6570306-1950_16_16.jpg
Digital In Arbeit

Notizen

Am Gründonnerstag starb in Wien im 55. Lebensjahr U n i v.- P r o f. P. Dr. Franz Mitzka. Sein Tod an diesem Tag, der dem Gedenken an die Stiftung der Kirche gewidmet ist, darf als Schlußstein und Symbol über dem Lebensweg dieses Mannes stehen, der sich in eiserner Konsequenz unerbittlich und kompromißlos kämpfend gegen Krankheit und Schwäche seiner physischen Natur, zu einem Kämpfer der Kirche erzog, wie Österreich ihrer nicht viele hat. Sein Signum war die Verteidigung der sana doctrina, der Gesundheit der reinen Lehre: die Orthodoxität als der Weg der rechten Mitte, der Wahrheit des rechten Maßes. In diesem Sinn darf Professor Mitzka als ein großer Schüler des Vaters der katholischen Dogmatik Thomas von Aguino gesehen werden. Seine dreifache Tätigkeit als Lehrer der Dogmatik an den Universitäten Innsbruck und Wien, als Studentenseelsorger und Erzieher einer ganzen Generation von Akademikerinnen und nicht zuletzt als Prediger und Vortragsredner stand ganz unter diesem Zeichen. Wo immer man hierzulande einen Meister theologisch fundierter Unterscheidung der Geister und des Geistigen suchte, da rief man nach Prof. Mitzka. Und er kam und half, wann immer er nur konnte. Unvergeßlich sein Wirken bei den Salzburger Hochschulwochen, bei den Kremsmünsterer Studientagungen der Katholischen Hochschuljugend und sein Wort in zahlreichen Aufsätzen — richtungweisend, rektifizierend in allen Grenzfragen, die die Beziehungen zwischen Kirche und Welt, Gott und Menschheit berühren. In der Klarheit und Reinheit, im logischen Aufbau seiner Reden und Schriften hatte er in Österreich nicht viele seinesgleichen. Sein Tod bedeutet einen schweren Verlust für die österreichische Kirche, besonders für ihre Akademikerschaft. Die „österreichische Furche“ verliert in Prof. Mitzka einen unersetzlichen Mitarbeiter. Sein nüchtern-klares Wort der Unterscheidung ist nicht wegzudenken aus vielen. Streitgesprächen, an denen er mit der Lauterkeit seines Wesens und der Unbeirrbarkeit seines Urteils teilnahm.

Die im Vorjahr von der österreichischen Kulturvereinigung veranstalteten Kultur-tage christlichen Geistes werden zu einer alljährlich wiederkehrenden Einrichtung ausgebaut. Heuer wird in ihrem Rahmen ein reichhaltiges Programm entwickelt. In ihrer Mitte steht die am 22. April im Kunstgewerbemuseum beginnende Ausstellung .Große Kunst aus österreichischen Klöstern“, die aus den Schätzen von mehr als 20 Klöstern bestritten und im übrigen durch die wichtigsten Galerien und Museen Österreichs ergänzt wird. Es wird diesmal allein die Gotik zur Geltung kommen, während eine Barockausstellung für das nächste Jahr geplant ist. Die musikalischen Darbietungen wollen in mehreren Konzerten die religiöse Musik von Palestrina bis zur Gegenwart vermitteln. Von den Vorträgen stehen der Zyklus „Die Welt in der Krise“ von DDr. Diego Goetz sowie der Abschlußvortrag „Das Revolutionäre im Christentum“ von Prof. Otto Mauer obenan.

Das genaue Programm findet sich unter der Rubrik „Aus kulturellen Veranstaltungen“.

Das österreichische Staatsarchiv wendet sich an alle Kreise der Bevölkerung mit der Bitte, sie mögen zur Erhaltung und Bewährung der vielfach bedrohten geschichtlichen Uberlieferung private Aufzeichnungen, Briefe, Tagebücher, Erinnerungen, Schilderungen von Stimmungen, Eindrücken und Zuständen, schriftliche Nachlässe von Verstorbenen usw. dem österreichischen Staatsarchiv oder einem der Landesarchive zur Aufbewahrung übergeben. Personen, die eindrucksvolle und wichtige Ereignisse und Entwicklungen miterlebt haben, insbesondere aber Persönlichkeiten, die entweder handelnd oder als Zeugen an entscheidenden Stellen gestanden sind, mögen Erinnerungen und Aufzeichnungen verfassen und sie in Archiven deponieren. Das österreichische Staatsarchiv in Wien, I., Minoritenplatz 1 (Telephon U 24 5 20, Klappe 276), wie auch alle anderen staatlichen und öffentlichen Archive sind gerne bereit, alle gewünschten Auskünfte zu erteilen.

Wie ein Sprecher der Bonner Regierung mitteilt, leben über 1,500.000 Deutsche unter angenommenen Namen oder ohne irgendwelche Personalausweise in den westlichen Zonen Deutschlands; die Mehrzahl von ihnen lebt in den Großstädten, besonders in Hamburg und im Ruhrgebiet. Die meisten stammen aus der Sowjetzone und haben sich in Westdeutschland ohne Erlaubnis als „politische Flüchtlinge“ niedergelassen. Eine Minderheit dieser Menschen bilden frühere Nationalsozialisten, die sich seit Kriegsende unter angenommenen Namen verbergen.

