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Das Ferien-Dilemma

FOKUS
Klettern - © Foto: iStock/Fertnig

Betreuung in den Schulferien: lieb und teuer

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Neun lange Wochen: Für die Kinder ein Traum, für viele Eltern das Gegenteil. Wer seinen Nachwuchs gut betreut wissen will, muss nicht nur gut organisiert sein, sondern oftmals tief in die Tasche greifen. 

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Neun lange Wochen: Für die Kinder ein Traum, für viele Eltern das Gegenteil. Wer seinen Nachwuchs gut betreut wissen will, muss nicht nur gut organisiert sein, sondern oftmals tief in die Tasche greifen. 

„Ohne meinen flexiblen Arbeitgeber hätte ich heuer ein echtes Problem gehabt“, erklärt Sabine H., Juristin und Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern im Mostviertel. Im Frühjahr wurde seitens der Gemeinde eine Bedarfserhebung für die Ferienbetreuung gemacht, einige Wochen später erfährt die Alleinerzieherin, dass in einer der von ihr benötigten Ferienwochen keine Betreuung zustande kommt – und in einer zweiten die Kinder spätestens um 13 Uhr abgeholt werden müssen. „Glücklicherweise konnte ich die bereits beantragte und genehmigte Urlaubswoche verschieben. Die zweite Woche werde ich nun nachmittags im Home-Office arbeiten. Qualitativ hochwertige Ferienbetreuung für meine Söhne stelle ich mir allerdings anders vor“, sagt sie.

Nicht nur Sabine H. fragt sich, warum Nachmittagsbetreuung während des Schuljahres gewährleistet wird, während des Sommers aber nicht. „Die Kosten könnten ein Grund sein“, mutmaßt die Mutter. Denn während man innerhalb des Schuljahres pro Monat weniger als hundert Euro für die Nachmittagsbetreuung zahlt, vervielfachen sich die Elternbeiträge im Juli und August. „Ich kann schon verstehen, dass viele dann lieber auf Oma und Opa zurückgreifen. Und mir kommt vor, das können hier alle außer mir. Für mich stellt sich die Frage nicht, ich muss mir das zumindest für ein paar Wochen leisten können, wenn ich meine Kinder nicht unbeaufsichtigt daheimlassen möchte.“

Föderale Fördertöpfe

Wie man es dreht und wendet: Fünf Wochen Urlaub für die Eltern und neun Wochen Sommerferien für die Kinder (die restlichen Ferien noch gar nicht mitgezählt): Das geht sich nicht aus. Wer nicht auf Großeltern, Verwandte oder Nachbarn zurückgreifen kann oder will, ist auf außerfamiliäre Betreuung angewiesen. Ein finanzieller Kraftakt. Zuweilen versuchen die Länder, diesen abzufedern: So stellen mehr als zwei Drittel der Gemeinden Niederösterreichs ein umfassendes Ferienbetreuungsprogramm zur Verfügung, das wiederum mittels Förderung des Landes finanziell abgesichert wird. Tatsächlich scheinen die Fördertöpfe gefüllt zu sein – Gemeinden und Vereine werden seitens des Landes statt der ursprünglichen Förderung von 250 Euro pro Gruppe und Woche mit 500 Euro unterstützt. Dennoch wird in vielen Ortschaften das potenziell mögliche Programm nur minimal ausgerollt. Das wiederum führt dazu, dass die Sommermonate zur Zerreißprobe für viele Familien werden. Es braucht minutiöse Planung sowie verständnisvolle Arbeitskolleginnen und -kollegen, um die Herausforderung zu meistern.

Sabine H.s Kinder sind aufgrund der Trennung ihrer Eltern zweimal auf Reisen – und die Vereinbarkeitsfrage für die Mutter erledigt sich für jene zwei Wochen, in denen die Kinder mit dem Vater unterwegs sind. Auf dieses Eins-zu-Eins-Urlaubsbetreuungskonzept greifen freilich auch immer mehr Eltern in aufrechter Beziehung zurück – aus schierer Not. Auf der Strecke bleibt dabei die gemeinsame Familienzeit.

In Kärnten schlägt Astrid Legner, Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin und Landesvorsitzende von „Frau in der Wirtschaft“, deshalb Alarm: Das mangelnde Betreuungsangebot im südlichsten Bundesland sorge dafür, dass viele Eltern nur noch getrennt Urlaub machen können. In diesem Jahr würden zudem so wenige Sommercamps angeboten wie nie zuvor. Anbieter entscheiden zudem immer häufiger kurzfristig, ob es sich überhaupt lohnt, ein Camp durchzuführen. Diese Kurzfristigkeit führt zu Unplanbarkeit für alle betroffenen Familien, kritisiert Legner. Es brauche dringend neue Lösungen. Konkret fordert die Wirtschaftskammer eine Unterstützung des Landes Kärnten für all jene, die ihre Kinder zu Sommercamps schicken. Diese sollte sowohl von unternehmerisch tätigen Eltern als auch von anderen Berufstätigen beantragt werden können. Legner sieht damit nicht nur eine wichtige Entlastung für die Kärntner Familien, sondern erwartet sich auch eine Steigerung von Angebot und Nachfrage bei Sommerbetreuungsangeboten. Das investierte Geld würde direkt in die heimische Wertschöpfungskette eingespeist werden, betont sie: „Von jedem einzelnen Euro profitieren sowohl Betriebe als auch Familien – und damit das ganze Land. So kann es uns gelingen, die Arbeitsleistung wieder anzukurbeln, während die Kinder ihren Sommer genießen. Ich kann mir keine bessere Art der Wirtschaftsförderung vorstellen“, so die Unternehmerin.

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