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Gute Zwischenbilanz, begleitet von Konfrontation

Hochschulmilliarde gesichert, Hochschulplan auf Schiene - Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle zieht zufrieden Bilanz. Die Hochschülerschaft hingegen bleibt ein politischer Gegner.

Ein Philologe als Wissenschaftsminister: Karlheinz Töchterle gehörte zu den überraschenden Persönlichkeiten, als die ÖVP vor einem Jahr ihr Regierungsteam umbildete. Ein Anlass, um im FURCHE-Interview das Jahr zu bilanzieren.

Die Furche: Sie sind für Studienbeiträge, doch die Hochschülerschaft (ÖH) will dagegen klagen. Wie geht es Ihnen in der Kommunikation mit der ÖH?

Karlheinz Töchterle: Mittelmäßig. Wenn wir einander treffen und konkrete Anliegen diskutieren, läuft die Kommunikation gut. Aber wenn ich dann lese, was die Hochschülerschaft über meine Bemühungen befindet, denke ich mir, hier sprechen andere Menschen. Ich habe mir abgewöhnt, mich zu ärgern. Aber ich verstehe nicht, was hier manchmal vorgeht. Ich bemühe mich, gegenüber der Hochschülerschaft konsistent zu sein. Von mir wird man am Tisch das Gleiche hören wie in der Zeitung lesen. Aber bei der Hochschülerschaft ist oft das Gegenteil der Fall. Gelegentlich ist deren Wortwahl von besonderer Schärfe, auch von einer Missachtung meiner Person gekennzeichnet.

Die Furche: Es gibt zahlreiche Missverständnisse entlang klassischer Reizthemen, etwa dem offenen Hochschulzugang, den Studienbeiträgen ...

Töchterle: ... nahezu in allem kommt es zu Missverständnissen. Ich habe den Eindruck, die ÖH beschäftigt sich zu oft mit dem Jammern. Nehmen Sie als Beispiel die jetzt aktuell veröffentlichte Umfrage zur Zufriedenheit der Studierenden mit der Lehre. Die Kritik wird in den Mittelpunkt gestellt, obwohl rund 90 Prozent der Studierenden laut dieser Umfrage mit den fachlichen Kompetenzen der Lehrenden zufrieden sind. Das ist ein sensationeller Wert. Denn das Wichtigste ist, dass die Persönlichkeiten an den Universitäten etwas von ihrem Fach verstehen ...

Die Furche: ... aber hier müssten Sie doch mit der ÖH übereinstimmen, denn Sie sagten schon in einem Interview, die Qualität der Lehre gehöre verbessert.

Töchterle: Die ist immer zu verbessern, ganz klar. Aber das allerwichtigste für Lehrende an den Universitäten ist die Fachkompetenz. Ich bin Fachdidaktiker, ich habe meine Dissertation dazu geschrieben. Ich war in der Lehrerfortbildung tätig, war bei Konferenzen, auch auf internationaler Ebene. Daher kann ich sagen: An der Universität ist die Fachdidaktik weniger wichtig als an der Schule. An der Universität wird ein Fach studiert, und zwar entlang der Gesetze dieses Faches. Wer ein Fach studiert hat, muss es beherrschen. An der Schule geht es um Bildung und Allgemeinbildung. Die Fachdidaktik an den Schulen muss stärker auf die Bildungsinhalte eines Faches gehen, also etwa die zentralen Autoren auswählen und vermitteln. Die Umfrage der ÖH muss man vor dem Hintergrund dieses wesentlichen Unterschiedes sehen.

Die Furche: Kritik gilt auch der Studieneingangs- und -orientierungsphase. Wer sie nicht besteht, ist an der jeweiligen Universität für das angestrebte Fach lebenslang gesperrt. Sie haben die Diskussion darüber eröffnet. Was kann sich ändern?

