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Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt

Die Staatsoper zeigt anlässlich des 95. Geburtstags von Lillian Barylli-Fayer eine Auswahl ihrer Fotos. Das Theatermuseum erinnert an Anton Dermota.

An die 30.000 Fotos umfasst das Archiv von Foto Fayer. Die Firma hat Lillian Barylli-Fayer längst ihren Söhnen übergeben, das Archiv verwaltet die 95-jährige Seniorchefin bis heute selbst. Aus gutem Grund: Nach wie vor kennt nur sie alle Details der Entstehungsgeschichte dieser einzigartigen fotografischen Dokumentation, zugleich ein besonders spannendes Beispiel jüngerer österreichischer Kulturgeschichte. Vor allem - aber nicht nur - der Wiener Staatsoper, die im Laufe der Jahrzehnte so etwas wie ein zweites Wohnzimmer der renommierten Fotografin wurde.

"… dass man etwas gleich schaut“

Augenblicken der Vergänglichkeit Zeitlosigkeit verleihen, nennt sie den Anspruch, dem sie sich zeitlebens verpflichtet gefühlt hat. Was nur möglich ist, wenn man ein entsprechendes Vertrauensverhältnis mit den Porträtierten aufbauen und sie überzeugen kann, dass es bei einem Foto weniger auf Schönheit ankommt, sondern auf Ähnlichkeit und dass man "etwas gleich schaut“ (Fayer). Mit dem Goethe-Wort "Zum Sehen geboren, zum Schauen bestellt“ charakterisierte Kammerschauspieler Michael Heltau die Arbeit von Lillian Barylli-Fayer, die man im Gustav-Mahler-Saal der Staatsoper am Beispiel von 14 großen und 26 kleinen Porträts bestaunen kann. Schließlich sind es nicht nur gestochen scharfe Profile, die hier präsentiert werden, sondern ebenso das Rollenverständnis bedeutender künstlerischer Gestalter der jüngeren Vergangenheit. Ob José Carreras als André Chenier, Sena Jurinac als Poppea und Feldmarschallin, Birgit Nilsson als Turandot, Edita Gruberová als Manon, Georges London als Scarpia, Walter Berry als Wozzeck, Luciano Pavarotti als Rodolfo, Plácido Domingo als Canio, Lucia Popp als Blondchen, Giuseppe di Stefano als Alvaro, Eberhard Waechter als Eisenstein, Oskar Werner und Maria Schell als Ferdinand und Luise in "Kabale und Liebe“, Porträts von Karajan, Heltau, Swjatoslaw Richter, um einige zu nennen - stets verblüfft, wie es Fayer gelungen ist, das jeweils Typische und Charakteristische so einzufangen, dass sich mit dem jeweiligen Bild eine Geschichte, zumindest eine Erinnerung an jene Produktion verbindet, aus der das jeweilige Foto stammt.

Mozart-Tenor par excellence

Wie für Mozart erwies sich auch für Anton Dermota (1910-1989) Wien als "der beste Platz für mein Metier.“ Ursprünglich zum Kirchenorganisten bestimmt, führte ihn ein Stipendium zur gesuchten Gesangspädagogin Maria Radó nach Wien. Schon nach zwei Jahren, 1936, wurde er an die Staatsoper engagiert, debütierte als Erster Geharnischter in Mozarts "Zauberflöte“ und blieb neben zahlreichen ebenso gefeierten internationalen Auftritten diesem Hause bis zuletzt treu.

Basierend auf seinen eigenen, 1978 im Neff-Verlag publizierten Erinnerungen "Tausendundein Abend“ erinnert eine von seiner Tochter Jovita gestaltete kleine Schau an die Karriere dieses nicht zuletzt wegen seiner Mozart-Interpretationen international hoch geschätzten Sängers. Tafeln informieren über die wichtigste Stationen der Karriere und die Künstler, mit denen Dermota zusammengearbeitet hat, darunter Bruno Walter, Erich Kleiber, Karl Böhm. Ausgestellt ist sein Kostüm als Cassio in Verdis "Otello“. Weiters zu sehen sind persönliche Widmungen, Autografen von Krenek und Einem. Ergänzt wird die Exposition durch Tonbeispiele und Bilddokumente, die neben dem Opernsänger den Lied-Interpreten Dermota in Erinnerung rufen.

Portraits by Fayer

Wiener Staatsoper, Gustav Mahler-Saal

bis 31. August, jeweils vor den Vorstellungen und in den Pausen

Anton Dermota. Ein Sängerleben

Österreichisches Theatermuseum, 1010 Wien, Lobkowitzplatz 2

bis 10. Dez., tägl. außer Di 10-18 Uhr

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