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1 Artikel, 2 Frauen, 2 Begehren

Auslöser war ein Leitartikel von Andreas Unterberger. Der damalige Presse-Chefredakteur empörte sich am 13. September 1997 - ein paar Monate nach dem ersten Frauenvolksbegehren -über die Benachteiligung der "unteren Kasten" durch die damals diskutierte Pensionsreform. Am ärgsten sei die "Diskriminierung jener Frauen, die sich der Kinder wegen für die Hausfrauenrolle entschieden haben", schrieb Unterberger. "Sie werden von keiner Frauenministerin vertreten, sondern nur verachtet". Es folgten Leserbriefe, die ihm Recht gaben und die "herrschende Doktrin" beklagten, dass man "jede Frau, die sich für den Mutterberuf entschieden hat, aus dieser Rolle zwangsbefreien" müsse. Dies wiederum rief Traude Novy, damals Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Wien, auf den Plan. "Es gibt keine ungesichertere Lebensform als die der Hausfrau und Mutter - außer man ist vermögend oder kommt aus einer wohlhabenden Familie", schrieb sie in einem Leserbrief.

Umfassendere Forderungen

Bis heute, knapp 21 Jahre später und in der Unterstützungsphase auf das zweite Frauenvolksbegehren, trägt Barbara Fruhwürth diesen Text in ihrer Geldbörse bei sich, wie sich bei der FURCHE-Debatte herausstellte. Tatsächlich propagiert heute niemand mehr ein dezidiertes "Hausfrauenmodell". Und auch sonst hat sich der frauenpolitische Forderungskatalog zwischen 1997 und 2018 verändert: Damals wurde etwa die arbeits-und sozialrechtliche Gleichstellung von Teilzeitarbeit mit voller Erwerbstätigkeit verlangt. Laut den Initiatorinnen des neuen Volksbegehrens war dies am Ende einer von nur zwei Punkten des alten Begehrens, die umgesetzt wurden. (Der zweite war die Forderung nach staatlichen Bildungsmaßnahmen für mehr Gleichstellung und geschlechtsspezifischen Statistiken). Weil sich die Teilzeittätigkeit aber auch als "Bumerang" erwiesen habe, wird nun mit der 30-Stunden-Woche bei Lohn-und Personalausgleich Grundsätzlicheres gefordert. Auch volle Lohntransparenz wird u. a. verlangt. Die für eine Volksbegehrens-Einleitung nötigen 100.000 Unterstützungen hat man bereits erhalten, bis zum Frauentag am 8. März will man 250.000 erreichen (Infos: frauenvolksbegehren.at).

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