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Gesellschaft

"Alt sein heißt nicht stumm sein!"

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Die Leute sollten darüber nachdenken, ob wir unsere Sicherheit tatsächlich auf der berittenen Polizei oder nicht eher auf einem funktionierenden Sozial-und Rechtsstaat gründen. (M. Salzer)

Wir sind die Generation, die eine Zukunft hatte. Jetzt sehen wir, wie mit der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder Vabanque gespielt wird. Das wollen wir nicht zulassen!" Es ist ein flammender Appell, den die ehemalige evangelische Pfarrerin, Therapeutin und Organisationsentwicklerin Monika Salzer, die ehemalige ORF-Journalistin Susanne Scholl und zahlreiche weitere Frauen an ihre Zeitgenossinnen richten. "Wir wehren uns gegen die Zerstörung des Sozialstaates! Wir wehren uns gegen die Vernichtung aller Errungenschaften der österreichischen Demokratie im 20. Jahrhundert! Wir stehen ein für das Recht jedes Menschen auf ein menschenwürdiges Leben. Wir stehen ein für das Recht der Frauen, gleichberechtigt ihr Leben zu bestimmen. Wir stehen ein für das Recht der freien Meinung! Wir stehen auf gegen Rechtspopulisten und Menschenverachter!"

Solch heftige Töne ist man meist von eher jungen Aktivistinnen und Aktivisten gewöhnt. Doch diesmal sind es reife Damen, die derlei skandieren. "Die ältere Frau als öffentliche politische Kraft ist nicht in unserem kollektiven Bewusstsein gespeichert", ist sich Monika Salzer bewusst. "Deshalb müssen Frauen öffentlich auftreten, nicht als Einzelperson, Ausnahme oder Star, sondern als Gruppe, die auffällt."

Aufzufallen gelingt den "Omas gegen Rechts", wie sich die zivilgesellschaftliche und überparteiliche Initiative durchaus selbstironisch nennt, bislang überraschend gut -ob beim Internationalen Frauentag am 8. März oder bei der Demonstration gegen den von zahlreichen Rechten bis Rechtsextremen besuchten Kongress "Verteidiger Europas" im oberösterreichischen Schloss Aistersheim. Das liegt nicht zuletzt auch an jenen leuchtenden "Oma Hauben", die sich die Aktivistinnen selber gestrickt haben - angelehnt an die pinken "Pussy-Hats" der Anti-Trump-Proteste in den USA. Entsprechende Häkel-und Strickanleitungen hat man auf die Homepage gestellt (www.omasgegenrechts.com), im Rahmen einer Kooperation mit der Wiener Kunsthalle sind die Mützen auch käuflich zu erwerben. Lustvoll das Klischee der in grau und beige gehüllten Großmutter zu brechen, aus der "small world" herauszutreten und gemeinsam für die eigenen Kinder und Enkelkinder die Stimme erheben: Darum soll es gehen.

Es war am 16. November 2017, mitten in den türkis-blauen Koalitionsverhandlungen, als Monika Salzer die "Omas gegen Rechts" auf Facebook ins Leben rief. Motiviert hatte sie die Sorge vor einer "gelenkten Demokratie", einer "Verwüstung der Sprache", einem Angriff auf den Sozialstaat und einer Unterminierung der Rechtsstaatlichkeit durch Rechtsradikale in Ministerbüros, wie die 70-jährige dreifache Großmutter der FURCHE erzählt. Ihr Vorbild sei der Wahlkampf für Alexander Van der Bellen gewesen: "Hier haben sich viele zivilgesellschaftliche Organisationen formiert und mit ihren Liedern, Wanderungen und Treffen ein unglaublich buntes Bild abgegeben",sagt Salzer. Erstmals seit Langem sei aus ihrer Sicht die Zivilgesellschaft wieder deutlich wahrnehmbar gewesen. "Es wäre dringend nötig, dass die Leute endlich ihren Kopf einschalten und darüber nachdenken, ob wir unsere Sicherheit tatsächlich auf der berittenen Polizei oder nicht eher auf einem funktionierenden Sozial-und Rechtsstaat gründen," meint Salzer. "Aber in Österreich wird Politik leider oft nur mit dem Bauch gemacht."

