7119156-1996_27_14.jpg
Digital In Arbeit

Olympia-Reliquien

Ein Rad, das jenem des österreichischen Olympiasiegers von 1896, Adolf Schmal, ähnelt, Speer und Sportschuhe von Herma Bauma, die 1948 in London die Goldmedaille gewann, eine Judojacke von Peter Seisenbacher, dem Champion von 1984 und1988, das sind einige Prunkstücke der Ausstellung „100 Jahre Olympische Spiele 1896-1996” in Wien-Hietzing.

Das dort seit 1989 untergebrachte „Österreichische Olympia- und Sportmuseum”, 1976 gegründet und zunächst im „Schlößchen an der Weide” in Maria Enzersdorf beheimatet, informiert in drei Räumen mit großen Schautafeln und weiterem Anschauungsmaterial (Geräte, Ausrüstung, Medaillen, Wimpel, Programme, Bücher, Bilder) über die Geschichte der Olympischen Spiele, vor allem über österreichische Erfolge.

Für Kustos Hans Merinsky soll der Schwerpunkt „wie in anderen westeuropäischen Ländern auf Sportgeschichte liegen, nicht wie in Amerika oder in Osteuropa auf Heldenverehrung”. Aber daß Sport zur Kulturgeschichte gehört und immer auch mit Politik verbunden war, steht für ihn fest. Und auch der Zusammenhang von Sport und Wirtschaft wird im Museum bereits mit einem Text aus 1896 dokumentiert, wo die Erzeugerfirma nachdrücklich darauf hinweist, daß Adolf Schmal mit ihrem Fahrrad den Olympiasieg errungen hat. ski

Olympia- und Sportmuseum,

11)0 Wien, Eduard-Klem-Gasse 2. Mittwoch bis Samstag, 10 bis 16 i hr. Olympia-Ausstellung bis 10. 8. 1996. nimmt, dann muß er geistig minderbemittelt sein.”

Das mit Doping verbundene Risiko erläutert Hans Holdhaus am Beispiel Strychnin: „Jeder weiß, daß Strychnin ein Gift ist, aber ein bißchen Strychnin ist leistungssteigernd, ein bißchen zuviel, bedeutet Tod. Das widerlegt sehr gut die Leute, die sagen, wozu die Kontrollen, wozu der Aufwand, geben wir Doping frei, aber unter Anleitung eines Arztes. Wie soll der Arzt wissen, welche Dosis tödlich ist? Man wird immer versuchen, an die Grenze zu gehen. Wenn ein bißchen Strychnin positiv wirkt, greift man zur nächsthöheren Dosis, die wirkt noch immer positiv, und dann probiert man noch ein bißchen mehr und kommt erst drauf, wenn es zu spät ist. Da hilft ihm der beste Arzt nichts, dann ist er tot.”

Holdhaus weiß, daß es schon „jede Menge an Dopingtoten” gibt, vor allem im Bodybuilding, aber auch in olympischen Sportarten. Er warnt aber davor, jeden Spitzenathleten des Dopings zu verdächtigen, denn es gebe zweifellos auch - genetisch bedingt - Ausnahmeerscheinungen. Zu ihnen zählt er den russischen Stabhochspringer Sergej Bubka: „Er wurde unzählige Male, von mir persönlich etwa zehnmal, kontrolliert. Jetzt zu sagen, der nimmt halt etwas, was noch niemand kennt oder nachweisen kann, halte ich für ein dummes Argument. Auch die Länge seiner Karriere ist ein Indiz: Wenn jemand so lange an der Spitze steht, kann er nicht von Doping leben, weil Doping auch ein Raubbau ist. Man kommt zwar schnell hinauf, aber meist ist man genauso schnell wieder weg.”

Was Österreichs Medaillenchancen in Atlanta betrifft, so ist Hans Holdhaus relativ optimistisch: „Ich sehe reelle Chancen in den Sportarten Rudern und Segeln, bei den Schützen - Wolfram Waibel ist ein hervorragender Schütze, absolute Weltspitze —, die Reiter um Hugo Simon sind immer gut für eine Medaille, Judo sollte man nicht unterschätzen, vor allem nicht Patrick Reiter. Ich wäre enttäuscht, wenn wir mit weniger als drei Medaillen nachhause kommen, würde mich aber nicht wundern, wenn es mehr sind.”

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau