Zwischen Marx und Coca Cola

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Jean-Luc Godard: Ein Regisseur, dessen Markenzeichen die Künstlichkeit der Inszenierung ist.

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Jean-Luc Godard: Ein Regisseur, dessen Markenzeichen die Künstlichkeit der Inszenierung ist.

Zwischen Marx und Coca Cola, Haß und Liebe, Bürgertum und Arbeiterschaft läßt der Französischschweizer Regisseur Jean-Luc Godard seine Figuren sich bewegen. Und im Mittelpunkt der Filme steht Reflexion. Reflexion über das Kino, die Gesellschaft, Politik, soziale (Un-)Gerechtigkeit, Menschen.

Geboren 1930 in Paris, machte sich Godard bereits in den fünfziger Jahren als Kritiker der "Cahiers du Cinema" einen Namen und drehte einige Kurzfilme. 1960 folgte der erste lange Spielfilm: "A bout de souffle" (Außer Atem) mit Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg, ein Kriminalfilm, in dem es mehr um Beziehungen geht als um Verbrechen, der mit moralischen Regeln bricht und einen unbefangenen Lebensstil auf der Leinwand zeigt. Gedreht wurde auf unkonventionelle Weise, nicht im Studio, sondern in Cafes, Restaurants und den Straßen von Paris. Kameramann Raoul Coutard drehte alles von der Schulter. Und es zeigt sich bereits, was zum Markenzeichen Godards werden sollte: die Künstlichkeit der Inszenierung.

Auf die Spitze getrieben hat er diese etwa in "Tout va bien" (1972), einer Auseinandersetzung mit der Arbeiterbewegung des Mai 1968. Die Protagonisten werden vor den Augen des Zuschauers erfunden. Lebendig werden sie nie. Abrupte Schnitte und seltsame Kamerafahrten sorgen neben verfremdeten, künstlichen Szenen dafür, daß der Zuschauer nie vergißt, daß er Fiktion vor sich hat. Statt Geschichten sind es Fetzen von Geschichten ("Nouvelle Vague"; 1990), die Schauspieler blicken oft geradeaus in die Kamera, als wären sie angetreten, um Interviews für einen Dokumentarfilm zu geben ("Masculin - Feminin"; 1965).

In diesen Filmen sind Bewegung, Musik und Handlung sehr sparsam eingesetzt. Gedanken werden oft gar nicht in Szenen verpackt, sondern einfach ausgesprochen, in den Raum geworfen.

Bei aller Reduktion und Eigenheit, die den Filmen einen künstlerischen und philosophischen Anstrich verleihen sollen, und sie gleichzeitig Filmklassiker und elitäres Nischenprodukt sein lassen, hat Godard auf eines nicht verzichtet: auf prominente Schauspieler, wie etwa Brigitte Bardot oder Alain Delon. Mit seinem umfangreichen filmischen Îuvre zählt Jean-Luc Godard zu den wichtigsten Vertretern der Nouvelle Vague.

Im Rahmen des Wiener Filmfestivals Viennale wird nun im Österreichischen Filmmuseum eine Werkschau gezeigt, die mehr als 50 Jahre seines filmischen Schaffens umfaßt.

Bis 31. Oktober Tel.: (01) 533 70 54

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