Die Leute sollten darüber nachdenken, ob wir unsere Sicherheit tatsächlich auf der berittenen Polizei oder nicht eher auf einem funktionierenden Sozial-und Rechtsstaat gründen. (M. Salzer)

Wir sind die Generation, die eine Zukunft hatte. Jetzt sehen wir, wie mit der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder Vabanque gespielt wird. Das wollen wir nicht zulassen!" Es ist ein flammender Appell, den die ehemalige evangelische Pfarrerin, Therapeutin und Organisationsentwicklerin Monika Salzer, die ehemalige ORF-Journalistin Susanne Scholl und zahlreiche weitere Frauen an ihre Zeitgenossinnen richten. "Wir wehren uns gegen die Zerstörung des Sozialstaates! Wir wehren uns gegen die Vernichtung aller Errungenschaften der österreichischen Demokratie im 20. Jahrhundert! Wir stehen ein für das Recht jedes Menschen auf ein menschenwürdiges Leben. Wir stehen ein für das Recht der Frauen, gleichberechtigt ihr Leben zu bestimmen. Wir stehen ein für das Recht der freien Meinung! Wir stehen auf gegen Rechtspopulisten und Menschenverachter!"

Solch heftige Töne ist man meist von eher jungen Aktivistinnen und Aktivisten gewöhnt. Doch diesmal sind es reife Damen, die derlei skandieren. "Die ältere Frau als öffentliche politische Kraft ist nicht in unserem kollektiven Bewusstsein gespeichert", ist sich Monika Salzer bewusst. "Deshalb müssen Frauen öffentlich auftreten, nicht als Einzelperson, Ausnahme oder Star, sondern als Gruppe, die auffällt."

Aufzufallen gelingt den "Omas gegen Rechts", wie sich die zivilgesellschaftliche und überparteiliche Initiative durchaus selbstironisch nennt, bislang überraschend gut -ob beim Internationalen Frauentag am 8. März oder bei der Demonstration gegen den von zahlreichen Rechten bis Rechtsextremen besuchten Kongress "Verteidiger Europas" im oberösterreichischen Schloss Aistersheim. Das liegt nicht zuletzt auch an jenen leuchtenden "Oma Hauben", die sich die Aktivistinnen selber gestrickt haben - angelehnt an die pinken "Pussy-Hats" der Anti-Trump-Proteste in den USA. Entsprechende Häkel-und Strickanleitungen hat man auf die Homepage gestellt (www.omasgegenrechts.com), im Rahmen einer Kooperation mit der Wiener Kunsthalle sind die Mützen auch käuflich zu erwerben. Lustvoll das Klischee der in grau und beige gehüllten Großmutter zu brechen, aus der "small world" herauszutreten und gemeinsam für die eigenen Kinder und Enkelkinder die Stimme erheben: Darum soll es gehen.

Es war am 16. November 2017, mitten in den türkis-blauen Koalitionsverhandlungen, als Monika Salzer die "Omas gegen Rechts" auf Facebook ins Leben rief. Motiviert hatte sie die Sorge vor einer "gelenkten Demokratie", einer "Verwüstung der Sprache", einem Angriff auf den Sozialstaat und einer Unterminierung der Rechtsstaatlichkeit durch Rechtsradikale in Ministerbüros, wie die 70-jährige dreifache Großmutter der FURCHE erzählt. Ihr Vorbild sei der Wahlkampf für Alexander Van der Bellen gewesen: "Hier haben sich viele zivilgesellschaftliche Organisationen formiert und mit ihren Liedern, Wanderungen und Treffen ein unglaublich buntes Bild abgegeben",sagt Salzer. Erstmals seit Langem sei aus ihrer Sicht die Zivilgesellschaft wieder deutlich wahrnehmbar gewesen. "Es wäre dringend nötig, dass die Leute endlich ihren Kopf einschalten und darüber nachdenken, ob wir unsere Sicherheit tatsächlich auf der berittenen Polizei oder nicht eher auf einem funktionierenden Sozial-und Rechtsstaat gründen," meint Salzer. "Aber in Österreich wird Politik leider oft nur mit dem Bauch gemacht."