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Zeitgeschichte

Uni-Architekten beklagen den Pfusch

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die Autonomie der Universitäten feiert zum zehnten Jahrestag ihren Erfolg. Der Mangel an Zulassungsregeln und Studiengebühren trübt die Bilanz.

Sie sind stolz auf ihren Plan aber nur mäßig zufrieden damit, wie er umgesetzt wurde: Die Architekten des Universitätsgesetzes (UG), das vor zehn Jahren in Kraft trat und den Universitäten die längst fällige Autonomie zu geben. Worin die Unvollständigkeit in der Planung und die Mängel in der Durchführung bestehen, bilanzierten diese Woche Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, Dekan und Rechtswissenschafter Heinz Mayer und der frühere, ebenfalls an den Verhandlungen zum UG beteiligte Sektionschef Sigurd Höllinger.

Unterlassungen scheinen sich auch auf dem Gebiet der Universitätsreform zu rächen. Um bei dem großen Vorhaben, den Universitäten trotz mancher Widerstände deutlich mehr an Eigenständigkeit zu geben, nicht zu scheitern, wurden zwei Felder nicht geregelt: Studienrecht und Studienzulassung. Ein Fehler, wie die Architekten rückblickend erkennen ließen.

Viele Rechte, wenig Pflichten

Eine Änderung des Studienrechtes sei vor zehn Jahren von der damaligen Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer unterlassen worden, um die ihrer Partei, der ÖVP, nahestehenden Studentenvertreter der Aktionsgemeinschaft "ruhigzustellen“, wie Heinz Mayer meinte. Die Folge: "Die Studenten haben viele Rechte, aber wenig an Verpflichtungen.“ Das Regelwerk sei "leistungsfeindlich und unverbindlich“. Ein "großer Teil“ der Studierenden sei bei einem gleichzeitig erheblichen Anteil an außerordentlich Begabten, "nicht studierfähig“. Und das führt in das Zentrum der Mängel: Es fehle an Zulassungsregeln und an - sozial vertäglicher - Beteiligung der Studierenden an der Finanzierung von Studienplätzen.

Die Universitäten müssten auch in Österreich, wie international üblich, entweder ihre Studierenden aussuchen oder von diesen Beiträge einheben dürfen. Keines dieser Mittel zur Verfügung zu haben, löse überall, wo Politik und Wissenschaft internationale Kontakte pflegten, Kopfschütteln aus, berichteten Töchterle und Mayer. Erst diese Mittel würden die - international inzwischen wegen ihres Erfolges übliche - Autonomie der Universitäten vollständig werden lassen. "Keine Studiengebühren und keine Zugangsregeln geht nicht. Zumindest eines müsste man verändern“, meint Georg Winckler, der als Rektor das UG mitverhandelte hatte. Töchterle zu dessen Aussage: "Dem ist überhaupt nichts hinzuzufügen.“ Doch eine Aussicht darauf scheint hingegen nicht zu bestehen: Wissenschaftsminister Töchterle und die ÖVP sind für, Koalitionspartner SPÖ gegen Studiengebühren. Obwohl, so Töchterle, durch alle Pro-Argumente von ihm präsentiert, die Gegenargumente entkräftet worden seien. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese politische Blockade in der Koalition zugunsten der Einführung von Studiengebühren löst, schätzen die Architekten der Universitäts-Autonomie offenbar als gering ein. Was dafür nötig sei? Ein bisschen Einsicht, sagt Sigurd Höllinger. Genau, meint Georg Winckler, an den Verhandlungen zum UG beteiligter Rektor, aber: "Die gibt es leider nicht.“ Ganz im Gegenteil, so Mayer: "Die Positionen sind völlig irrational.“ Bezüglich des mancherorts angedachten Abtausches innerhalb der Koalition von Studiengebühren gegen Gesamtschule bleibt Töchterle auf seiner Linie: "Diesen Abtausch will ich keinesfalls.“

Wenn schon befürchtet werde, dass im Bildungssystem "soziale Selektvität“ stecke, dann müsse gegen diese doch nicht am Ende des Bildungsweges, an den Universitäten, sondern am Beginn, an den Volksschulen bekämpfen, ergänzte Jürgen Langer, Bildungsexperte am Institut für Wirtschaftsforschung.

Das Bolognazeitalter hat begonnen

Mit der Autonomie hätten sich Österreichs Universitäten jedenralls hinsichtlich ihrer Struktur zu einem gerne übernommenen internationalen Vorbild gemacht und zudem ihre Leistungsfähigkeit und Erfolge erheblich gesteigert. Die Anzahl der Erstzugelassenen sei in der Dekade seit dem UG 2002 um nahezu die Hälfte angestiegen, die Anzahl der Studienabschlüsse je Studienjahr habe sich nahezu verdoppelt. Die gegenwärtige durchschnittliche Studiendauer betrage 10,7 Semester. Damit sei sie im Vergleich zum Studienjahr 2002/03 um knapp drei Semester zurückgegangen.

Die Universitäten haben inzwischen das dreigliedrige System, die Bologna-Studienarchitektur umgesetzt: 84 Prozent des Studienangebotes entfallen darauf.

