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Auf der christlichen Ebene

Nach dem Kirchenrecht ist vermutlich alles korrekt gelaufen. Wer Spielregeln verletzt, wird vom Platz gestellt, bis er Einsicht zeigt. Obwohl man natürlich fragen könnte, ob es nicht auch genügt hätte festzustellen, dass das Ehepaar Heizer mit seinen Freunden keine Eucharistiefeier im Sinne der katholischen Kirche gefeiert hat. Nach dem sakramententheologischen Mainstream ist auch alles korrekt gelaufen. Wenn Sakramente "von ihrem Wesen her eine Feier der ganzen Kirche“ sind, "kann es so etwas wie eine ‚private Eucharistiefeier‘ gar nicht geben“ (Bischof Scheuer). Obwohl man natürlich fragen könnte, ob ausgerechnet der Entzug der Sakramente, dieser "wirksamen Zeichen der Liebe Gottes“, dessen Gnade viel weiter reicht als die sichtbare Kirche, als Sanktion eingesetzt werden muss.

Freilich: Wenn ein Spiel auch für den Sieger eine "Niederlage“ (Bischof Scheuer) ist, dann stimmt etwas mit den Spielregeln nicht. Dann braucht man ein anderes Spiel, andere Regeln. - Was wäre, wenn das Ehepaar Heizer und Bischof Scheuer und eine geistliche Moderatorin in Respekt vor ihrer jeweiligen christlichen Authentizität sich für eine Woche in ein Kloster zurückzögen? Sich über die Gründe ihres Handelns, die persönlichen Erfahrungen und religiösen Identitäten austauschten? Wenn sie nicht auf der Notfallebene des Rechts, sondern der christlichen Ebene des Respekts, des Hörens und der Aufmerksamkeit in Kontakt träten? Um auszuloten, was es für katholische Frauen bedeutet, vom Priestertum ausgeschlossen zu sein, nur weil sie Frauen sind. Um auszuloten, was es bedeutet, Teil einer Weltkirche zu sein, und verantwortlich für Communio und Zusammenhalt. Um auszuloten, was die Eucharistie für alle Beteiligten für ihr Leben bedeutet. Um gemeinsam zu beten, zu schweigen, um gute Lösungen zu bitten.

Wo sind wir eigentlich, wenn das naiv klingen sollte?

Der Autor ist katholischer Pastoraltheologe an der Universität Graz

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