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Zwei Jahre Klasnic-Kommission

Nach zwei Jahren Arbeit veröffentlichte die Unabhängige Opferschutzkommission unter Waltraud Klasnic einen Zwischenbericht über ihre Tätigkeit und verkündete das Vorhaben, eine Präventionsplattform einzurichten.

Insgesamt wurden in den letzten zwei Jahren 702 Anliegen von den eingelangten 1244 Opfermeldungen erledigt, mehr als acht Millionen Euro und zusätzlich 23.000 Therapiestunden wurden vergeben. Rund zwei Drittel der Opfer waren von sexueller Gewalt betroffen, davon sind 75,4 Prozent männlich. Die meisten gemeldeten Fälle liegen vor 1980, davon fast die Hälfte in den Jahren zwischen 1960 bis 1970. Das bedeutet, der gerichtliche Weg wäre im Gegensatz zur Opferschutzkommission in vielen Fällen wegen der Verjährungsfrist aussichtslos. Bis Jahresende sollen die ausständigen Opfermeldungen aufgearbeitet sein, für das erste Quartal 2013 kündigt Klasnic einen umfangreichen Abschlussbericht an. Das bedeute aber keinen Schlussstrich, es solle auch 2013 "weiterhin eine unabhängige Einrichtung geben, die für Betroffene im Bereich der katholischen Kirche Österreichs Entscheidungen für Hilfestellungen trifft und Bewusstseinsbildung und Prävention zum Ziel hat.“ Ab 31. Mai wenden sich die Opfer kirchlichen Missbrauchs und Gewalt nicht mehr direkt an die Kommission, sondern an unabhängige Ombudsstellen der Diözesen. Der Schwerpunkt der Kommission verlagert sich auf präventive Aufgaben, wofür eine Präventionsplattform gegründet werden soll.

Im Vorfeld des Zwischenberichts gab es den Vorwurf der "Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt“, es seien noch 40 beschuldigte Priester im Amt. Dazu sagte Kommissionsmitglied und Richterin Caroline List, dass die Kommission mit einer "Plausiblitätsprüfung“ die Opferseite untersuche, und nicht wie ein Zivilgericht beide Seiten anhöre, um zu einem Urteil zu kommen. Es wäre dringend notwendig, so List weiter, die Liste dieser 40 Täter bekannt zu geben, um handeln zu können. (red)

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