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„Wir wollen das System nicht stürzen“

Vor gut zwanzig Jahren konvertierte Henny Kreeft zum Islam, hießt seither auch Abdelkarim und ist heute der Vorsitzenden der Mulimen-Partei.

Die Furche: Warum gibt es die Nederlandse Moslim Partij (NMP)?

Henny Kreeft: Wir wollen die Interessen der niederländischen Muslime vertreten. Man redet hier oft über, aber nur selten mit Muslimen. Die Partei wurde gegründet, um dem schlechten Image des Islams und seiner Anhänger entgegenzuwirken. Wir wollen damit die Kluft zwischen Muslimen und Nicht- Muslimen überwinden.

Die Furche: Welche islamischen Prinzipien liegen der NMP zugrunde?

Kreeft: Gerechtigkeit, Solidarität mit den Armen und Schwachen, Barmherzigkeit, anständiger Umgang miteinander, Respekt vor dem Wert des Menschen, Verantwortung gegenüber der Natur und Friedfertigkeit.

Die Furche: Das Parteiprogramm sieht auch vor, die „gesellschaftliche Position der islamischen Gemeinschaft in den Niederlanden“ zu verbessern. Kritiker sehen in solchen Worten einen Dominanzanspruch.

Kreeft: Wir respektieren alle anderen Religionen. Die Religionsfreiheit in den Niederlanden ist für uns sehr wichtig. Daran darf nicht gerüttelt werden. Religion ist ein Vertrag zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer. Daran kann und daran darf kein anderer Mensch etwas verändern. Wir wollen weder heute noch in der Zukunft die Demokratie umstürzen um eine andere Art von Regierung zu installieren. Wir respektieren das System der Niederlande. Das beinhaltet auch die Trennung von Kirche und Staat.

Die Furche: Steht eine Partei für Muslime dieser Trennung nicht entgegen?

Kreeft: Hm. Natürlich muss man seinen Glauben in der Politik nicht vollkommen vergessen. Die christlichen Parteien (der christdemokratische CDA sowie die fundamentalistische ChristenUnie, die zusammen mit den Sozialdemokraten die aktuelle Regierung bilden, Anm.) tun das ja auch nicht. Sie haben einen christlichen Ansatz, und wir eben einen muslimischen. Im Übrigen erinnere ich mich, dass Gemeinderatssitzungen in den 1980er-Jahren noch mit einem Gebet begannen.

Die Furche: Bei der christlichen Splitterpartei SGP dürfen Frauen nicht kandidieren. Wie sieht das bei der NMP aus?

Kreeft: Bei uns haben Frauen die gleichen Rechte wie Männer und können jede Funktion übernehmen. Manche Einwanderer der ersten Generation mögen das anders sehen. Doch wir wollen Frauen auf den Wahllisten.

Die Furche: Wie sind denn die Zukunftsaussichten ihrer Partei? Unlängst sorgten Sie für Schlagzeilen, als Sie für die Parlamentswahlen 2011 den Einzug in die Zweite Kammer zum Ziel ausriefen.

Kreeft: Dazu brauchen wir Anfang März zunächst mal ein erfolgreiches Abschneiden auf Kommunalebene. Und danach junge Gesichter, enthusiastische Menschen, die für uns kandidieren. Uns geht es aber nicht um möglichst schnellen und kurzfristigen Erfolg.

* Das Gespräch führte Tobias Müller

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