Willkommen in Österreich?

Er ist ein wilder Wanderer, der es gewohnt ist, weite Strecken zurückzulegen. Aus den Karpaten, aus Deutschland und Polen, Slowenien und Kroatien kommt er auch nach Österreich, und wenn er auf der Durchreise eine Dame seines Herzens findet, kann es schon passieren, dass er beschließt, sich sesshaft zu machen und eine Familie zu gründen. Schließlich ist es ein schönes Land mit reichlichen Rotwildbeständen, der Hauptmahlzeit des Wolfes. Dass das sagenumwobene Tier nach Österreich zurückkommt, daran wird man sich wohl gewöhnen müssen, so der Wolfsforscher Kurt Kotrschal auf Ö1: "Die Alpen wirklich wolffrei zu halten, ginge nur mit Brachialgewalt." Auf unserem Staatsgebiet leben laut aktueller Meldung rund 15 bis 20 Wölfe. Genauer lässt sich das nicht sagen, denn die Ahnherren der Hunde sind nun einmal Vagabunden, die sich nicht um Staatsgrenzen scheren. Nachdem der Wolf in heimischen Gefilden seit 1882 als "ausgestorben" galt, wurde 2016 in Allentsteig erstmals wieder wölfischer Nachwuchs gesichtet. Wie aber wird die Bevölkerung auf diesen Einwanderer reagieren, der in Mythen und Legenden eine oft dunkle Rolle spielt? In einer aktuellen market-Umfrage haben sich rund 70 Prozent der Befragten positiv für den Wolf ausgesprochen. Landwirte und Jäger tendieren traditionell zu größerer Skepsis. Laut WWF wurden von den 200.000 Schafen, die sich im Sommer auf den heimischen Almen befanden, 17 Tiere von Wölfen gerissen. In der Jagd freilich könnte man Wölfe auch als Assistenten sehen, die zu gesunden Wildbeständen beitragen.

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