Töchterle: Änderungen ergeben sich nahezu von alleine, denn Teile dieser sehr scharfen gesetzlichen Regelung laufen 2014 aus. Der Vorgang ist äußerst entlarvend. Denn das Auslaufen dieser Regelung ergibt sich, wie in den Erläuterungen zu den parlamentarischen Beratungen nachzulesen ist, aus dem Umstand, dass für 2014 eine Studienplatzfinanzierung und damit eine Zugangsregelung erwartet wurde. Die gegenwärtige Studieneingangsphase war ein Kompromiss der Koalitionsparteien, weil sich die SPÖ den Zugangsregelungen in den Massenfächern verweigerte. Also wurden sie in verdeckter Form eingeführt.

Die Furche: Mit unerwünschten Nebenwirkungen, oder?

Töchterle: Die Studieneingangsphase wird zum Teil missbraucht, um Studierende hinauszuprüfen. Das ist kein Vorwurf an die Universitäten sondern an die Strukturen. So wurde das Gesetz gebastelt. Ich habe eine Distanz zu dieser Studieneingangsphase, da sie nicht ehrlich ist. Wir müssen dort ansetzen, wo anzusetzen ist, also beim geregelten Zugang in den Massenfächern. Und aus der Studieneingangs- und Orientierungsphase eine echte machen, welche diese Bezeichnung verdient. In welcher die jungen Leute mit einem Fach vertraut gemacht, nicht hinausgeprüft werden sollen, um dann gesperrt zu sein (FURCHE Nr. 5/2012). Meine Vorgängerin, Beatrix Karl, wollte eine Zugangsregelung, die SPÖ wollte sie nicht. Also hat man sich auf Kompromisse geeinigt: eben diese Studieneingangs- und Orientierungsphase, die Voranmeldung, die wir jetzt wieder gestrichen haben, und die Studienberatung, die ich übrigens für eine sinnvolle Regelung halte. Sie wird allerdings erst dann verpflichtend, wenn die Strukturen dafür stehen, die wir gerade aufbauen.

Die Furche: In der Frage der Studienbeiträge scheint sich ebenfalls wenig zu bewegen?

Töchterle: Da bewegt sich derzeit nichts. Aber von der geltenden gesetzlichen Lage bin ich überzeugt, dass sie das Einheben von Studienbeträgen erlaubt. Der diesbezügliche Paragraph 91 im Universitätsgesetz beginnt mit dem Satz: "Der Studienbeitrag ist für jedes Semester im Voraus zu entrichten.“

Die Furche: Die ÖH will klagen, sobald eine Universität Studienbeiträge einhebt. Das wollen ab Herbst bereits fünf Unis! Wird das dann ausjudiziert?

Töchterle: So ist es. Ich habe eine bessere, neue Regelung vorgeschlagen, aber darüber will die SPÖ nicht verhandeln.

Die Furche: Wie fällt denn für Sie die Bilanz über das erste Amtsjahr aus?

Töchterle: Die Bilanz sieht aus meiner Sicht gut aus. Wir konnten trotz strengsten Sparkurses unseren Bereich davon ausnehmen und für die nächsten drei Jahre die Hochschulmilliarde sichern. Es könnte immer noch mehr Geld zur Verfügung stehen, aber das ist jedenfalls ein Erfolg. Die Beratungen über den Hochschulplan sind im Gange, die Gespräche mit der SPÖ über die Studienplatzfinanzierung ebenfalls, der Bauleitplan für die Universitäten ist schon recht weit. Die Qualitätssicherung wurde vereinfacht. Also man kann nie ganz zufrieden sein, aber mit dieser Zwischenbilanz schon, wie ich meine.

Steop

Die Verschärfung der Prüfungsregelung in der Studieneingangs- und orientierungsphase (Steop) läuft 2014 aus. Bis dahin wird, wer diese Prüfung nicht besteht, an der jeweiligen Universität für das angestrebte Fach gesperrt.

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