Wie in München bekanntgegeben wurde, befinden sich unter den 3,7 Millionen in Westdeutschland lebenden Kriegsopfern 1,6 Millionen Kriegsinvalide, 660.000 Kriegerwitwen und 1,280.000 Kriegswaisen.

Nach der neuesten Statistik des Bonifazius-vereins für das katholische Deutschland ist die Zahl der Notgottesdienststellen in der Diaspora auf 6234 angewachsen. An diesen Orten muß der Gottesdienst in den Kirchen anderer Bekenntnisse oder in Turnhallen, Gasthaussälen, Kinoräumen, Baracken und Privatwohnungen abgehalten werden. 252 Seelsorgestellen im Diasporaraum müssen infolge Priestermangel unbesetzt bleiben.

Dem Bischof Dr. S k o u p y von Brünn wurde amtlich das Verbot mitgeteilt, in der Karwoche und an den Ostertagen seine Kathedrale zu besuchen, dort das Meßopfer darzubringen und eine Predigt zu halten. Diese priesterlichen Funktionen und auch die Fußwaschung 6eien dem Bischof nur in seiner Privatkapelle gestattet. Die Bevölkerung hat ihren Unwillen über diese Verfügung öffentlich Ausdruck gegeben. Wie es heißt, ist dieselbe Anordnung an alle katholischen Bischöfe der Tschechoslowakei ergangen.

Die Aktionen des Moskauer Patriarchats zur Gewinnung auch der zerstreuten und durch die „neue Emigration“ nach 1945 stark vermehrten russischen Auslandskirchen haben nach einem Bericht des „Uberblicks“ bis heute zu folgender Lage geführt: Die Gebiete der drei alten Kirchenzentren Moskau, Karlowitz (jetzt München) und Paris haben sich immer mehr verzahnt. Die Moskauer Jurisdiktion gewann Boden in einem Teil der Pariser Emigration, in Teilen der deutschen Ostzone und in Wien. Die ehemalige Karlowitzer Synode fand in der sogenannten „orthodoxen Süd-West-Kirche“ eine gewisse Erneuerung. An ihrer Spitze steht Metropolit Anastasius. Bekannt sind außerdem Metropolit Seraphim in München, dem etwa 200 orthodoxe Priester in Westdeutschland unterstehen, und Erzbischof Stefan in Salzburg mit etwa 100 Priestern in Österreich.

Die bisherige Pariser Jurisdiktion nennt sich jetzt „Russische Kirche von Westeuropa“ und wird'von dem Metropoliten Vladimir in Paris geleitet. Ihm unterstehen noch die Bischöfe Kaszjan und Nikon mit etwa 50 bis 60 Priestern und Gemeinden in Frankreich, Belgien, Holland, Dänemark, Schweden, der Schweiz und Französiseh-Nordafrika. Sowohl die „Süd-West-Kirche“ wie die „Kirche von Westeuropa stehen in einem entschiedenen Gegensatz zu Moskau. Zwischen den drei Emigrantengruppen stehen weiter drei Splitterkirchen: eine russische Diaspora in Frankreich mit dem Metropoliten Atanasios (Paris) und dem Bischof Nathanael von Lyon, ferner die Emigrantenkirche in England mit dem Erzbischof Sava an der Spitze, die sich direkt Konstantinopel unterstellt hat, und die russischen Auslandsgemeinden in den USA, die bisher selbständig geblieben sind. Die Übersicht zeigt, daß es der Kirchenpolitik des Moskauer Patriarchats kaum gelungen ist, außerhalb des sowjetischen Einflußbereiches Boden zu gewinnen.

Um das Andenken Georges Bernanos' zu ehren, ist jetzt in Paris eine Gedächtnisausstellung eröffnet worden, die einen tiefen Einblick in das Leben des großen katholischen Schriftstellers vermittelt.

Die drei französischen Forscher Gheerbrant, Guesseau und Ficher, die zusammen mit dem Kolumbier Luis Saenz im September 1948 zu einer wissenschaftlichen Mission ins Gebiet des Amazonas aufbrachen, haben die Hälfte der projektierten Route bereits hinter sich und befinden sich zur Zeit im Quellgebiet des Rio Ventuari in Venezuela. Sie haben bisher zahlreiche ethnographische Funde gesammelt, etwa 100 Schallplatten mit religiöser und profaner Musik aufgenommen, über 1000 Photographien gemacht und 8000 m Film gedreht.

Im Gegensatz zu der Entwicklung nach dem ersten Weltkrieg zeigt sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten ein steigendes Interesse für die Erlernung der deutschen Sprache. 1932/33 studierten an den 130 wichtigsten Colleges und Universitäten rund 48.000 Schüler die deutsche Sprache, während es 1947 etwa 69.000 waren, über den heutigen Stand liegen abschließende Zahlen noch nicht vor.

„Publishers' Weekly“, das amerikanische Buchhändlerblatt, gibt eine Zusammenstellung der zehn Romane, welche die Best-sellers des vergangenen Jahres waren. Sechs der zehn Bücher sind historische Romane, zwei davon haben biblische Themen zum Inhalt. An der Spitze der Erfolgsskala steht „The Egyptian“ von Mika Waltari, ein Roman, der zuerst in finnischer Sprache erschienen war und ein Thema aus dem alten Ägypten behandelt. An zweiter und dritter Stelle der Liste stehen die beiden Bücher, die ihren Stoff aus der biblischen Geschichte genommen haben. „The Big Fisherman“, ein Petrusroman von Lloyd C. Douglas, und „Mary“ von Schalom Asch.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau