommunikationsgesellschaft. Bloß: Wenn man auf die Kommunikation angewiesen wäre, steht man an. Dieser Tage zum Beispiel, als in den Labyrinthen der Wiener U-Bahn Gasgeruch fest- und der Betrieb eingestellt wurde. Klar, es gab einen Schienenersatzverkehr. Doch auf dem Schwedenplatz hörte man bloß die berüchtigten Lautsprecher unartikuliert in den Verkehrslärm bellen, sah aber weit und breit keinen auskunftsbereiten U-Bahn-Menschen. Ab Praterstern, vermuteten Polizisten. Zu wissen, war nicht ihres Amtes.

Der Praterstern ist groß. Nach rechts? Nach links? "Ka Ahnung," sagte der Straßenbahnfahrer, "mir hat kana wos gsogt." Herden ratloser Fahrgäste umkreisten den Praterstern. Der Bus fuhr nicht dort ab, wo er bei der letzten U-Bahn-Störung abgefahren war, sondern bei den Praterstern-Antipoden. Damals hatte dem Fahrer des 21ers auch niemand etwas gesagt. Dafür kam der Bus voll an. Vielleicht vom Schwedenplatz?

Nun stehen die Wiener Verkehrsbetriebe ja traditionell mit der Sprache auf Kriegsfuß. "Sinngemäß vorwärtsstrebend" müsse man von A nach B fahren, stand jahrelang auf jedem Fahrschein. Aber auch mit schematischen Darstellungen tun sie sich schwer. Auf dem Streckenplan in jedem U-Bahn-Wagen fährt die U1 von Osten her im Bogen um die Stadt statt von Norden nach Süden. Da soll sich ein Fremder auskennen. Aber wer sich nicht mit Worten ausdrücken kann, kann's halt auch nicht mit Bildern.

Oder es ist ihm alles egal, so wie den Absendern der Einladungen, in denen ein Datum, aber kein Wochentag aufscheint. Als müsste jeder, der Montag meist Zeit hat, am Donnerstag aber einen wöchentlichen Termin, auswendig wissen, welcher Wochentag der 16. Juli sein wird und ob er die Einladung aufheben oder gleich in den Rundordner befördern soll.

Offenbar werden wir in dieser besten aller Welten fürs Kommunizieren bezahlt, aber nicht fürs Denken.