Das Geschlecht trennt die jungen Wähler

Unterschiedliches Wahlverhalten in der Steiermark als Reaktion auf die Krise # Migration ist jungen Wählern in Wien wichtiges Thema, vor Bildung und Arbeit.

Details des Ergebnisses der Landtagswahl in der Steiermark vom vorigen Sonntag bestätigen einen bundesweiten Trend: Junge Frauen wählen vermehrt die Grünen, junge Männer hingegen die Blauen.

Dazu kommen weitere Unterschiede innerhalb der jeweiligen Geschlechter, wie die Befragung am Wahltag durch das SORA-Institut ergab: Junge Männer gaben ihre Stimme dann besonders häufig der Freiheitlichen Partei, wenn sie von Personalabbau, Lohnverzicht und Kurzarbeit betroffen waren.

Die Großparteien schnitten bei den Jungwählern (Altersgruppe bis 30 Jahre) zwar gut aber unterdurchschnittlich ab # SPÖ 34 Prozent (vorläufiges Ergebnis: 38,3 %), ÖVP 32 Prozent (37,2 %) #, während die Kleinparteien bei der Jugend ein überdurchschnittliches Ergebnis erzielten: Die FPÖ kam auf 15 (10,7 %), die Grünen auf elf Prozent (5,5 %). Aber der geschlechtsspezifische Unterschied ist manifest: Während bei den Männern die FPÖ an dritter Stelle nach SPÖ und ÖVP liegt, sind es bei den Frauen die Grünen.

Zuwanderung kaum ein Thema

Die Wirtschaftskrise ist auch Ursache für die Verluste der Sozialdemokraten (minus 3,3 Prozentpunkte), wie die ISA/SORA-Umfrage im Auftrag des ORF ergab. Spitzenkandidat Franz Voves hat angekündigt, die Verluste seiner Partei in den obersteirischen Gemeinden näher analysieren zu lassen.

Bedeutsam scheint ein Blick auf die Reihung der Wichtigkeit der Themen zu sein. Am wichtigsten für die Wahlentscheidung war der Themenbereich Gesundheit und Spitäler (für 55 %), gefolgt von Schule und Bildung (53 %) sowie Sicherheit (52 %). Die Arbeitslosigkeit lag mit Pensionen und Steuern gleichrangig (47 %) auf Rang vier. Erst dann folgte die Zuwanderung mit einer Nennung von 31 Prozent.

Zugleich unterstreichen Umfragen und Analysen die Bedeutung von Spitzenkandidaten für die Wahl: Der wichtigste Grund für die Entscheidung der SPÖ-Wähler war, dass Voves Landeshauptmann bleiben solle. Nahezu die Hälfte jener, die SPÖ wählten, taten dies, weil sie sich vom Spitzenkandidaten so sehr angesprochen fühlten. Die Frage der Persönlichkeit mag auch für die bevorstehende Landtagswahl in Wien eine Rolle spielen, die Themenlage insbesondere unter der Jugend ist hingegen eine andere.

Das wichtigste Wahlthema ist für die 16 bis 19 Jahre alten Erstwähler die Migration, erhob das Institut für Jugendkulturforschung. Den Bereich Bildung und Ausbildung nennen 33 Prozent, die Gebiete Arbeit und Arbeitslosigkeit 26 Prozent als wichtigstes Thema.

Grüne bereits auf Platz zwei

Zwei Drittel der Jungwähler wollen sicher zur Wahl gehen, ein Drittel ist noch unentschlossen, welche Partei sie auf dem Stimmzettel ankreuzen. Unter den entschlossenen hat die SPÖ mit einem 36 Prozent den ersten Platz, doch bereits an zweiter Stelle der jungen Wähler liegen die Grünen, die in der Befragung unter 321 Erstwählern 20 Prozent Stimmenanteil erhielten. Lediglich 13 Prozent votierten für die FPÖ, zwölf Prozent für die Volkspartei. Diese Untersuchung widerlegt zugleich etwas die in Wien gängige These, der Obmann der Freiheitlichen, Heinz-Christian Strache, sei nicht zuletzt ursächlich seines Auftretens und seiner Diskotheken-Besuche bei der Jugend bekannt und beliebt. Von den befragten Jungwählern halten nämlich 51 Prozent Bürgermeister Michael Häupl für den am besten für dieses Amt geeigneten Politiker. Von Strache glauben das nur 14 Prozent der Befragten.

Die Ursache dafür liege, so Studienautor Bernhard Heinzlmaier, in dem Umstand, dass bei Gemeinderatswahlen die Person des Spitzenkandidaten für die Wahlentscheidung noch wichtiger sei als bei Nationalratswahlen: #Hier wählt man eher den Bürgermeister als eine Partei.# Daher würden die Freiheitlichen bei jungen Wählern hinter den Erwartungen zurückbleiben. Eine gegenüber Migration und Migranten kritische Politik hinterlässt, wie neue Studien zeigen, dort ihre Spuren.

Die Wahlwerbung der Parteien werde von Zugewanderten sehr stark und aufmerksam wahrgenommen, zeigt eine Untersuchung der Migrationsforscherin Barbara Herzog-Punzenberger. Sogar unter Personen, die bereits 30 oder sogar 40 Jahre in Österreich lebten, habe sie die Sorge entdeckt, #vielleicht schicken sie uns jetzt wieder zurück#.

Jüngste, vorige Woche bei einer Migrationstagung präsentierte Studien, zeigten wiederum, dass die Unterschiede zwischen Einheimischen und Migranten nicht besonders groß seien: Als Unternehmer etwa würden beide ähnlich denken.

Ergebnis

Von 966.000 Wahlberechtigten wurden bei der Landtagswahl 658.000 gültige Stimmen abgegeben: SPÖ 252.000; ÖVP 244.000, FPÖ 70.000, Grüne 36.000, KPÖ 29.000, BZÖ 20.000.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau