Jesper Juul
Gesellschaft

Der Elternflüsterer

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

F ürsorge, Respekt und Authentizität: Jesper Juuls Grundpfeiler einer guten Erziehung muten heute wie eine Selbstverständlichkeit an. Dass sich die Kindeserziehung in unseren Breitengraden so entwickelt hat, liegt zu einem guten Teil auch am Leben diesen Mannes, der am 25. Juli 71-jährig in der dänischen Kleinstadt Odder nach langer Krankheit verstorben ist. Mehrere Jahrzehnte prägte Juul sämtliche Debatten rund um das Familienleben. Statt Grenzen im altmodischen Sinne und einer Autoritätsform, bei der Eltern über die Bedürfnisse des Kindes hinwegsehen, formulierte Juul eine für damalige Verhältnisse völlig neue Wertewelt.

In seinem Klassiker „Dein kompetentes Kind“ betonte er 1996, dass die Verantwortung für das Wohlergehen der Familie alleine bei den Eltern liegt. Dabei fuße eine gute Führung auf einem hohen Maß an Selbstwertgefühl, Selbstachtung und der Fähigkeit, die eigenen Werte und Bedürfnisse ernst zu nehmen. Dieses Beachten von Grenzen nannte Juul „Integrität“. Eltern sollten sich wie Leitwölfe verhalten, schrieb er in seinem 2016 auf Deutsch erschienenen Buch „Leitwölfe sein“. Und guten Leitwölfen müsse es darum gehen, „sowohl die persönliche Integrität derer, die sie führen, als auch die eigene nicht zu verletzen“. Geboren 1948 im dänischen Vordingborg, verließ Juul früh seine eigene Familie. Nach dem Schulabschluss ging er als Jungkoch für die dänische Reederei auf See. Danach arbeitete er als Tellerwäscher und Barkeeper. Juuls Lebenslauf machte ihn zu einem genauen Beobachter, der sich gekonnt zwischen den Welten bewegt. Nach seinem Geschichtsstudium ging er als Lehrer und Sozialpädagoge an die Schule. Die tägliche Auseinandersetzung mit den Kindern legte den Grundstein für sein späteres Schaffen.

1979 gründete Juul mit seiner Frau das Kempler-Institut für Familientherapie und Beratung, 2004 folgte das Elternberatungsprojekt „FamilyLab“. Juul verfasste um die 40 Bücher, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, und avancierte so selbst zum Leitwolf jener Eltern, die sich dankbar seinen Thesen zuwandten. Auch für die FURCHE-Leser ist Juul kein Unbekannter, haben wir ihm und seinen Büchern seit vielen Jahren gerne Platz eingeräumt. Auf Vorträgen war der Mann mit der rundlichen Figur und dem nachdenklichen Gesichtsausdruck stets eine Erscheinung. Seine Standpunkte vermittelte er humoristisch pointiert und schaffte es so, das Publikum zu begeistern. Nun ist der Elternflüsterer nach langer Krankheit für immer verstummt. Seine Ideen werden bleiben.

F ürsorge, Respekt und Authentizität: Jesper Juuls Grundpfeiler einer guten Erziehung muten heute wie eine Selbstverständlichkeit an. Dass sich die Kindeserziehung in unseren Breitengraden so entwickelt hat, liegt zu einem guten Teil auch am Leben diesen Mannes, der am 25. Juli 71-jährig in der dänischen Kleinstadt Odder nach langer Krankheit verstorben ist. Mehrere Jahrzehnte prägte Juul sämtliche Debatten rund um das Familienleben. Statt Grenzen im altmodischen Sinne und einer Autoritätsform, bei der Eltern über die Bedürfnisse des Kindes hinwegsehen, formulierte Juul eine für damalige Verhältnisse völlig neue Wertewelt.

In seinem Klassiker „Dein kompetentes Kind“ betonte er 1996, dass die Verantwortung für das Wohlergehen der Familie alleine bei den Eltern liegt. Dabei fuße eine gute Führung auf einem hohen Maß an Selbstwertgefühl, Selbstachtung und der Fähigkeit, die eigenen Werte und Bedürfnisse ernst zu nehmen. Dieses Beachten von Grenzen nannte Juul „Integrität“. Eltern sollten sich wie Leitwölfe verhalten, schrieb er in seinem 2016 auf Deutsch erschienenen Buch „Leitwölfe sein“. Und guten Leitwölfen müsse es darum gehen, „sowohl die persönliche Integrität derer, die sie führen, als auch die eigene nicht zu verletzen“. Geboren 1948 im dänischen Vordingborg, verließ Juul früh seine eigene Familie. Nach dem Schulabschluss ging er als Jungkoch für die dänische Reederei auf See. Danach arbeitete er als Tellerwäscher und Barkeeper. Juuls Lebenslauf machte ihn zu einem genauen Beobachter, der sich gekonnt zwischen den Welten bewegt. Nach seinem Geschichtsstudium ging er als Lehrer und Sozialpädagoge an die Schule. Die tägliche Auseinandersetzung mit den Kindern legte den Grundstein für sein späteres Schaffen.

1979 gründete Juul mit seiner Frau das Kempler-Institut für Familientherapie und Beratung, 2004 folgte das Elternberatungsprojekt „FamilyLab“. Juul verfasste um die 40 Bücher, die in mehrere Sprachen übersetzt wurden, und avancierte so selbst zum Leitwolf jener Eltern, die sich dankbar seinen Thesen zuwandten. Auch für die FURCHE-Leser ist Juul kein Unbekannter, haben wir ihm und seinen Büchern seit vielen Jahren gerne Platz eingeräumt. Auf Vorträgen war der Mann mit der rundlichen Figur und dem nachdenklichen Gesichtsausdruck stets eine Erscheinung. Seine Standpunkte vermittelte er humoristisch pointiert und schaffte es so, das Publikum zu begeistern. Nun ist der Elternflüsterer nach langer Krankheit für immer verstummt. Seine Ideen werden bleiben.