Die Autonomie der Universitäten feiert zum zehnten Jahrestag ihren Erfolg. Der Mangel an Zulassungsregeln und Studiengebühren trübt die Bilanz.

Sie sind stolz auf ihren Plan aber nur mäßig zufrieden damit, wie er umgesetzt wurde: Die Architekten des Universitätsgesetzes (UG), das vor zehn Jahren in Kraft trat und den Universitäten die längst fällige Autonomie zu geben. Worin die Unvollständigkeit in der Planung und die Mängel in der Durchführung bestehen, bilanzierten diese Woche Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle, Dekan und Rechtswissenschafter Heinz Mayer und der frühere, ebenfalls an den Verhandlungen zum UG beteiligte Sektionschef Sigurd Höllinger.

Unterlassungen scheinen sich auch auf dem Gebiet der Universitätsreform zu rächen. Um bei dem großen Vorhaben, den Universitäten trotz mancher Widerstände deutlich mehr an Eigenständigkeit zu geben, nicht zu scheitern, wurden zwei Felder nicht geregelt: Studienrecht und Studienzulassung. Ein Fehler, wie die Architekten rückblickend erkennen ließen.

Viele Rechte, wenig Pflichten

Eine Änderung des Studienrechtes sei vor zehn Jahren von der damaligen Wissenschaftsministerin Elisabeth Gehrer unterlassen worden, um die ihrer Partei, der ÖVP, nahestehenden Studentenvertreter der Aktionsgemeinschaft "ruhigzustellen“, wie Heinz Mayer meinte. Die Folge: "Die Studenten haben viele Rechte, aber wenig an Verpflichtungen.“ Das Regelwerk sei "leistungsfeindlich und unverbindlich“. Ein "großer Teil“ der Studierenden sei bei einem gleichzeitig erheblichen Anteil an außerordentlich Begabten, "nicht studierfähig“. Und das führt in das Zentrum der Mängel: Es fehle an Zulassungsregeln und an - sozial vertäglicher - Beteiligung der Studierenden an der Finanzierung von Studienplätzen.

Die Universitäten müssten auch in Österreich, wie international üblich, entweder ihre Studierenden aussuchen oder von diesen Beiträge einheben dürfen. Keines dieser Mittel zur Verfügung zu haben, löse überall, wo Politik und Wissenschaft internationale Kontakte pflegten, Kopfschütteln aus, berichteten Töchterle und Mayer. Erst diese Mittel würden die - international inzwischen wegen ihres Erfolges übliche - Autonomie der Universitäten vollständig werden lassen. "Keine Studiengebühren und keine Zugangsregeln geht nicht. Zumindest eines müsste man verändern“, meint Georg Winckler, der als Rektor das UG mitverhandelte hatte. Töchterle zu dessen Aussage: "Dem ist überhaupt nichts hinzuzufügen.“ Doch eine Aussicht darauf scheint hingegen nicht zu bestehen: Wissenschaftsminister Töchterle und die ÖVP sind für, Koalitionspartner SPÖ gegen Studiengebühren. Obwohl, so Töchterle, durch alle Pro-Argumente von ihm präsentiert, die Gegenargumente entkräftet worden seien. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese politische Blockade in der Koalition zugunsten der Einführung von Studiengebühren löst, schätzen die Architekten der Universitäts-Autonomie offenbar als gering ein. Was dafür nötig sei? Ein bisschen Einsicht, sagt Sigurd Höllinger. Genau, meint Georg Winckler, an den Verhandlungen zum UG beteiligter Rektor, aber: "Die gibt es leider nicht.“ Ganz im Gegenteil, so Mayer: "Die Positionen sind völlig irrational.“ Bezüglich des mancherorts angedachten Abtausches innerhalb der Koalition von Studiengebühren gegen Gesamtschule bleibt Töchterle auf seiner Linie: "Diesen Abtausch will ich keinesfalls.“

Wenn schon befürchtet werde, dass im Bildungssystem "soziale Selektvität“ stecke, dann müsse gegen diese doch nicht am Ende des Bildungsweges, an den Universitäten, sondern am Beginn, an den Volksschulen bekämpfen, ergänzte Jürgen Langer, Bildungsexperte am Institut für Wirtschaftsforschung.

Das Bolognazeitalter hat begonnen

Mit der Autonomie hätten sich Österreichs Universitäten jedenralls hinsichtlich ihrer Struktur zu einem gerne übernommenen internationalen Vorbild gemacht und zudem ihre Leistungsfähigkeit und Erfolge erheblich gesteigert. Die Anzahl der Erstzugelassenen sei in der Dekade seit dem UG 2002 um nahezu die Hälfte angestiegen, die Anzahl der Studienabschlüsse je Studienjahr habe sich nahezu verdoppelt. Die gegenwärtige durchschnittliche Studiendauer betrage 10,7 Semester. Damit sei sie im Vergleich zum Studienjahr 2002/03 um knapp drei Semester zurückgegangen.

Die Universitäten haben inzwischen das dreigliedrige System, die Bologna-Studienarchitektur umgesetzt: 84 Prozent des Studienangebotes entfallen darauf.