Digital In Arbeit

Damit die Fische frisch bleiben

Umweltpolitik und Abfallwirtschaft stehen vor einer Herausforderung: Elektroschrott ist schnell produziert, aber nur mühsam entsorgt.

He! Was machst du da mit dem Kühlschrank?", fragt ein kleines Mädchen einen Mann (Roland Düringer), der im Begriff ist, sein altes Gerät in einem Bach zu deponieren. "Ich schmeiß' ihn ins Wasser, damit die Fische schön frisch bleiben!", lautet die Antwort.

Mit diesem und ähnlichen Werbespots wirbt das Unternehmen Umweltforum Haushalt (ufh) nun schon seit einigen Jahren für ein größeres Bewusstsein bei der Bevölkerung in Sachen umweltfreundliche Entsorgung von Elektro- und Elektronikschrott. In der Politik schießen die Preußen etwas langsamer: Obwohl das Thema bereits seit längerem Aktualität genießt, kam es in der eu erst 2003 zum Beschluss zweier Richtlinien (weee - Waste Electrical and Electronic Equipment und RoHS - Restriction of Hazardous Substances). Sie bestimmen unter anderem Recyclingquoten, die den genauen Gewichtsanteil eines Gerätes, der wieder in den Materialkreislauf zurückgeführt werden muss, regeln. Auch die Mindestmenge an getrennt gesammelten Elektroschrott aus privaten Haushalten wird mit 4 kg pro Einwohner und Jahr genau festgelegt. Ein weiterer zentraler Punkt ist das Versursacherprinzip, das den Hersteller für die Umweltverschmutzung verantwortlich macht und ihn somit verpflichtet, die alten Elektrogeräte kostenlos zurückzunehmen sowie die Finanzierung des Transports der Elektroaltgeräte (eag) von den Rücknahmestellen zu den Verwertungsbetrieben und die weitere Behandlung bis hin zur Entsorgung zu übernehmen.

Diese Richtlinien hätten bis Mitte August 2004 in nationales Recht implementiert werden müssen. Österreich war säumig und befand sich damit in bester Gesellschaft: nur Griechenland hatte sich an die vorgegebene Frist gehalten. Seit Anfang Dezember 2004 befindet sich hierzulande zumindest eine Verordnung in Begutachtung, die am 11. Jänner endet.

Zögerliche Gesetzgebung

Inzwischen wächst der giftige Müllhaufen weiter und wirft einen immer längeren Schatten auf Mensch und Umwelt. Waschmaschinen, Kühlschränke, Fernseher, Computer, Handys, aber auch sprechende Puppen und beheizbare Schischuhe - von außen sieht man es ihnen kaum an und dennoch enthalten viele dieser ausrangierten Geräte Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Cadmium) und organische Schadstoffe, (fckw, polychlorierte Biphenyle - kurz pcb), die, wenn sie nicht fachgemäß entsorgt werden, entweichen können.

Wirklich verlässliche Angaben zum tatsächlichen Ausmaß des Elektromüllhaufens gibt es nicht. Laut Brüssel produziert heute jeder europäische Bürger durchschnittlich 14 kg Elektroschrott im Jahr. Manche Schätzungen vermuten, dass davon bis zu 90% völlig unbehandelt auf der Müllhalde oder in Müllverbrennungsanlagen landen, mitunter wegen mangelnder kommunaler Sammelstellen. Angesichts der österreichischen Zahlen erscheinen diese Angaben sehr pessimistisch: Die Sektion für Umwelttechnologie und Abfallmanagement des Umweltministeriums beziffert den hierzulande getrennt gesammelten Elektromüll mit 32.000 Tonnen pro Jahr, was laut Robert Jilek vom Verband der österreichischen Versorgungsbetriebe mehr als die Hälfte des anfallenden Elektroabfalls aus privaten Haushalten ausmacht.

Solange der Elektroschrott nicht unbehandelt in thermische Anlagen oder auf Deponien gelangt, sei diese Müllgruppe für die Abfallwirtschaft nur ein geringes Problem, meint Wolfgang Staber vom Institut für nachhaltige Abfallwirtschaft und Entsorgungstechnik in Leoben, denn Elektronikmüll mache nur 2% der gesamten Abfallmenge aus.

Die eigentliche Problematik des Elektro- und Elektronikmülls besteht auch nicht darin, ihn getrennt zu sammeln, sondern in seine Wiederverwertung. Um alte Elektro- und Elektronikgeräte recyceln zu können, ist es nötig, diese zunächst zu zerlegen. Eine maschinelle Demontage dieser Geräte ist äußerst kompliziert und technisch bislang kaum durchführbar. Bestehen bleibt also entweder die Möglichkeit einer manuellen - daher äußerst unwirtschaftlichen - Zerlegung, oder aber die Geräte werden mechanisch in so genannten Schredderanlagen zerkleinert. Die Aussortierung der Stoffe erfolgt im Regelfall erst danach und hat den Nachteil, dass zwar Eisen, zum Beispiel, durch Magnete herausgefiltert werden kann, die zurückbleibende Mischung verschiedenster Kunststoffe aber kaum wieder verwertbar ist.

Schwieriges Recycling

Um Kunststoff recyceln - das heißt, ihn wieder in den Materialkreislauf zurückführen - zu können, müsse er sortenrein getrennt werden, was nach einer solchen Zerkleinerung schwierig bis nicht mehr möglich sei, so Staber. Um dieses Problem zu lösen und vor allem, um auf Dauer die von der eu vorgeschriebenen Recyclingquoten zu erfüllen - welche vermutlich über kurz oder lang noch angehoben werden, wird man auch im Produktdesign ansetzten müssen. Ein erklärtes Ziel der euRichtlinien ist eben diese Nachhaltigkeit in Produktion und Verbrauch von Elektro- und Elektronikgeräten zu fördern. Im Umweltministerium spricht man von einer weiteren eu-Richtlinie, die in Zukunft auch gewisse Aspekte der Produktgestaltung regeln soll. Jedoch alleine schon das Verbot gewisser Stoffe ab 2006 durch die RoHS-Richtlinie werde sich schon auf die Produktionsweise auswirken, ist man im Umwelministerium überzeugt. Als nicht ganz so unbedenklich empfindet Staber diese Stoffverbote, da sich die Frage stellt, welche Substanzen als Ersatz verwendet werden sollen. Diese Stoffe, die zum Teil erst entwickelt werden, seien human- und ökotoxologisch noch nicht überprüft. Da die Entwicklung meist viel schneller vor sich gehe als die Untersuchung der Nebenbedingungen, sei es nicht auszuschließen, dass sich das Problem in einigen Jahren von neuem stellt.

Einen ganz anderen Zugang zur Fragestellung, an den in unserer Wegwerfgesellschaft kaum mehr ein Gedanke verschwendet wird, ist die Reparatur. Im Gebrauchtwarenführer für Wien finden sich zahlreiche Betriebe mit Angeboten, die von Reparatur, Verleih oder Tausch bis Second-Hand Ware reichen. Erwähnenswert ist hier vor allem auch die Arbeit sozialwirtschaftlicher Betriebe wie das Reparatur- und Servicezentrum (R.u.S.Z), die langzeitarbeitslose Menschen wieder in den Arbeitsmarkt integrieren. Für kreative Bastler empfiehlt sich außerdem der pc-Recycling Wettbewerb der deutschen Computer Fachzeitschrift c't ganz nach dem Motto: Mach flott den Schrott!

FURCHE-Navigator Vorschau